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Prophetenbuch

Andere Schreibweise: Prophetenrolle; Prophetic book (engl.)

(erstellt: September 2022)

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1. Der Begriff „Prophetenbuch“

Ein Prophetenbuch ist eine für religiöse Adressaten bestimmte Zusammenstellung von Texteinheiten, die prophetischen Gattungen folgen und die einer Person zugeschrieben werden, der zugebilligt wird, unmittelbar durch Gott inspiriert zu sein (→ Inspiration).

Prophetenbücher hat in der Antike allein die israelitische Prophetie hervorgebracht (Kaiser 1993, 232; Jeremias 2003, 1709; Nissinen 2017, 150). Religionsgeschichtlich bietet allein der Koran dazu eine Analogie. Im Alten Testament lassen sich vier Prophetenbücher unterscheiden: das Jesaja-, das Jeremia-, das Ezechiel- und das Zwölfprophetenbuch. Für alle vier zusammen hat namentlich Odil Hannes Steck den Namen „corpus propheticum“ populär gemacht.

Das Buch der zwölf Propheten wurde in der Antike als ein Buch verstanden und auf eine Rolle geschrieben (siehe Schart, → Zwölfprophetenbuch). Es hat allerdings als Ganzes keine eigene Überschrift, sondern nennt die Namen von zwölf Männern, die in geschichtlicher Folge angeordnet sind. Deren Schriften hat man in der modernen Forschung als selbstständige „Bücher“ verstanden und auch so bezeichnet. Seit Nogalskis Studie „Literary precursors“ (1993) hat sich der Usus verbreitet, die zwölf Teile als „Schriften“ vom Zwölfprophetenbuch als Ganzem zu unterscheiden. Die rekonstruierten Teilsammlungen, die dem Zwölfprophetenbuch vorausgingen, werden in diesem Kontext als „Mehrprophetenbücher“ bezeichnet.

Das corpus propheticum ist Teil des zweiten Kanonteils der hebräischen Bibel, der die vier Prophetenbücher noch an die Geschichtsbücher Josua, Richter, Samuel- und Königebücher anschloss. Diesen Kanonteil nannte man „Nebiim“ nəvi’îm „Propheten“, wobei die Geschichtsbücher als die „früheren“ oder „vorderen“ nəvi’îm ri’šonîm von den Prophetenbüchern als den „späteren“ oder „hinteren Propheten“ nəvi’îm ăḥarîm unterschieden wurden. In der christlichen Tradition rechnete man auch das → Danielbuch zu den Propheten. Außerkanonische Prophetenbücher sind nicht erhalten, sehr wahrscheinlich hat es sie auch nicht gegeben.

2. Die erste Jesajarolle aus der 1. Höhle von Qumran

Die Frage danach, wie ein Prophetenbuch zur Zeit Jesu aussah, kann mit Verweis auf die 1. Jesajarolle aus der 1. Höhle von → Qumran beantwortet werden, die die älteste, nahezu vollständig erhaltene Handschrift eines Prophetenbuches darstellt. Die Rolle stammt aus der Zeit um 125 v. Chr., die wesentlichen Charakteristika haben sich jedoch bis in das 1. Jh. n. Chr. nicht geändert. Die Rolle ist in hervorragender Weise im Internet publiziert (http://dss.collections.imj.org.il/isaiah). Im Unterschied zum Codex Leningradensis aus dem Jahr 1008 n. Chr., den die Biblia Hebraica abdruckt (→ Bibeltext / Textkritik), war der Text unvokalisiert, auch wenn extensiv von der Möglichkeit der Pleneschreibung Gebrauch gemacht wurde. Der Text wurde fortlaufend in Kolumnen geschrieben (insgesamt 54). Es gab keine Versunterteilung. Im Layout wurde zwischen Poesie und Prosa nicht unterschieden, nur in dem Abschnitt Jes 61,10-62,9 (= Kol 50,8-22) wurden die poetischen Kola durch eine zusätzliche Leerstelle voneinander getrennt.

Immer wieder sind in unterschiedlicher Anzahl zusätzliche Leerzeilen und Leerzeichen eingefügt. Von diesen sollten wohl insbesondere die längeren noch nachträglich mit Text gefüllt werden (Longacre 2013, 22). Andere zusätzliche Leerzeichen dienten wohl der Markierung von Sinneinheiten. Größere Einschnitte wurden dadurch optisch hervorgehoben, dass der Rest der Zeile leer blieb und der Text mit einer neuen Zeile weiterging. Neben dem Textlayout gab es auch Zeichen am Rand, z.B. einen kurzen waagerechten Strich (sog. Paragraphos), Kreuze oder einen Kreis (eine Liste der Zeichen bietet Steck 1998a, 14-16), deren Sinn nicht ganz klar ist.

