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Maria Magdalena, bibeldidaktisch

(erstellt: März 2023)

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Die bibeldidaktische Beschäftigung mit Maria von Magdala steht in der Spannung zwischen den Aussagen der Bibel zu einer herausragenden Frau der Nachfolgegemeinschaft Jesu und dem Bild, das im Laufe der Jahrhunderte von ihr entstanden ist und das bis in die aktuelle Kunst und Literatur hinein die Wahrnehmung bestimmt.

1. Elementare Strukturen

1.1. Biblischer Befund

Nur von wenigen Frauen, die Jesus nachfolgten, ist der Name überliefert. Dagegen kennen alle vier kanonischen Evangelien Maria von Magdala und mit insgesamt 12 Stellen wird sie häufiger genannt als manche Männer aus dem Kreis der Zwölf.

Mirjam/Maria war der häufigste Name jüdischer Frauen in der hellenistisch-römischen Antike. Zugleich hatte er, insbesondere unter der restriktiven Herrschaft der Römer, auch eine politische Komponente, weil er an die Befreiung aus ägyptischer Unterdrückung erinnerte.

Weil der Name so häufig war, musste ihre Trägerin näher bestimmt werden, was normalerweise über männliche Bezugspersonen (Vater oder Ehemann) erfolgte; dagegen wird Maria nach ihrem Herkunftsort Magdala benannt. Das setzt voraus, dass sie Magdala verlassen hat. Ob ihre Begegnung mit Jesus dafür der Grund war oder ob sie schon vorher Magdala verlassen hatte, lässt sich den Quellen nicht entnehmen. Ihr Verhalten entsprach nicht den gesellschaftlichen Erwartungen an eine Frau, sondern zeugt von unabhängigem und selbstständigem Handeln. In sozialgeschichtlicher Hinsicht ist zu bedenken, dass die Jesusbewegung vor allem eine Armenbewegung war. Dies dürfte auf eine Frau außerhalb der familiären Absicherung ganz besonders zutreffen (vgl. Bieberstein, 2012, 126).

Bei den Synoptikern steht Maria von Magdala immer an erster Stelle in einer Reihe mehrerer Frauen. Mit Ausnahme von Lk 8,1-3 stehen alle biblischen Erwähnungen im Kontext von Passion und → Auferstehung Jesu.

1.1.1. Maria in den Passionserzählungen

Nachdem die Männer bei der Verhaftung Jesu geflohen waren (Mk 14,50), weil sie als Sympathisanten des „politischen Aufrührers“ fürchten mussten, ebenfalls von den Römern getötet zu werden, wurden Maria aus Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus dem Kleinen und Joses und Salome (Mk 15,40) aus sicherer Entfernung Zeuginnen des Todes Jesu. Sie werden durch zwei Begriffe bestimmt: 1. Schon in Galiläa sind sie Jesus „nachgefolgt“, haben also ihre bisherige Lebensweise aufgegeben. Indem sie Jesus bis zum Kreuz gefolgt sind, haben sie das Ideal der Nachfolge, die Kreuzesnachfolge, gelebt. 2. Das Handeln der Frauen wird als „dienen“ (diakonein) bezeichnet. Damit ist nicht in erster Linie hauswirtschaftlicher Dienst gemeint. Bei Mk ist Dienstbereitschaft konstitutiv und charakteristisch für die Jesusgemeinschaft (Mk 10,35-45). Ohne das Wort „Jüngerinnen“ zu benutzen, werden sie durch die Kombination von „nachfolgen“ und „dienen“ als solche charakterisiert.

Lk erweitert den Kreis der Zeugen der Kreuzigung auf „alle seine Bekannten“ (Lk 23,49) und rehabilitiert so die männlichen Begleiter Jesu (vgl. Petersen, 2019, 41f.).

Joh stellt – gegen alle historische Plausibilität – den Tod Jesu ganz anders dar: Direkt unter dem Kreuz stehen der Lieblingsjünger, die Mutter Jesu, die Schwester seiner Mutter, die Maria des Klopas und Maria von Magdala. Unmittelbar vor seinem Tod begründet Jesus die neue „familia dei“. Maria von Magdala repräsentiert dabei die Gemeinschaft der Glaubenden und verbindet als Zeugin dieses Vermächtnisses vorösterliche mit nachösterlicher Zeit (Joh 16,28) (vgl. Taschl-Erber, 2011, 372).

Maria von Magdala ist auch beim Begräbnis Jesu Zeugin (Mk 15,47; Mt 27,61).

