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Gut / Gutes (AT)

(erstellt: April 2018)

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1. Die Begriffe „gut“, „Gutes“ und „Güter“

Das Wort „gut“ ist ein Grundbegriff unserer Sprache und unseres Denkens. Als „gut“ bezeichnet werden können einerseits Dinge, Pflanzen, Tiere oder Umstände in ihrer zweckmäßigen oder wesensgemäßen Beschaffenheit, andererseits vernunftbegabte Wesen in ihren Absichten oder Handlungen. Die Philosophie hat hier die Unterscheidung in das moralisch Gute (die Gutheit des Willens) und das ontisch Gute (die Gutheit der Dinge) eingeführt. Das Gegenteil des moralisch Guten nennen wir „böse“, das Gegenteil des ontisch Guten „schlecht“.

Der determinierte Singular „das Gute“ ist im philosophischen und theologischen Sprachgebrauch der Inbegriff des Wünschenswerten, ein von allen anzustrebendes Ziel. Hier taucht die Idee einer universalen Definition des Guten auf.

Auf der anderen Seite wissen Philosophie und Theologie um die Pluralität dieser erstrebenswerten Dinge und Werte und sprechen in diesem Zusammenhang von „Gütern“ (Singular: „das Gut“; vgl. dazu Anselm; → Gut / Güter [NT]).

Keiner der philosophischen Definitionsversuche hat im neuzeitlichen Diskurs allgemeine Anerkennung gefunden: weder die metaphysische Bestimmung, wonach das Gute objektiv vorgegebene Idee (Platon) oder Zielvorstellung (Aristoteles) ist, noch die Reduktion des Guten auf streng subjektive Kategorien wie die des Angenehmen (Hedonismus) oder des Nützlichen (Utilitarismus). Aus dem sprachlich-philosophischen Befund lassen sich nur wenige konsensfähige Charakteristika für das Gute festhalten:

1. Das Gute ist keine objektiv fassbare, absolute Größe, sondern es gibt Gutes in vielerlei Beziehung. Immer ist es gut für oder in Bezug auf etwas oder jemanden. Das Gute ist also stets relational.

2. Das Gute ist keine Eigenschaft, sondern ein Werturteil und damit immer subjektiv.

3. Das Gute ist attraktiv. Es erweist sich, indem es sich als die bessere Alternative präsentiert und zwar hinsichtlich der Eignung, Zweckmäßigkeit und Funktionalität für das, was das Wesen eines Dinges bzw. Lebewesens oder den Sinn einer Handlung ausmacht.

Das heißt 4.: das Gute ist immer funktional zu bestimmen.

5. In theologischer Perspektive ist ein weiterer Punkt beachtenswert: Trotz der sinnvollen Unterscheidung in moralisch und ontisch Gutes ist das eine Wort „gut“ ein Indiz für einen inneren Zusammenhang beider Kategorien. Bemisst man das Gute am eigentlichen, wesensmäßigen Sinn und Zweck eines Dinges, einer Tat oder einer Person, bietet sich im theologischen Kontext der Begriff der „Bestimmung“ an. Er bildet die Klammer, die moralisch und ontisch Gutes zusammenhält: Etwas ist gut in dem Maße, wie es seiner Bestimmung gerecht wird.

2. Semantik der Wurzeln טוב ṭwb / יטב jṭb

Das deutsche Wort „gut“ hat im hebräischen טוֹב ṭôv sein Äquivalent. Seine Wurzel טוב ṭwb und deren Nebenform יטב jṭb werden im Alten Testament insgesamt 738-mal hebräisch, 4-mal aramäisch, außerdem in Eigennamen gebraucht:

1) Das Adjektiv טוֹב ṭôv – formal nicht immer sicher vom Verb zu unterscheiden (vgl. Stoebe, 652; Gesenius, 18. Aufl., 417) – ist in der Hebräischen Bibel ca. 562-mal belegt. Es wird oft substantiviert verwendet, meistens als Abstraktum: „etwas Gutes“ bzw. „das Gute“, so insbesondere das Femininum טוֹבָה ṭôvāh (67-mal). Das Bedeutungsspektrum der Nomina reicht von „gute Tat“, „Wohltat“ und „Güte“ über „Hab und Gut“ und „Wohlstand“ bis zu „Schönheit“, „Wohlergehen“, „Glück und Segen“.