3. Gemeinsamkeiten im Aufbau der Prophetenbücher

Die vier Prophetenbücher sind sich dadurch ähnlich, dass sie viele Textabschnitte enthalten, die Gattungen folgen, die zum üblichen prophetischen Inventar der jeweiligen Zeit gehörten (→ Prophetische Redeformen), sei es im Rahmen mündlicher Auftritte, sei es im Rahmen redaktioneller Bearbeitungen. In den verschiedenen Entstehungsphasen wurden die Prophetenbücher wohl auch noch redaktionell aneinander angeglichen (Steck 1991; Bosshard-Nepustil 1997; Nogalski 2019). Ein berühmtes Beispiel ist die Zukunftsschilderung vom „Umschmieden der Schwerter zu Pflugscharen“, die sowohl in das Jesaja- als auch in das Zwölfprophetenbuch übernommen wurde (Jes 2,2-4; Mi 4,1-4). Auch die Makrostrukturen der Prophetenbücher zeigen einige Gemeinsamkeiten.

3.1. Buchanfang

Die Prophetenbücher weisen einen Buchanfang auf, der mindestens folgende Elemente enthält:

a) den Namen eines Mannes, auf den der Inhalt des Buches zurückgeführt wird.

b) einen Gattungsbegriff, der den prophetischen Modus hervorhebt, in dem die Texte empfangen oder verfasst wurden: in Jes 1,1 חָזוֺן ḥāzôn „Vision“, in Jer 1,2; Ez 1,3 und Hos 1,1 דְבַר יהוה dəvar JHWH „Wort JHWHs“. Der Begriff נָבִיא nāvî ͗ „Prophet“ erscheint dabei nicht.

c) eine sozial-geschichtliche Verortung des Autors, dabei werden vor allem die Könige genannt, in deren Regierungszeit er aufgetreten ist. Es können aber weitere Angaben hinzukommen.

Im Falle von Jes 1,1 und Jer 1,1 haben die Buchanfänge die Form einer Überschrift, Ez 1,1 beginnt dagegen wie eine Erzählung mit der Verbform וַיְהִי wajə „und es geschah“ (vgl. auch Jon 1,1). Das Zwölfprophetenbuch beginnt zwar mit einer Überschrift, diese gilt jedoch nur für die erste Schrift Hosea, nicht für das ganze Buch. Das Zwölfprophetenbuch präsentiert vielmehr eine Kette von zwölf Propheten in geschichtlicher Folge. Das Zwölfprophetenbuch gibt damit deutlich zu erkennen, dass es sich verschiedenen Autoren verdankt, deren Botschaften sich unter dem Eindruck geschichtlicher Umwälzungen entwickelt haben.

Die Buchanfänge vermitteln die Vorstellung, dass ein ganz bestimmter Einzelner, der als Person für die Wahrheit des Gesagten eintritt, auf Grund göttlicher Eingebung und im Auftrag JHWHs die Texte an den eigentlichen Adressaten ausgerichtet hat. Diese Vorstellung beherrscht in der Tat die Prophetenbücher.

Für die Leserschaft stellen die Buchanfänge den Rahmen bereit, in dem das folgende Buch verstanden werden soll. So ist schon die Nennung eines Autorennamens für antike Verhältnisse etwas Besonderes. Alle Texte des Buches bleiben so rückgebunden an diese Person und ihren spezifischen geschichtlichen Erfahrungshorizont. Dies schränkt den Allgemeingültigkeitsanspruch der Texte ein. Andererseits drückt sich durch die Erstellung einer Überschrift, die nicht vom Propheten selbst stammt, aus, dass spätere Generationen die in dem Buch enthaltene Botschaft als Gotteswort (→ Wort Gottes) beglaubigen.

3.2. Berufungsbericht

Eine notorische Schwierigkeit prophetischen Redens ist es, sich darauf zu berufen, dass die göttliche Stimme dem Propheten den Text eingegeben und zur Weitergabe an die Adressaten aufgetragen hat, die göttliche Stimme aber nur für den Propheten selbst hörbar ist. Dem Propheten erscheint das, was er zu sagen hat, als völlig evident und von höchster Autorität, die Adressaten hingegen haben keinen Zugang zu diesen Primärerfahrungen (Gunkel 1917, sprach deshalb von „geheimen Erfahrungen“). Sie sind auf die sachliche Überzeugungskraft des Gesagten angewiesen. Als zusätzliche Legitimation diente das aus der → Gottesbegegnung herrührende Charisma. Der Prophet berichtet deshalb auch von den übernatürlichen Gotteserfahrungen, die ihn zu seiner Botschaft gebracht haben.