1.1.2. Maria in den Ostererzählungen

In den Grabeserzählungen ist Maria von Magdala die einzige „Konstante“ (Mt 28,1; Mk 16,1; Lk 24,10; Joh 20,1). Übereinstimmend erzählen alle Evangelisten von einem Gang zum Grab am Tag nach dem Sabbat. Im Grab treffen die Frauen auf Engel/Männer, die ihnen das Geschehen als Auferstehung deuten und sie beauftragen, die Osterbotschaft allen anderen zu verkündigen. So wird Maria von Magdala entsprechend dem urchristlichen Credo von 1 Kor 15,3f. (gestorben-begraben-auferweckt) zur dreifachen Zeugin.

Die Begegnung löst bei den Frauen Reaktionen aus, wie sie auch für andere in der Bibel geschilderte Transzendenzerfahrungen (vgl. z.B. Lk 2,9) charakteristisch sind. Während bei Mk die Frauen vom Grab fliehen, wie die Jünger bei der Verhaftung Jesu, erfüllen sie nach Mt 28,8 ihren Verkündigungsauftrag. Der sekundäre Markusschluss hilft dem schon früh empfundenen Mangel ab, indem er das Erstzeugnis der Maria von Magdala hervorhebt (Mk 16,9-10).

Bei allen Differenzen im Einzelnen stimmen die Evangelisten darin überein, dass Maria von Magdala die erste Zeugin und die erste Botin des Osterevangeliums ist.

Außerdem sind die Begegnungserzählungen Mt 28,9f. und Joh 20,11-18 zu berücksichtigen: Während Lk 24,34 und 1 Kor 15,3-5 erzählen, dass der Auferstandene zuerst Petrus erschien, stellen Mt und Joh Maria von Magdala an den Anfang. In 1 Kor 15 fehlen die Frauen, weil der Text das Osterzeugnis in einer Gesellschaft legitimieren will, in der Frauen nicht als Zeuginnen zugelassen waren. Die herausgehobene Rolle der Maria von Magdala für das Osterzeugnis ist tendenzwidrig. Ihre Widerständigkeit in einem von Männern bestimmten Traditions- und Redaktionsprozess spricht für ihre Historizität.

Joh 20,11-18 schließt kunstvoll an die Entdeckung des fehlenden Leichnams durch Maria von Magdala (Joh 20,1-2) und den Gang zum Grab von Petrus und dem Lieblingsjünger (Joh 20,3-10) an. Der stark metaphorische Text macht deutlich, dass der Glauben an die Auferstehung Jesu eine Beziehungsgeschichte ist. Maria von Magdala erkennt Jesus, als er sie mit ihrem Namen anspricht. Ihre Antwort „Rabbuni“, die einzige direkte Rede Maria von Magdalas im ganzen NT, betont die persönliche Beziehung zwischen den beiden. Solange Jesus noch nicht zum Vater hinaufgegangen ist, soll Maria von Magdala ihn nicht festhalten. Implizit beinhaltet das, dass im fortschreitenden Erkenntnisprozess nach Ostern die Abwesenheit Jesu ein Gewinn ist (Joh 16,7) (vgl. Petersen, 2019, 68). Der Ort „Garten“ und die Verwechslung mit dem Gärtner erinnern an Gen 2 und verweisen darauf, dass in der Auferweckung der Schöpfergott handelt. Maria berichtet, dass sie den „kyrios“ („Herr“: die jüdische Lesart für den Gottesnamen) gesehen hat (Joh 20,18) und benutzt dabei genau die Worte, mit denen Paulus in 1 Kor 9,1 sein Apostolat begründet.

1.1.3. Maria als Begleiterin Jesu

Nur Lk 8,1-3 erwähnt Maria von Magdala schon während der Verkündigung Jesu in Galiläa: Im Anschluss an die Erzählung von der Frau, die Jesus die Füße salbt (Lk 7,36-50), folgt ein Sammelbericht über die Verkündigung in Galiläa. Neben den Zwölf sind auch von Jesus geheilte Frauen mit ihm unterwegs. Maria steht am Anfang der Liste, die mit Lk 6,14-16 vergleichbar ist. Für die Rezeptionsgeschichte wurde die Notiz wichtig, dass Jesus Maria von sieben Dämonen befreit hatte.