2) Semantisch weitgehend deckungsgleich wird das Substantiv טוּב ṭûv verwendet (32-mal).

3) Das denominierte Verb טוב ṭwb mit der Nebenform יטב jṭb bedeutet im Qal (18-mal טוב ṭwb, 44-mal יטב jṭb) „gut sein“ und zwar in vielerlei Hinsicht: funktional und ethisch „angemessen“, „schön“, „angenehm“, „gelungen“, „förderlich“, im Hif. (3-mal טוב ṭwb, 73-mal יטב jṭb) „(etwas für jemanden) gut machen“ oder „Gutes bewirken“.

4) Eine Ableitung vom Kausativstamm ist מֵיטָב mêṭāv „das gute / beste Teil“ (6-mal).

5) In den aramäischen Teilen des Alten Testaments sind das Adjektiv טָב ṭāv („gut“) zweimal und die Verba טאב ṭʼb und יטב jṭb je einmal im Pe. („gut sein“) belegt.

6) Dazu kommen die Eigennamen Land Tob (4-mal), Abitub (1-mal), Ahitub (15-mal), Tob-Adonija (1-mal), Tobija (17-mal; → Tobit) bzw. Tobijahu (1-mal).

Wie unser „gut“ steht das hebräische טוֹב ṭôv in ganz unterschiedlichen Bezügen: טוֹב ṭôv genannt werden können Dinge (z.B. Honig in Spr 24,13, Israels Land in Dtn 6,18), Handlungen (z.B. für Gott musizieren in Ps 147,1, Weisheit erwerben in Spr 3,14, summarisch „die Werke des Menschen“ in Pred 12,14), Haltungen (z.B. Selbstbescheidung in Spr 25,7), Umstände (z.B. die Lage einer Stadt in 2Kön 2,19, Ruhe in Gen 49,15) und auch Individuen: Tiere in ihrer Beschaffenheit (z.B. Gen 41,26), Menschen sowohl nach äußerlichen Gesichtspunkten (z.B. 1Sam 9,2) als auch in ihrem Verhalten (z.B. der Freigebige in Ps 112,5, der Gerechte in Jes 3,10) und schließlich auch Gott (s.u. 2.1.5.).

Auch sonst finden sich in der Semantik der Derivate von טוב ṭwb zahlreiche Parallelen zum deutschen „gut“:

2.1. Ontisch und moralisch Gutes

Charakteristisch für die Sicht der Hebräischen Bibel ist die Zusammenschau von ontisch und moralisch Gutem.

2.1.1. Die gute Beschaffenheit und Eignung

Wie bei Dingen, wo es naturgemäß immer um eine Qualitätsbezeichnung geht, kann טוֹב ṭôv in Bezug auf Menschen entweder die besondere Eignung für bestimmte Aufgaben meinen: Als „gut“ gelten das Neugeborene, wenn es kräftig ist (Ex 2,2), Mädchen, die heiratsfähig (Gen 6,2), oder Personen, die geschickt und produktiv sind (1Sam 25,3; 2Chr 30,22; 2Sam 18,27; 1Kön 2,32).

Oder טוֹב ṭôv ist eine Bewertung des Äußeren und ist dann sachgemäß mit „schön“ oder „attraktiv“ wiederzugegeben – zuweilen ausdrücklich durch eine Constructus-Verbindung angezeigt (Gen 24,16; Gen 26,7; 1Sam 16,12; 2Sam 11,2; 1Kön 1,6; Nah 3,4; Est 1,11; Est 2,2.3.7; Dan 1,4), sonst aus dem Kontext zu entnehmen (Ri 15,2; 1Sam 9,2; Est 2,4.9; Est 8,5).