Besonders wichtig ist die sogenannte Berufung, die initiale Ursprungserfahrung, die mit Hilfe der Gattung „Berufungsbericht“ dargestellt wird (s. Schart, → Berufung). Drei Prophetenbücher enthalten Berufungsberichte: Jes 6 (Ich-Bericht); Jer 1,4-10 (Ich-Bericht); Ez 1,1-3,15 (Ich-Bericht). Im Falle des Zwölfprophetenbuches gibt es keine Berufungsberichte. Jon 1,1-2 (Fremdbericht) stellt eher die Karikatur eines Berufungsberichts dar (Schart 2017). Die in Hos 1,2-9 berichtete → Zeichenhandlung erfüllt immerhin eine berufungsähnliche Funktion, insofern die Benennung der Kinder unter der Hand zu einer umfassenden Botschaft an Israel und Juda auswächst, die Hosea schon dadurch auszurichten hat, dass er die Benennung seiner Kinder in der Öffentlichkeit zu rechtfertigen hat.

3.3. Mischung von Gottes- und Prophetenrede

Die meisten Texte der Prophetenbücher dienen dem übergeordneten Zweck, das vernommene Gotteswort dem → Gottesvolk bzw. den im jeweiligen Kontext relevanten Repräsentanten, Einzelnen wie Gruppen, auszurichten. Der Prophet tritt als Bote JHWHs auf: Nach der Gottesbotenformel „So hat JHWH gesagt: […]“ spricht der Prophet als Bote so, als wäre er JHWH selbst (→ Botensendung / Botenformel / Botenspruch). Dabei spricht er die Adressaten direkt mit „Ihr“ an.

Immer wieder redet der Prophet aber auch von JHWH in dritter Person, redet also aus eigener Autorität. Oft gehen Gottes- und Prophetenrede nahtlos ineinander über. Die Redaktoren hatten kein Interesse daran, Gottes- und Prophetenrede scharf zu trennen, weil die Propheten ihrer Meinung nach als ganze Person von Gott beansprucht waren. Die Autoren von Fremdberichten verwenden z.B. die Formel „es geschah das Wort JHWHs an NN“ (z.B. Jes 38,4; Jer 28,12; Jer 29,30; Jon 1,1; Hag 1,3; Sach 8,1), um den göttlichen Ursprung zu markieren.

Wenn sich der Prophet selbst zu Wort meldet, bleibt er in aller Regel auf Gottes Seite und versteht sich als Gegenüber zum Volk. Ganz selten kommt es vor, dass der Prophet sich mit dem Volk zu einer „Wir“-Gruppe zusammenschließt (z.B. Mal 2,10). Selten ist auch, dass der Prophet sich von sich aus an Gott wendet (z.B. in den → Konfessionen Jeremias, Jer 11,18-12,6; Jer 15,10-21; Jer 17,14-18; Jer 18,18-23; Jer 20,7-18).

3.4. Grundlegende Gattungen und Themen

Die Prophetenbücher schreiben dem Autor des Buches den Gebrauch einer ganzen Reihe von Gattungen zu, die zugleich mit wesentlichen Themen verknüpft sind (siehe Krispenz, → Prophetische Redeformen; Schart, → Prophetie [AT] [4.2]; Kaiser 1994, 23-26). Grob kann man Gerichtsworte, Heilsworte und Berichte über das Ergehen des Propheten unterscheiden. Hinzu kommt die gattungsfremde Verwendung von Gattungen aus anderen Lebensbereichen, z.B. die → Totenklage (z.B. Am 5,1; Ez 19,1; Ez 27,2) oder das Liebeslied (Jes 5,1-7).

Die Gerichtsworte legen die Untreue der Angeredeten gegenüber JHWH dar, die sich mitunter auch in sozialen (z.B. Jes 5,8.23; Jes 10,1-2; Am 5,10-11; Mi 3,9-12) und kultischen Rechtsverstößen (z.B. Jes 1,10-17; Am 5,21-27; Mal 1,6-10) äußert, und kündigen die dazugehörige Straffolge an. In der Regel trifft die Strafe das ganze Volk und besteht in gesundheitlicher, landwirtschaftlicher und militärischer Verwüstung. Gelegentlich richtet sich die Strafe speziell gegen die „Frevler“ (→ Sünde / Sünder), die das Volk gespalten und unterdrückt haben (Koenen 1994; z.B. Am 9,7-10; Mal 3,13-21; Ez 18; Ez 33,10-20). Die Heilsworte sehen eine ideale Heilszeit voraus, die nach dem Abbüßen der Strafe anbrechen wird: Israel und der → Zion werden erneuert und werden innerhalb der Völkerwelt, die JHWHs Gottheit anerkennt, in Frieden und mit der überquellenden Natur in Harmonie leben. Die anvisierte Restitution Israels wird auch einen eschatologischen Friedensherrscher einschließen (sogenannte „messianische Weissagungen“ → Messias, z.B. Sach 9,9-10; Jes 9,5-6; Jes 11,1-9). Primär richten sich die Texte an Israel, aber Israel steht in Interaktion mit den Völkern bzw. Nachbarvölkern, aus denen die großen imperialen Weltmächte → Assur, → Babylon und → Persien herausragen. Diese Dimension bearbeiten die Fremdvölkersprüche (z.B. Jes 13-23; Jer 46-51; Ez 25-32; Am 1,3-2,3).