Wie in Mk 15,40 (siehe oben 1.1.1) sind die Frauen durch „dienen“/„unterstützen“ (diakonein) charakterisiert. Das Vermögen (Lk 8,3) ist nicht nur wirtschaftlich zu denken, sondern im Sinne von Möglichkeit/Fähigkeit zu verstehen.

1.2. Rezeptionsgeschichte

Das heutige Bild von Maria von Magdala ist stärker von der Rezeptionsgeschichte als von der Bibel bestimmt. Dabei sind zwei entgegengesetzte Tendenzen zu erkennen: Einerseits ist sie als „Apostolin der Apostel“ Vorbild, andererseits wird sie als „Hure“ diffamiert.

1.2.1. Jüngerin und Apostolin

In einigen nachbiblisch entstandenen Texten, die später als apokryph ausgegrenzt wurden, hat Maria von Magdala als Lieblingsjüngerin Jesu und als mit der Verkündigung Beauftragte größere apostolische Autorität als in der Bibel (vgl. Petersen, 2019, 102-112). Folgerichtig wird sie bei den Kirchenvätern als „apostola apostolorum“ bezeichnet. Auch in den orthodoxen Kirchen wird sie neben Junia als apostelgleiche Frau verehrt.

1.2.2. Prostituierte und Sünderin

Bei Gregor dem Großen verschmelzen Maria von Magdala, die namenlose Sünderin (Lk 7,36-50), Maria aus Betanien (Joh 12,1-11) und die namenlose Ehebrecherin (Joh 7,53-8,11) zu einer einzigen Figur. Sie wird noch durch Elemente der legendarisch überlieferten Maria aegyptiaca, einer Eremitin des vierten Jahrhunderts, die sich bekehrt und zur Büßerin wird, ergänzt.

Salbung und Tränen verbinden die verschiedenen Figuren. Gregor setzt die sieben Dämonen (Lk 8,2) mit den sieben Todsünden gleich und schließt daraus auf ein von der Sünde beherrschtes unmoralisches Leben. Sünde wird dabei sexuell interpretiert und Maria von Magdala zur bekehrten Prostituierten umgedeutet.

1.2.3. Geliebte und Ehefrau Jesu

Die Aussage, dass die Sünderin „viel geliebt hat“ (Lk 7,47) führte in der Moderne dazu, eine erotische Beziehung zwischen Maria von Magdala und Jesus zu konstruieren. Wenn Jesus wahrer Mensch war, dann – so die Idee – hatte er auch sexuelle Bedürfnisse. Die Bibel schweigt in dieser Hinsicht, lädt aber so dazu ein, diese Leerstelle zu füllen. Beispiele sind: Nikos Kazantzakis, „Die letzte Versuchung“ (1951, 1988 von Scorsese verfilmt); Andrew Lloyd Webber, „Jesus Christ Superstar“ (1973); Dan Brown, „Sakrileg“ (vgl. Petersen, 2019, 244-268); Franz Alt „Die außergewöhnlichste Liebe aller Zeiten“ (2021; vgl. Collinet, 2021).

2. Elementare Erfahrungen

2.1. Erfahrung von Freundschaft in brenzligen Situationen

Der Mut Marias von Magdala, Jesus bis an Kreuz nachzufolgen, bietet sich an, um die Bedeutung von Freundschaft und Treue in bedrohlichen Situationen zu thematisieren. Kinder kennen die Erfahrung, von anderen im Stich gelassen zu werden oder auch selbst andere im Stich zu lassen.

2.2. Erfahrung von Trauer

Bereits Kinder machen auf sehr unterschiedlichen Ebenen Verlusterfahrungen. Je älter sie sind, desto mehr von ihnen waren bereits persönlich mit dem Tod konfrontiert. Die Passionstexte laden dazu ein, Entsetzen angesichts politischer Verfolgung und Brutalität von Besatzungsmächten oder Trauer um geliebte Personen zur Sprache zu bringen (→ Passion und Auferstehung, bibeldidaktisch, Grundschule; → Passion und Auferstehung, bibeldidaktisch, Sekundarstufe). Für Jugendliche ist die Diskussion um den Charakter von Karfreitag als „stillem Feiertag“ besonders relevant.

2.3. Erfahrung neu erwachenden Lebens

Bei den Grabes- und Begegnungserzählungen steht die Frage nach dem, was nach dem Tod kommt, im Zentrum. Bei der Beschäftigung mit der Auferstehungsbotschaft ist zu berücksichtigen, dass die meisten Menschen heute Ostern in erster Linie als Frühlingsfest und ersehnte Unterbrechung des Arbeitsalltags oder Urlaubszeit wahrnehmen. Dabei ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass weniger als jeder fünfte an eine Auferstehung Jesu glaubt (https://www.katholisch.de/artikel/21403-so-viele-deutsche-glauben-an-die-auferstehung-jesu).