Beides ist nicht immer scharf zu trennen: vgl. Gen 6,2; Ex 2,2: die Formulierungen וַיִּרְאוּ ... כִּי טֹבֹת wajjirʼû… kî ṭovot „und sie (die Gottessöhne) sahen, dass sie (die Menschentöchter) gut / schön waren“ bzw. וַתֵּרֶא... כִּי־טוֹב watteræʼ… kî ṭôv „und sie (die Mutter) sah, dass er (Mose) gut / schön war“ erinnern an die Schöpfungsaussagen von Gen 1,10.12.18.21.25.31 (vgl. auch Apg 7,20; Hebr 11,23).

Das sittlich Gute ist hier noch nicht im Blickfeld.

2.1.2. Das gute Befinden

2.1.2.1. Das Angenehme und Förderliche. Gute Dinge oder gute Umstände lösen Wohlbefinden beim Menschen aus. Die Wurzel טוב ṭwb beschreibt das Angenehme, das sich als das Lebensförderliche erweist.

Charakteristischerweise steht etwa das Substantiv טוּב ṭûv, das als Konkretum „Kostbares“ (z.B. Gen 24,10) oder „Güter“ (z.B. Gen 45,18; Dtn 6,11; Jes 1,19), als Abstraktum „Wohlstand“ oder „Schönheit“ (so Hos 10,11; Sach 9,17 und eventuell Ex 33,19) bezeichnet, summarisch für gute, gesegnete Lebensumstände (z.B. Ps 128,5; Hi 21,16; Spr 11,10). Dasselbe ausdrücken kann auch ein substantiviertes טוֹב ṭôv (z.B. Ps 34,9; Ps 65,5; Ps 112,1.5; Ps 128,2 im Kontext von Seligpreisungen, den sogenannten ’ašrê-Formeln [s.u. 3.2.4.], oder in Ps 25,13; Ps 73,28; Hi 7,7; Hi 21,13; Hi 36,11; Spr 13,21; Spr 16,20; Spr 17,20; Spr 18,22; Spr 19,8; Spr 24,25; Spr 28,10) oder טוֹבָה ṭôvāh (z.B. Ps 16,2; Ps 106,5; Hi 21,25; Klgl 3,17; Pred 7,14).

2.1.2.2. Gute Lebensumstände als „Glück“. Im Sinne eines solchen umfassend guten Ergehens werden טוּב ṭûv, טוֹב ṭôv und טוֹבָה ṭôvāh im Deutschen zuweilen mit „Glück“ wiedergegeben. So besonders im → Koheletbuch mit seinem betont „hedonistischen“ Verständnis von טוֹב ṭôv (vgl. Krüger).

Mit einer einzigen Ausnahme (Pred 7,20; vgl. Fox, xxi; Pred 3,12 legt der Parallelismus zu שׂמח śmḥ „sich freuen“ die Bedeutung „sich Gutes tun / es sich wohl gehen lassen“ nahe) meint טוֹב ṭôv das, was dem Menschen nützt und angenehm ist, also das subjektiv Gute, das „Wohl“ oder „Glück“ (Pred 2,1.3.24; Pred 3,12f.22; Pred 4,8; Pred 5,17; Pred 6,6; Pred 8,15). Das objektiv – also nach göttlichen Maßstäben – Gute ist in den Augen Kohelets unverfügbar und unerkennbar (vgl. Pred 2,3.11; Pred 6,12). Aber auch das gute Ergehen liegt außerhalb menschlicher Verfügungsgewalt (Pred 2,24). Das einzig greifbare Gute für den Menschen bleibt das fröhliche, dankbare und ehrfürchtige Genießen der guten Gaben Gottes (Pred 3,11-14.22; Pred 8,15).

Die Einheitsübersetzung übersetzt das substantivierte טוֹב ṭôv im Koheletbuch durchgängig mit „Glück“. Schwienhorst-Schönberger (69-82) fasst das Genießen der Gaben Gottes unter dem Begriff „Glück“ zusammen, das er als Hauptthema des Koheletbuches bestimmt (ähnlich auch Naumann, 76-81) und dem griechischen Eudaimonia-Diskurs zurechnet. Beides ist nicht unproblematisch.