Die Propheten agieren nicht nur als ein teilnahmsloses Sprachrohr, sie sind als Personen mit ihrem Körper, ihrer Psyche und mit ihrer übernatürlichen Begabung involviert. Dies wird in verschiedenen Berichten, z.B. Visionsberichten (Am 7,1-9; Jes 6), Berichten über eine Symbolhandlung (Jer 9,11; Jes 8,1-4) und Berichten über das Ergehen des Propheten (z.B. Jes 36-39; Jer 26-29; Jer 36-45; Am 7,10-17), dargestellt. Grundlegend ist festzustellen, dass die Gottesrede zumeist in poetischer Form gefasst ist, die Fremdberichte dagegen in Prosa.

Die gemeinsamen formalen und thematischen Grundstrukturen sind in den vier Prophetenbüchern unterschiedlich ausgestaltet (siehe dazu die Artikel zu den einzelnen Prophetenbüchern).

3.5. Komposition

Die Prophetenbücher umfassen Texte, die ursprünglich für ganz unterschiedliche Kommunikationssituationen und Zwecke gedacht waren. Diese kleinen Einheiten waren ursprünglich selbstständig. In den Prophetenbüchern liegen sie als Bestandteile größerer Kompositionen vor. Diese Kompositionen machen für die moderne Leserschaft oft einen sehr ungeordneten Eindruck (Gunkel 1917, 114: „So sind auch die prophetischen ‚Bücher‘ außerordentlich nachlässig ‚komponiert‘.“). Lassen sich auf der Makroebene noch Strukturen erkennen, so wird es auf der Mikroebene oft schwierig. Zum Teil wurden die kleinen Einheiten wohl einfach mechanisch oder nach mnemotechnischen Gesichtspunkten aneinandergereiht. Weiterführend könnte das Verständnis der Bücher als „Trauma-Literatur“ (Poser 2012) sein (→ Trauma). Die Gotteserfahrung einer tief verstörten Gemeinschaft, der alles Stabile entglitten ist, drückt sich auch in zerbrochenen Textstrukturen aus.

3.5.1. Kompositionstechniken

In den Prophetenbüchern wurden immer wieder die gleichen redaktionellen Techniken verwendet, um Kompositionen zu erstellen. Diese unterscheiden sich nicht von solchen, die in anderen Büchern angewandt wurden:

a) Bestimmte Formeln zeigen Anfang oder Ende einer Einheit an, so z.B. der Höraufruf „Hört dieses Wort!“

b) Gleichartige Einheiten wurden aneinandergereiht, z.B. Fremdvölkersprüche, Visionszyklen, Weherufe, Disputationsworte.

c) Einheiten wurden nach der geschichtlichen Abfolge angeordnet. Sehr gut erkennt man das am Zwölfprophetenbuch, weil einige der Schriften datiert sind. Auch in Ezechiel, Haggai und Sacharja zeigen die Datierungen der einzelnen Sprucheinheiten, dass sie chronologisch angeordnet wurden. Freilich kommt die moderne Forschung zu anderen Datierungen als die antiken Redaktoren.

d) Weit verbreitet sind Stichwortverbindungen, die von einfacher mechanischer Gestalt sein können, aber auch bis zu raffinierten Verknüpfungsnetzwerken entwickelt wurden (Krispenz 2021). Es können auch umfangreichere Syntagmen, Sätze und Motive wiederholt werden. Im Zwölfprophetenbuch wird z.B. Joel 4,16aα in Am 1,2a wiederholt, um zu zeigen, dass Amos die Botschaft des Joel fortführt.

e) Wenn der Schlussabschnitt einer Einheit auf den Beginn zurückverweist, etwa indem er Stichworte und Motive aufgreift, bildet sich ein Rahmen um eine Einheit. Eine komplexere Form des Rahmens ist die konzentrische Ringstruktur (Schema A, B, C, Bꞌ, Aꞌ; z.B. in Am 5,1-17 mit Am 5,8-9 als Zentrum, siehe Schart 1998, 75).

f) Auch die kontrastive Gegenüberstellung gegensätzlicher Aussagen kommt vor. Ein bekanntes Beispiel ist, dass das Heilswort von der → Völkerwallfahrt zum Zion in Mi 4,1-4 unmittelbar auf das Gerichtswort folgt, das die Verwüstung des Zions ankündigt (Mi 3,12).