2.4. Die Rolle der Frauen

Maria von Magdala lädt ein, Geschlechtergerechtigkeit zu thematisieren: In keinem gesellschaftlichen Bereich ist die Gleichstellung der Geschlechter erreicht. Dies gilt in besonderer Weise von der römisch-katholischen Kirche, die Frauen von den Weiheämtern ausschließt. In der evangelischen Kirche werden Frauen ordiniert, sind aber dennoch auf der Leitungsebene unterrepräsentiert.

3. Elementare Wahrheiten

3.1. Rolle der Frauen in der Kirche

Jede religionspädagogische Arbeit über Maria von Magdala wird die Frage nach der Rolle der Frauen in der Nachfolge Jesu berücksichtigen müssen. Dabei spielen die biblischen Zeugnisse, aber auch die Veränderungen im Laufe der Rezeptionsgeschichte eine Rolle. Dass zur Zeit Jesu und in den ersten Jahrzehnten nach Ostern Frauen in der Nachfolgegemeinschaft Jesu Aufgaben wahrnehmen konnten, die ihnen in der Mehrheitsgesellschaft verschlossen waren, kann kritisch mit den aktuell gültigen gesellschaftlichen und kirchlichen Realitäten verglichen werden.

3.2. Deutungen des Todes Jesu

Wird Maria von Magdala im Zusammenhang mit den Passionserzählungen behandelt, sind die verschiedenen Deutungen des Todes Jesu und seine Bedeutung für die Menschheit relevant. Dabei erlaubt der Ausgangspunkt bei Maria von Magdala eine andere Perspektive auf die Frage nach dem „Wozu?“ als eine systematisch-theologische Herangehensweise. Die Dominanz des paulinischen Modells einer sühnetheologischen Deutung („gestorben für unsere Sünden“) wird durch das hilflose Entsetzen und Compassion (Mitleiden) aufgebrochen.

3.3. Osterkerygma

Die Auferstehung Jesu und die allgemeine Auferstehung der Toten ist für den christlichen Glauben zentral. Je nach Konfession und systematisch-theologischer Präferenz gibt es unterschiedliche Akzente, die aber nicht dazu führen, dass Auferstehung grundsätzlich abgelehnt würde. Für die Beschäftigung mit Maria von Magdala in den Ostererzählungen ist der Aspekt der Begegnung mit dem Auferstandenen zentral, der die Lehre von der Auferstehung der Toten voraussetzt. Er bietet einen Anknüpfungspunkt, diese in die Sprache der Schüler und Schülerinnen zu übersetzen (vgl. Butt, 2015; Heger, 2015).

4. Elementare Zugänge

4.1. Maria von Magdala als Jüngerin und Apostolin

Die Vorstellung von einer reinen Männergesellschaft in der Umgebung Jesu ist tief im kollektiven Gedächtnis verankert (vgl. die Darstellung des letzten Abendmahls von Leonardo da Vinci). Sie ist aus der Bibel erwachsen, aber durch die Rezeptionsgeschichte erheblich verstärkt worden. Die Auseinandersetzung mit Maria von Magdala als Geheilte und als wichtige Figur in der Nachfolge Jesu und im Dienst der Gemeinschaft hilft, diese Einseitigkeit zu überwinden.

Die Erzählungen über Maria von Magdala erlauben, die Rolle der Frau in Gesellschaft und Kirche zu problematisieren. Dass bis in neuere Literatur und Kunst die Frage danach, ob Jesus verheiratet war, eine Rolle spielt, lädt zur religionspädagogischen Auseinandersetzung mit der Haltung der Kirche zu Sexualität ein.

4.1.1. Grundschule

Wer war mit Jesus unterwegs? Diese Frage legt die Bilder offen, die die Schülerinnen und Schüler von den Menschen in der Nachfolge Jesu haben. Die Arbeit mit Lk 8,1-3 öffnet das Bild für Frauen und thematisiert „Nachfolge“ mit den Begriffen „begleiteten“ und „dienten“, die jeweils erschlossen werden müssen.