Zur Vorsicht mahnt die Tatsache, dass „Glück“ im modernen Sprachgebrauch entweder als Zufallstreffer oder als subjektive Erfahrung, als Glücksgefühl verstanden wird. Das erste trifft für טוֹב ṭôv gar nicht zu, das zweite nicht unbedingt.

Selbst im Koheletbuch ist das mit טוֹב ṭôv bezeichnete umfassende „Gute“ zwar sehr konkret und erfahrbar, liegt aber dennoch weder in den Dingen noch im Erleben. Entscheidend ist, dass die konkreten Erfahrungen des Guten zu Gott in Beziehung gesetzt und aus seiner Hand angenommen werden. Im Gedankenexperiment Pred 1,12-2,26 etwa hatte Kohelet alle Möglichkeiten, es sich gut gehen zu lassen, und doch stellte sich das Glück nicht ein. Es muss etwas anderes hinzukommen: der Gottesbezug. Kohelet nennt es die Gottesfurcht. Das mit טוֹב ṭôv bezeichnete „Glück“ hat demnach zwei Säulen: Lebensfreude und Gottesfurcht (vgl. Pred 3,10-15; dazu Fischer, 110f; Köhlmoos, 55).

Dem deutschen „Glück“ und dem philosophischen Konzept der εὐδαιμονία eudaimonia (→ Gut / Güter [NT]) entspräche eher die ’ašrê-Formel (s.u. 3.2.4.), die aber ausgerechnet im Koheletbuch nicht in diesem Sinn gebraucht wird (vgl. Köhlmoos, 53-55.166, Anm. 21; Pred 10,17 verwendet sie nur im übertragenen Sinn).

Auch an anderen Stellen bleibt die Übersetzung von טוֹב ṭôv mit „Glück“ erklärungsbedürftig. Beispielsweise ist das Vertrauen auf die Nähe Gottes in Ps 73,28 nicht unbedingt erfahrungsgesättigt – also nicht gefühltes „Glück“ (Einheitsübersetzung) oder empfundene „Freude“ (Luther) –, sondern bewusst kontrafaktisch: „Aber was mich betrifft – Gottes Nähe ist gut (טוֹב ṭôv) für mich. Ich setze darauf, bei JHWH, meinem Herrn, meine Zuflucht (zu finden) und alle seine Taten zu verkünden.“

2.1.2.3. Das wohlgestimmte Herz. Auch dort, wo vom menschlichen Herzen (לֵב lev) ausgesagt ist, es sei טוֹב ṭôv, geht es nie um innere Werte, sondern immer um ein Wohlbefinden. Das „gute Herz“ steht in der Hebräischen Bibel für einen – durch Essen, Trinken und Fröhlichkeit – heiteren Gemütszustand (vgl. die entsprechenden Vokabeln im Kontext: „freuen“, „Freude“ in 1Kön 8,66 par. 2Chr 7,10; Est 5,9; Pred 9,7; Pred 11,9; „lachen“ in Ri 16,25; „jubeln“ in Jes 65,14; „Wein“ in 2Sam 13,28; Est 1,10; „essen“, „trinken“ in Ri 18,20; Ri 19,6.9.21f; 1Sam 25,36; 1Kön 21,7; Spr 15,15; Rut 3,7). טוּב לֵב ṭûv lev ist in Jes 65,14 das Gegenteil von כְּאֵב לֵב kəʼev lev „Herzeleid“, also etwa „Herzenslust“.

Moralisch geprägt sind dagegen das „reine“ (Ps 24,4; Ps 51,12; Ps 73,13; Spr 22,11), das „ungeteilte, ganze“ (Jer 32,39; Ez 11,9; Ps 119,80; 1Chr 29,19; 2Chr 16,9; 2Chr 30,12), das „beschnittene“ (Dtn 30,6), das Gott „erkennende“ (Jer 24,7) oder „fürchtende“ (Jer 32,40), das „neue“ (Ez 18,31; Ez 36,26), das in einem Bußakt „zerrissene“ (Joel 2,13) oder „zerbrochene“ (Ps 51,19), das fest auf Gott „ausgerichtete“ (Hi 11,13; Ps 108,2; 1Chr 29,18; 2Chr 30,19), das „treue“ (Neh 9,8) und das „weise“ (Ps 90,12; Spr 10,8; vgl. 1Kön 3,12; Hi 9,4; Spr 16,21.2; Spr 23,15; Pred 7,4; Pred 8,5) Herz.