Mehrere kleine Einheiten können auch im Sinne einer Sprecherfolge in einer Szene aufeinander bezogen sein. H. Gunkel hat das „Liturgie“ genannt (Gunkel 1917, 136-138). Sein Beispiel ist die Bußliturgie Jer 3,21-4,2, in der auf das Jammern des Volkes hin (Jer 3,21) Gott zur Umkehr einlädt (Jer 3,22a), das Volk sich tatsächlich JHWH wieder mit einem Bußlied zuwendet (Jer 3,22b-25) und Gott darauf wieder antwortet (Jer 4,1-2).

In ähnlicher Weise können Spruchfolgen als Reden verschiedener Gruppen innerhalb einer Szenenfolge verstanden werden. K. Baltzer sieht z.B. Jes 40-55 als regelrechtes Drama, das öffentlich aufgeführt wurde (Baltzer 1999).

Auch der argumentative Duktus und die thematische Entfaltung spielen eine Rolle. Die Disputationsworte in der Maleachischrift (→ Maleachi / Maleachibuch) setzen z.B. ein mit der Beziehung Gottes zu seinem Volk (Mal 1,2-5), worauf zweitens Missstände im Kult (Mal 1,6-2,9) und drittens die Verhältnisse in den Familien (Mal 2,10-16) kritisiert werden. Diese Abfolge erinnert an die Logik des → Dekalogs, der mit dem Gottesverhältnis beginnt (Ex 20,2-3), zweitens zum Kult übergeht (Ex 20,4-5), um drittens den Schutz der Familie (Ex 20,12) darzustellen (Schart 2020, 19-20).

3.5.2. Die Anordnung der Gerichts-, Fremdvölker- und Heilsworte

Die umfangreichsten Cluster der Prophetenbücher bilden die Sprüche gegen das eigene Volk, die Sprüche gegen die Fremdvölker und die Heilsworte. Diese Cluster liegen im Fall von Jesaja (Jes 1-12; Jes 13-35; Jes 40-66) und Ezechiel (Ez 1-24; Ez 25-32; Ez 33-39.40-48) in der Abfolge „Gericht, Fremdvölker, Heil“ vor. Im Falle des Zwölfprophetenbuches findet sich diese Abfolge in Zefanja. Im Falle des Jeremiabuches bietet nur die griechische Fassung diese Abfolge (Schmid 2019, 155-156). Nach Kaiser ist diese Abfolge „eschatologisch“ gemeint (→ Eschatologie), d.h., das Gericht über Israel und die Völker gilt in der Gegenwart als vorläufig erfüllt, es wird aber in der Zukunft vollendet und danach wird eine „endgültige Heilswende“ eine universale Heilszeit heraufbringen für Israel, die Völker und die Natur (Kaiser 1994, 24).

3.6. Das Buchende

Ein Buch sollte nicht einfach aufhören, sondern einen befriedigenden Schluss erreichen. Im Falle der Prophetenbücher überlagern sich, als Folge der komplexen Redaktionsgeschichte, verschiedene Schlussformen. Im Zwölfprophetenbuch lässt sich besonders gut beobachten, dass einerseits die einzelnen Schriften jeweils eigene Schlüsse aufweisen, andererseits aber auch das Buch als Ganzes ein befriedigendes Ende findet (Schart 2016). Das Jesajabuch schließt mit einem Ausblick auf die universale Anerkennung JHWHs durch die Völkerwelt (Jes 66,23). Das Jeremiabuch endet rein formal mit einer Unterschrift „So weit die Worte Jeremias“ (Jer 51,64), worauf noch als Anhang ein Bericht über die Eroberung Jerusalems folgt (Jer 52). Thematisch schließt das Buch mit einer Zeichenhandlung, die für die Zukunft den völligen Untergang Babylons bekräftigt (Jer 51). Das Ezechielbuch endet mit der → Vision eines Tempels inmitten eines fruchtbaren Landes, der ganz und gar der Herrlichkeit und Heiligkeit JHWHs entspricht (Ez 40-48). Und das Zwölfprophetenbuch endet mit dem Hinweis auf den kommenden → Tag Jahwes (Mal 3,23), an dem JHWH seine Königsherrschaft endgültig durchsetzt. In allen Fällen entlassen die Prophetenbücher die Leserschaft mit einer tief begründeten Hoffnung auf die eschatologische Vollendung der Gottesherrschaft.

4. Die Entstehung der Prophetenbücher

Zur Eigenart der Prophetenbücher gehört es, dass sie „von Geschlecht zu Geschlecht durch redaktionelle Bearbeitungen und Fortschreibungen aktualisiert worden sind, bis sie unter dem Einfluß der Theorie, daß die prophetische Inspiration zur Zeit Esras erloschen sei, als abgeschlossen galten“ (Kaiser 1993, 232).