Maria von Magdala ist allein schon durch die biographischen Angaben ein Vorbild für ein emanzipatorisches Modell von Nachfolge. Die Benennung nach dem Herkunftsort, die Bereitschaft, sich der Jesusgruppe anzuschließen und unter Verzicht auf die normalen Strukturen eine alternative Lebensweise zu wählen, kann die Schüler und Schülerinnen einladen, sich auf eine offene Sinnsuche einzulassen.

4.1.2. Sekundarstufe

Bilder aus der Kunstgeschichte (→ Kunst, kirchengeschichtsdidaktisch) eignen sich, um den Kontrast zwischen den Bibeltexten und dem rezeptionsgeschichtlich begründeten Bild, deutlich zu machen (vgl. zahlreiche Beispiele in WUB 48, 2008). Man kann gut an moderne Adaptionen anknüpfen: → Musik (siehe oben) und → Film (neben Scorese „Die letzte Versuchung Christi“ auch Garth Davis Film „Maria Magdalena“ von 2018) ermöglichen im Vergleich mit der Bibel die Frage, ob es so gewesen sein könnte. Sie erlauben, die mit diesen Bildern/Filmen (→ Bilder) verbundene Christologie und das Bild der Frau kritisch zu hinterfragen.

4.2. Maria von Magdala als Zeugin der Kreuzigung Jesu

Maria von Magdala ist überwiegend in den Passions- und Ostertexten verortet. Deshalb bietet sich die Beschäftigung mit ihr in diesem Umfeld besonders an. Eine vorschnelle Festlegung auf eine einzige Deutung des Todes Jesu wird durch einen identifikatorischen Zugang verhindert.

4.2.1. Grundschule

Indem die Schüler und Schülerinnen die Perspektive der Maria einnehmen und sich mit der Frage nach Treue und Freundschaft in bedrohlichen Situationen auseinandersetzen, entstehen Fragen, die direkt mit ihrer eigenen Lebenswelt verbunden sind. Dies kann methodisch z.B. durch die Arbeit mit Biblischen Figuren umgesetzt werden. Sie ermöglicht eine Identifikation, indem die Schülerinnen und Schüler Maria in einer für sie stimmigen Körperhaltung stellen und dabei ihre eigenen Gefühle und Erfahrungen einbringen. Anschließend betrachten sie gemeinsam die verschiedenen Darstellungen und formulieren in einem anschließenden Gespräch ihre Beobachtungen, Eindrücke und Assoziationen.

4.2.2. Sekundarstufe

Jugendliche sind in der Lage die Passion Christi mit der Passion von Menschen aller Zeiten zu verbinden. Die Rolle der Maria bei Tod und Begräbnis Jesu lädt dazu ein, die Rolle der „Gaffer“ zu verlassen und sich auf die Rolle einer Mitleidenden einzulassen. Sie können den Verlust aller emanzipatorischen Träume von einer anderen, gerechten Welt nachvollziehen und mit eigenen Lebensträumen verbinden. Vor allem, wenn im Anschluss eine Beschäftigung mit Ostern folgt, liegt hier eine große Chance, traditionelle Floskeln durch existenziell relevante Aussagen zu ersetzen. Methodisch bietet sich z.B. bibliodramatisches Arbeiten an (→ Bibliodrama).

4.3. Maria von Magdala als Osterzeugin

Die Vorstellungen der Schülerinnen und Schüler sind meist von einem naturwissenschaftlichen Weltbild bestimmt. Daher ist es hilfreich, streng bei den Aussagen der Texte zu bleiben, um sich nicht auf die Frage, ob das Grab faktisch leer war, zu fokussieren.

4.3.1. Grundschule

Der Beziehungsaspekt wird in der Begegnungserzählung Joh 20 am deutlichsten. Wenn die Anspielungen auf die Paradieserzählung Gen 2 erschlossen werden, lässt die Erzählung sich als modellhafter Glaubensweg (→ Glaube) verstehen. Eine existenzielle Aneignung erlaubt Schülern und Schülerinnen eigene Bilder für das Ostergeschehen zu entwerfen.

4.3.2. Sekundarstufe

Die Wahrheit des Osterkerygmas lässt sich nicht von der Faktizität her bestimmen (vgl. Heger, 2015). Sie ist von Beziehung und Erfahrungen abhängig und prägt alle Grabeserzählungen. Jugendliche können im synoptischen Vergleich der Grabeserzählungen Konstanten und Differenzen entdecken und das eigentliche Osterkerygma erschließen. Sie können die Rolle der Frauen und Maria von Magdala als „apostola apostolorum“ in Relation zu heutiger Osterverkündigung reflektieren.

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