2.1.3. Die gute, d.h. angemessene Handlungsweise

Auch dort, wo טוב ṭwb die Taten von Menschen qualifiziert, liegt nicht unbedingt ein ethisches Urteil vor. Meistens geht es auch dabei um die Einschätzung, ob etwas förderlich oder günstig erscheint (vgl. Stoebe, 656): Worte und Botschaften sind „gut“, wenn sie den Adressaten willkommen sind und günstig erscheinen (z.B. Gen 40,16; 1Sam 9,10; Jes 52,7). Taten sind „gut“, wenn sie als zweckdienlich und einer Sache förderlich befunden werden (z.B. Dtn 1,14; ex negativo: Ex 18,17; 1Sam 26,16).

Sogar in Gen 4,7 und Jon 4,4.9, wo im Kontext fraglos die moralische Bewertung von menschlichen Verhaltensweisen eine Rolle spielt, ist die Beurteilung als טוֹב ṭôv keine Frage der Moral, sondern „des richtigen, der Situation entsprechenden Verhaltens“ (Höver-Johag, 324). Im Hintergrund steht die weisheitliche Vorstellung von einem → Tun-Ergehen-Zusammenhang.

2.1.4. Das moralisch Gute: der gute Mensch

Das moralisch Gute rückt dort in den Blickpunkt, wo Texte von einer „guten Sache“ (דָּבָר טוֹב dāvār ṭôv) reden (vgl. 2Chr 12,12; 2Chr 19,3; ex negativo Neh 5,9; dagegen meint 2Sam 15,3 eher nützliche „Worte“).

Die moralisch gute Tat ist in der Regel gemeint, wo טוֹב ṭôv als nominales Objekt zu עשׂה ‘śh „tun“ tritt (Ez 18,18; Ps 14,1.3; Ps 34,15; Ps 37,3.27; Ps 53,2.4; Pred 7,20; mit Gott als Subjekt: Jer 29,32; Ps 119,65).

Das Verb im Hif. bedeutet nur dort „(moralisch) Gutes tun“, wo es absolut, ohne Objekt (Gen 4,7; Jer 4,22; Jer 13,23; Nah 3,8; Ps 36,4) oder mit Objekten wie „(Lebens )Wege“ oder „Taten“ (Jer 7,3.5; Jer 18,11; Jer 26,13; Jer 35,15) steht, meistens dagegen „jemandem Gutes, d.h. Angenehmes tun“ oder „etwas gut, d.h. angemessen ausführen“.

Der moralische Sinn steht im Vordergrund bei Wendungen wie „Gutes suchen“ (Dtn 23,7; Am 5,14; Est 10,3; Esr 9,12; vgl. Mi 6,8), „auf Gutes bedacht sein“ (Spr 11,27), „Gutes lieben“ (Am 5,15), „verfolgen“ (Ps 38,21) oder „planen“ (Spr 14,22) bzw. „hassen“ (Mi 3,2) oder „verwerfen“ (Hos 8,3), auch wenn der Aspekt des Angenehmen und Nützlichen immer mitgemeint sein kann.

Das gilt auch für das Gegensatzpaar טוֹב ṭôv und רָע rā‘ in 1Kön 3,9, wo die königlich-richterliche Urteilsfähigkeit, folglich auch das moralisch Gute oder Böse im Vordergrund steht, und in Jes 7,15f, wo mit „verschmähen“ und „wählen“ zweifellos (auch) eine ethische Wahl angesprochen ist.

An allen diesen Stellen geht es implizit um das vor dem Gesetz oder vor Gott Gute, das als bekannt oder erkennbar vorausgesetzt wird.