Die Rekonstruktion der Entstehung der Prophetenbücher führt zu hochkomplexen redaktionsgeschichtlichen Modellen (siehe die Artikel zu den einzelnen Prophetenbüchern). Es kann kein Zweifel daran sein, dass die Bücher über mehrere Generationen hinweg bearbeitet wurden. Der Umfang der Bearbeitungen reicht von quantitativ geringen Veränderungen im Rahmen der Erstellung von Abschriften bis hin zu umfangreichen Textergänzungen wie etwa die Einarbeitung der deuterojesajanischen Sammlung (Jes 40-55, → Deuterojesaja) in das Jesajabuch oder die Zufügung kompletter Schriften in die jeweiligen Mehrprophetenbücher, die dem Zwölfprophetenbuch vorauslagen. Die im Masoretischen Text enthaltenen Buchfassungen dürften aus dem 1. Jh. v. Chr. aus dem Land Israel stammen und haben sich nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels und nach dem Bar Kochba-Aufstand im Judentum gegenüber anderen Buchfassungen als normativ durchgesetzt.

4.1. Die mündliche Phase des historischen Propheten

Die Prophetenbücher vermitteln den Eindruck, dass sie auf die mündlichen Auftritte vollmächtiger Einzelgestalten zurückgehen, die ihre Adressaten aufsuchten, um sie von Angesicht zu Angesicht in der Öffentlichkeit mit dem Wort JHWHs zu konfrontieren (Kaiser 1994, 21; Schmidt 2011, 339). Die Eröffnungsformel „Hört dieses Wort!“ entstammt der mündlichen Situation und fordert für den Propheten die Aufmerksamkeit der Angeredeten ein. Bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts war man noch sehr zuversichtlich, die mündliche Phase der Sprüche verlässlich rekonstruieren zu können. Inzwischen ist man vorsichtiger geworden, weil sich die redaktionelle Bearbeitung oft nicht mehr sauber abheben lässt.

4.2. Verschriftung

Die mündlich vorgebrachten Sprüche wurden gesammelt und dann aufgezeichnet. Leider hat man aus diesem ersten Stadium, der Aufzeichnung von Sprüchen, in Israel keine Texte erhalten. Der einzige indirekte Hinweis auf eine Spruchsammlung findet sich in dem Brief Nr. 3, den man im Stadttor von → Lachisch gefunden hat (Nissinen 2017, 263-266; Conrad, TUAT 1, 620-624). Dort wird ohne Namensnennung auf einen Text „des Propheten“ verwiesen, der mit der Titelzeile „Hüte dich“ begann.

4.2.1. Erste Ansätze von Spruchsammlungen in Mari und Ninive

Erheblich besser ist das Stadium der Erstverschriftung durch Tontafelfunde in → Mari und → Ninive erschließbar. In Mari fand man Briefe, in denen die Absender, mehrheitlich handelt es sich um Frauen aus der Familie des Königs, dem König Zimri-Lim vom Auftritt von Prophetinnen und Propheten berichteten (Nissinen 2017, 13-83). Manche dieser Briefe enthielten zwei und mehr Prophetensprüche. Offensichtlich hielt man den ersten Spruch nur dadurch für mitteilenswert, dass er durch einen zweiten Spruch verstärkt wurde (Schart 1995).

In Ninive fand man zusätzlich auch sogenannte Sammeltafeln. Dabei handelt es sich um Tafeln, auf die die Originalaufzeichnungen prophetischer Auftritte übertragen wurden. Offensichtlich wurden die bei verschiedenen Gelegenheiten geäußerten Sprüche für den Fall zusammengestellt, dass ein Nachweis dafür notwendig würde, dass das Königtum → Asarhaddons von den Göttern legitimiert sei (vgl. Kratz 1997, 16, Anm. 18 mit Verweis auf TUAT 2, 56-60).

4.2.2. Warum hat man aufgeschrieben?

Mündliche Prophetenworte waren ursprünglich für eine bestimmte Situation gedacht. Die Verschriftung diente vor allem dazu, die räumliche Distanz zum Adressaten, in Mari und Ninive war es der König, zu überwinden. Jeremia diktierte seine Worte Baruch, damit der sie an seiner Stelle im Tempel vortragen konnte (Jer 36,4-6). Da der Prophet sich an größere Gruppen oder sogar das ganze Volk wandte, diente die Schriftform auch der Verbreitung der prophetischen Botschaft. Das konnte bis dahin gehen, dass der Prophet sich Hörer in der Zukunft suchte, weil seine Zeitgenossen sich gegenüber seiner Botschaft verschlossen (vgl. Jes 8,16-18; Jes 30,9). Da die Prophetenworte oft auch umstrittene Voraussagen enthielten, insbesondere harte Strafansagen, diente die Archivierung wohl auch der Kontrolle, ob diese eintrafen und gegebenenfalls in welcher Form (Schmidt 2011, 340; Kratz 1997, 18). Bewahrte man die Identität des Propheten, so konnte man ihn auch zur Verantwortung ziehen. Das galt auch umgekehrt: Die ablehnenden Hörer mussten später ihre falsche Reaktion eingestehen und Gottes Gerechtigkeit anerkennen, der einen warnenden Propheten gesandt hatte. So konnten sie wenigstens nach der eingetretenen Katastrophe noch aus der Botschaft für die neue Geschichtsphase lernen (Kaiser 1993, 245-247). Auch spätere Propheten ließen sich durch die Schriften ihrer Vorgänger inspirieren (vgl. Jer 28,8-9).

