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(erstellt: August 2009)

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1. Läuse als Plage

Hin und wieder wird in der Literatur die Vermutung geäußert, bei der in Ex 8,12-14 geschilderten Plage könnte es sich um eine Läuseplage gehandelt haben, (so z.B. Feliks, Biblisch-historisches Handwörterbuch 2, 1245) und nicht um → Stechmücken (hebräisch kinnim). Jer 43,12 findet sich der Hinweis auf das „Entlausen“ des Landes Ägyptens, möglicherweise Bild für das Plündern der dort befindlichen Schätze (vgl. Fischer 2005, 426).

Im Jahre 2016 wurde bei Ausgrabungen der Hebräischen Universität und der Southern Adventist University (Collegedale / Tennessee, USA) auf Tel → Lachisch ein etwa aus der Zeit um 1700 v.Chr. stammender, 3,5 x 2,5 cm großer Kamm aus Elfenbein mit einer kanaanäischen Inschrift entdeckt. Der Kamm hat zwei Reihen aus Zinken, die Kopf an Kopf einander gegenüberliegend angeordnet sind. Die Reihe mit den gröberen Zinken benutzte man wohl, um Knoten in Kopf- und Barthaaren zu entwirren, die andere, feinere Reihe als Läuse- und Nissenkamm. Die letztere Funktion wurde noch dadurch erhärtet, dass man zwischen den Zinken eine fossilierte Läusenymphe fand.

Die aus zwei Zeilen bestehende Inschrift, ein Wunsch an den Kammbesitzer, findet sich auf dem zentralen Teil des Kamms: Sie lautet: jtš ḥṭ ḏ lqml ś‘[r w]zqt übersetzt: „Möge dieser Stoßzahn die Läuse aus Haar und Bart entfernen“.

Der Kamm gibt nicht nur einen Einblick in das Alltagsleben jener Zeit, dokumentiert die Inschrift doch dessen Gebrauchszweck. Es ist zudem ein Zeugnis für den frühen Gebrauch des Alphabets.

Das Artefakt selbst, vermutlich ein Importprodukt, wurde aus dem Elfenbein eines Elefantenstoßzahns hergestellt, so dass man auf den Sozialstatus seiner Besitzer schließen kann, war Elfenbein doch ein Luxusmaterial und in der Regel den führenden gesellschaftlichen Kreisen vorbehalten. Bei dem Kamm handelt es sich somit um ein Prestigeobjekt, das dokumentiert, dass auch die damaligen Eliten keine Chance gegen Läusebefall hatten.

2. Lausarten als Mannaproduzenten

Das → Manna, das in der Auszugsüberlieferung als wundersames Nahrungsmittel erwähnt wird (vgl. Ex 16 u.ö.), wird nicht vom Baum selbst, sondern von zwei, nur wenige Millimeter großen Schildlausarten aus der Familie der Pseudococcidae hergestellt (vgl. Keel 1984; Maiberger 1983 / 1984). Die Larven dieser Tiere und die Weibchen, die noch nicht mit der Eiablage begonnen haben, saugen mit ihren Saugrüsseln Pflanzensaft aus dem Baum ab. So erhalten sie den für ihren Aufbau nötigen Stickstoff und andere Nährstoffe. Den mit dem Saft aufgenommen Zuckerüberschuss spritzen sie als Exkremente ab, die die Gestalt von runden Tropfen haben und nach der Ausscheidung kristallisieren. Diese Sekrete ballen sich zu größeren Kügelchen zusammen und sehen auf den Zweigen des Baumes aus wie Regentropfen oder Tauperlen. Am Morgen sind sie fest, doch zerfließen sie in der mittäglichen Hitze rasch und überziehen die Zweige des Baumes dann mit einer dünnen Schicht. Daher sammelt man Mannakügelchen v.a. vormittags.

3. Die Kermesschildlaus

In der Mittelmeerregion ist die – weder im Alten noch im Neuen Testament namentlich genannte – Kermesschildlaus (kermes vermilio) belegt, die auf der Keremeseiche als Wirtspflanze lebt (vgl. dazu Zwickel 2002; Møller-Christensen u.a. 1969). Aus ihr wird die Kermesfarbe gewonnen (vgl. Karmesin, Scharlach; → Farben). Das Weibchen legt Ende Mai 1800-2000 Eier, stirbt danach ab und schützt die Eier mit dem schildartigen Körper. Zur Herstellung der Farbe sammelt man die toten Muttertiere zusammen mit den Eiern, tötet diese und legt sie 10-12 Stunden in Essig. Nachdem die Insekten getrocknet wurden, haben sie die Größe und Form von Rosinen. Diese Gebilde werden dann zerstoßen, wodurch ein rotes Pulver entsteht, das in Wasser aufgelöst wird. Die zu färbenden Stoffe werden dann über Stunden in die so entstandene Brühe gelegt und nehmen einen leuchtend roten Farbton an.

Literaturverzeichnis

1. Lexikonartikel

  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Der Kleine Pauly, Stuttgart 1964-1975 (Taschenbuchausgabe, München 1979)
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001

2. Weitere Literatur

  • Emerton, J.A., Lice or a Veil in the Song of Songs 1.7, in: A.G. Auld (Hg.), Understanding Poets and Prophets (JSOT.S 152), Sheffield 1993, 127-140
  • Fischer, G., Jeremia 26-52 (HThKAT), Freiburg 2005, 425f
  • Keel, O. / Küchler, M. / Uehlinger, C., Orte und Landschaften der Bibel, Band 1, Zürich u.a. 1984, 58-61
  • Maiberger, P., Das Manna (ÄAT 6), Wiesbaden 1983 / 1984
  • Møller-Christensen, V. / Jordt Jørgensen, K.E., Biblisches Tierlexikon (Bibel – Kirche – Gemeinde 4), Konstanz 1969, 164f
  • Vainstub, D. / Mumcuoglu, M. / Hasel, M.G. / Hesler, K.M. / Lavi, M. / Rabinovich, R. / Goren, Y. / Garfinkel, Y., A Canaanite’s Wish to Eradicate Lice on an Inscribed Ivory Comb from Lachish, Jerusalem Journal of Archaeology 2: 76-119 (https://doi.org/10.52486/01.00002.4)
  • Zwickel, W., Färben in der Antike, in: ders. (Hg.), Edelsteine in der Bibel, Mainz 2002, 41-45, 43f

Abbildungsverzeichnis

  • Tamariske mit Manna. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Eiersäcke einer Kermesschildlaus. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

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