In der lebenspraktischen Perspektive der Weisheit kann auch ein prinzipielles Urteil über einen Menschen gefällt werden: Es gibt den Guten (טוֹב ṭôv: Spr 2,20; Spr 14,14.19) und den Bösen (רָע rā‘: Spr 14,19). Die טוֹבִים ṭôvîm sind die Gerechten (צַדִּיקִים ṣaddîqîm), Aufrichtigen (יְשָׁרִים jəšārîm) und vollkommen Schuldlosen (תְמִימִים təmîmîm), nicht die Frevler (רְשָׁעִים rəšā‘im) und Treulosen (בוֹגְדִים bôgədîm; Spr 2,20-22; Spr 14,19). Die theologisch untermauerte („theologisierte“) Weisheit findet zur einfachsten – und zugleich umfassendsten – Definition: Der Gute ist der, an dem Gott Gefallen hat (Spr 12,2).

2.1.5. Der gute Gott

Wo Gott die Quelle, der Maßstab und der Lehrer des Guten ist, muss er selbst auch als „gut“ qualifiziert werden. Das geschieht meistens „in jüngeren Texten und vor allem in der Psalmensprache“ (Stoebe, 661).

Gott ist טוֹב ṭôv (Ps 25,8; Ps 34,9; Ps 52,11; Ps 54,8; Ps 73,1; Ps 86,5; Ps 119,68; Ps 135,3; Ps 143,10; Ps 145,9; Klgl 3,25; 2Chr 30,18 und die Lobpreisformel „denn er ist gut und seine Güte für ewig“ [s.u.]), bzw. sein Name (Ps 52,11; Ps 54,8), seine Hand (Esr 7,9; Esr 8,18; Neh 2,8.18) oder sein Geist (Ps 143,10; Neh 9,20) ist טוֹב ṭôv. Gott wird טוּב ṭûv „Gutsein“ oder „Segen“ oder „Schönheit“ zugeschrieben (Ex 33,19; Jer 31,12.14; Hos 3,5; Ps 25,7; Ps 31,20; Ps 145,7).

Die „Gutheit“ Gottes ist aber im Hebräischen nie als abstrakte Eigenschaft verstanden (vgl. Stoebe, 662). Vielmehr ist das Gute auch hier in Relation zu sehen. Das geschieht zum Teil ausdrücklich (Ps 73,1; Ps 86,5; Ps 145,9; Klgl 3,25: mit לְ und Dativobjekt), vor allem aber durch das häufig parallel verwendete חֶסֶד ḥæsæd „Güte / Liebe“, das ja nicht ohne ein Gegenüber zu denken ist: Gottes Gut-Sein äußert sich in seiner Güte und Liebe den Menschen gegenüber (vgl. die Lobpreisformel „denn er ist gut und seine Güte für ewig“ in Jer 33,11; Ps 100,5; Ps 106,1; Ps 107,1; Ps 118,1.29; Ps 136,1; Esr 3,11; 1Chr 16,34; 2Chr 5,13; 2Chr 7,3 und andere Zusammenstellungen von טוֹב ṭôv und חֶסֶד ḥæsæd mit Bezug auf Gott: Jes 63,7; Mi 6,8; Ps 23,6; Ps 25,7; Ps 63,4; Ps 69,7; Ps 86,5; Ps 109,21).

Gott kann das Leben, eine Lebensphase oder eine konkrete Situation im Leben von Menschen „gut machen“ (oft יטב jṭb Hif.: Gen 32,10; Ex 1,20; Num 10,32; Dtn 8,16; Dtn 28,63; Dtn 30,5; Jos 24,20; Ri 17,13; 1Sam 25,31; Jer 18,10; Jer 32,40f; Ez 36,11; Sach 8,15; Ps 51,20; Ps 119,68; Ps 125,4), indem er Wohlergehen und Gelingen schenkt. Dabei ist „weniger an die Tat selber… als an die Folge der Tat gedacht“ (Stoebe, 654f). Gott ist oder handelt also nicht einfach gütig, sondern er bewirkt Gutes (so ausdrücklich Ps 119,68: טוֹב־אַתָּה וּמֵטִיב ṭôv ʼattāh ûmeṭîv „Du bist gut und wirkst Gutes.“).