Liegen die Worte aufgezeichnet vor, so können sie eine Wirksamkeit über den Zeithorizont des Propheten hinaus entfalten, auch wenn das nicht die ursprüngliche Intention der Aufzeichnung war. Die Kreise, die die Prophetenbücher erstellt und kanonisiert haben, waren jedenfalls der Meinung, für kommende Generationen wesentliche Gotteserfahrungen festzuhalten.

4.3. Redaktionelle Bearbeitungen

Die aufgezeichneten Prophetenworte wurden von → Redaktoren zunächst zu Sammlungen kombiniert. Die Grundform scheint die Sammlung von, vermutlich exemplarischen Sprüchen eines namentlich bekannten Propheten gewesen zu sein. Formal gleichartige und inhaltlich verwandte Sprüche wurden dabei zusammengestellt. Ein wichtiges Mittel, um die Zusammengehörigkeit zu unterstreichen, war die Wiederholung von Leitworten. Eröffnungs- und Schlussformeln grenzten die Sammlungen ab. Verschiedene Sammlungen verknüpfte man zu größeren Schriften. Hinzu kamen Selbst- und Fremdberichte. Das originale Spruchgut wurde durch passende Sprüche anderer Propheten ergänzt, deren Namen man nicht bewahrte (z.B. Deuterojesaja). Die Redaktoren fügten auch Texte hinzu, die sie selbst ad hoc für den literarischen Zusammenhang formulierten (z.B. Überschriften). Alle diese Aktivitäten verdankten sich dem Bestreben, die Texte auf die eigene geschichtliche Erfahrung zu beziehen und untereinander ins Gespräch zu bringen (beliebte Begriffe zur Bezeichnung dieses Phänomens sind → Fortschreibung, „Re-Lecture“ und „Nachinterpretation“). Die jeweiligen Redaktoren waren jeweils Teil ihrer Gemeinden (Gerstenberger; Childs), die die Texte liturgisch gebrauchten.

Die Redaktoren arbeiteten oft so, dass sie ein vorliegendes Prophetenbuch als Ganzes systematisch überarbeiteten: Viele Zusätze an verschiedenen Stellen der Vorlage fügen sich zu einer formal und inhaltlich kohärenten Schicht, die eine neue Buchfassung hervorbringt. Jedes Prophetenbuch hat seine eigene Entstehungsgeschichte, aber man kann grob drei Wendepunkte hervorheben: Die vorexilischen Unheilsworte wurden von den Deuteronomisten (→ Deuteronomismus / deuteronomistisch) als Rufe zur Umkehr zum Gesetzesgehorsam verstanden, die die Angeredeten allerdings verweigert hätten (z.B. Jes 31,6; Jer 3,14; Jer 35,15; Ez 14,6; Ez 18,30; Hos 14,2; Joel 2,12; Am 4,6-11; Sach 1,3; Mal 3,7). Das babylonische → Exil bestätigte die Wahrheit der Unheilsansagen und die Richtigkeit der prophetischen Maßstäbe. Es stellte sich jedoch die Frage, wie ein Neuanfang aussehen sollte. Inspiriert durch Deuterojesaja wurden Heilsworte eingebaut, die immer stärker eschatologisch zugespitzt wurden und mit der Restitution des Zion auch die Verwandlung der Völkerwelt und der Natur verbanden (z.B. Jes 2,2-4 // Mi 4,1-4). Im letzten Stadium wurden neben die Sprüche, die das Gottesvolk als Ganzes betrafen, auch solche gestellt, die, zum Trost für die angefochtenen Frommen, den Untergang der Frevler erwarteten.

Weil die vorgegebenen Texte oft nicht nahtlos an die neue Buchstruktur angepasst wurden, weist der Endtext formale Spannungen und Kohärenzbrüche auf, die eine Berücksichtigung der Redaktionsgeschichte bei dessen Interpretation erfordern.

4.4. Der Abschluss der Prophetenbücher

Die ständige Überarbeitung der Prophetenbücher kam in hellenistischer Zeit zum Abschluss, zugleich erlangten diese kanonische Anerkennung (Steck 1991). Im Rahmen der Erstellung von Abschriften und vor allem der Übersetzung in das Griechische und Aramäische wurden jedoch weiterhin, zum Teil gravierende Veränderungen vorgenommen. Den Autoren des Neuen Testaments lagen die alttestamentlichen Bücher in griechischer Übersetzung vor.

5. Buchübergreifende Strukturen

Die vier Prophetenbücher Jesaja, Jeremia, Ezechiel und Zwölfprophetenbuch bilden zusammen das corpus propheticum. Die Reihenfolge im Masoretischen Text ist Jes, Jer, Ez, Zwölfprophetenbuch. Für Jes, Jer und Ez ist das am leichtesten als geschichtliche Folge nach dem Jahr der Berufung zu verstehen (vgl. Kaiser 1993, 233; Schmid 2019, 153): Jesaja im Todesjahr des Usija (Jes 6,1, vgl. Jes 1,1; → Asarja), Jeremia im 13. Jahr → Josias (Jer 1,2), und Ezechiel im 5. Jahr der Exilierung → Jojachins (Ez 1,2). Das Zwölfprophetenbuch, das eine Prophetenkette als „Autor“ hat, wurde an den Schluss gestellt. Beachtlich ist, dass die → Septuaginta das Zwölfprophetenbuch vor Jesaja gestellt hat, vermutlich deshalb, weil Hosea vor Jesaja berufen wurde (Hos 1,1-2). E. Bosshard-Nepustil hat versucht, den Werdegang des Prophetenbücherkorpus über mehrere Stufen hinweg zu rekonstruieren (1991, 434-464).

Die Bücher gehen im Kern auf verschiedene historische Personen zurück und die jeweiligen Redaktoren haben in der Nachfolge dieser Propheten, trotz vieler Stoff-, Gattungs- und Formulierungsüberschneidungen, verschiedenartige Bücher erstellt. Gleichwohl gibt es literarische Querverbindungen, die zeigen, dass die Bücher aufeinander bezogen wurden, wie besonders eindrücklich die nahezu identisch formulierte Passage von der Völkerwallfahrt zum Zion belegt (Jes 2,2-4 // Mi 4,1-4; Schmidt 2011, 343; Schmid 2019, 153; Steck 1991).

Das corpus propheticum wurde mit den Geschichtsbüchern zum Kanonteil Nebiim zusammengefügt (Steck 1991). Die letzten Verse des Zwölfprophetenbuchs (Mal 3,22-24) greifen auf Dtn 34,10-12 und Jos 1,7-8 zurück und bilden so einen Rahmen um den Kanonteil Nebiim, den sie zugleich an die Tora anschließen (Chapman 2003).

Insbesondere durch den Verweis auf einige der Könige Israels in den Buchanfängen der Prophetenbücher und in den Fremdberichten wird deutlich gemacht, dass die Propheten in die → Geschichte Israels eingebettet sind. Allerdings gibt es das Rätsel des „Prophetenschweigens“: Die Geschichtsbücher erwähnen zwar Propheten, mit → Debora (Ri 4,4) und → Hulda (2Kön 22,14-20) sogar zwei Prophetinnen, aber mit der Ausnahme von → Jesaja und Jona ben Amittai (2Kön 14,25; → Jona), keinen der Propheten des corpus propheticum.

6. Theologische Relevanz des Prophetenbuches

Das Phänomen des Prophetenbuches setzt auch Akzente für die theologische Urteilsbildung. Die Prophetenbücher beinhalten viele Texte, die tatsächlich durch textinterne Signale, wie z.B. die Formel „So hat JHWH gesagt“, als unmittelbare Gottesrede ausgewiesen sind. Im Rahmen der modernen historischen Kritik kann dieser Anspruch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es menschliche Autoren sind, die nur behaupten im Namen JHWHs zu sprechen. Immerhin demonstriert die Jahrhunderte dauernde redaktionelle Bearbeitung, dass viele Generationen die Botschaft der Propheten akzeptiert, mit Hilfe ihrer eigenen Gotteserfahrung noch ausgebaut und dadurch existenziell bewahrheitet haben.

In der Prophetenauslegung hat man den kanonischen Status mehr oder weniger selbstverständlich auf die historischen Propheten bezogen. Für den nachhaltigen Wandel sorgte Brevard Childs (1979), der betonte, dass die christliche Tradition die Endgestalt der Bücher als kanonisch betrachte, nicht deren Vorstufen. Die Rückfrage nach dem historischen Propheten muss deshalb im zweiten Schritt zum Verständnis der Redaktionsgeschichte bis hin zur Kanonisierung führen. Erst auf dieser Basis können theologisch verbindliche Aussagen abgeleitet werden. Dabei gilt es zu beachten, dass die Endredaktion oft verschiedene religiöse Vorstellungen miteinander versöhnen wollte. Aus christlicher Sicht ist das neutestamentliche Verständnis der Prophetenbücher maßgeblich, das wiederum deren griechische Fassungen voraussetzt. Das Neue Testament bezieht die erwartete eschatologische Heilswende auf Jesus Christus.

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