2.2. Das Gute ist relational

Das absolute Gute ist nicht empirisch dingfest zu machen, weder in der Philosophie noch in der Bibel. Vielmehr ist das Gute in vielerlei Beziehung und mancherlei Hinsicht je konkret zu bestimmen.

Ein beredtes Zeugnis davon legen die 71 Belege ab, wo eine Form von טוב ṭwb / יטב jṭb in Relation zu einem mit לְ eingeführten, indirekten Objekt näher bestimmt, also der Nutznießer des Guten ausdrücklich genannt wird: „gut für jemanden oder etwas“ (Gen 2,9; Gen 12,13.16; Gen 40,14; Ex 1,20; Ex 14,12; Num 10,29.32 etc.).

2.3. Das Gute ist relativ

Dass Gutes immer nur in seinen konkreten Bezügen bestimmt werden kann, gilt nicht nur hinsichtlich seiner Nutznießer, sondern auch hinsichtlich seines Maßes. Das Gute ist nicht nur relational, sondern auch relativ: Es gibt mehr oder weniger Gutes. Neben den Gegensatz von „gut“ und „böse“ bzw. „gut“ und „schlecht“ tritt also die Alternative „gut“ und „weniger gut“ bzw. „gut“ und „besser“. Das Abwägen des relativ Besten spielt in der biblischen Weisheitstradition eine wichtige Rolle, wie die Besser-als-Sprüche zeigen:

Weisheit ist besser (טוֹב מִן ṭôv min) als Stärke (Pred 9,16), Kriegswaffen (Pred 9,18) oder Gold (Spr 8,11). Ihre Früchte sind besser als Feingold (Spr 8,19).

Auch Anmut ist besser als Silber und Gold (Spr 22,1).

Ein Tag im Tempel ist besser als tausend ohne Gottesdienst (Ps 84,11).

Durchs Schwert sterben ist besser als zu verhungern (Klgl 4,9).

Gottes Gnade ist besser als das (Weiter-)Leben ohne sie (Ps 63,4).

Geringer Besitz kann besser sein als Überfluss (Ps 37,16; Spr 28,6).

Auf Gott hören ist besser als Opfer darbringen (1Sam 15,22).

An allen diesen Stellen erweist sich das Gute als die bessere Alternative. Diese Definition entspricht dem philosophischen Befund (s.o. 1., Punkt 3).

2.4. Das Gute ist subjektiv

„Gut“ beschreibt keine wahrnehmbare Eigenschaft, sondern ist eine Bewertung. Wie jede andere ist auch die Beurteilung als „gut“ subjektiv.

2.4.1. Was für den einen gut ist, muss es für einen anderen noch lange nicht sein. Das gilt auch für das hebräische טוב ṭwb, das „ganz allgemein die positive subjektive Stellungnahme zu einem Sachverhalt bezeichnet, wobei oft offenbleibt, ob diese Entscheidung richtig ist“ (Stoebe, 656).

Nicht zufällig ist im Alten Testament 59 Mal die Redefigur „gut in den Augen von…“ (טוֹב בְּעֵינֵי ṭôv bə‘ênê …) belegt (Gen 16,6; Gen 19,8; Gen 20,15; Gen 34,18; Gen 41,37; Gen 45,16; Lev 10,19.20 etc.; Höver-Johag, 328, zählt ohne die verbalen Belege von טוב ṭwb / יטב jṭb 42 Stellen). In jüngeren Texten kann es heißen, etwas oder jemand sei gut „vor (לִפְנֵי lifnê oder עַל ‘al) Gott“ (Pred 2,26; Pred 7,26; 2Chr 31,20) oder dem König (Est 3,9; Est 5,8.17; Est 7,3; Neh 2,5.6.7) bzw. einer anderen menschlichen Autorität (Est 5,14).

Ob nun gute Dinge, gute Taten oder gute Menschen – immer sind sie für jemanden, nach seiner oder ihrer Einschätzung „gut“. In den Augen anderer aber kann die Beurteilung abweichen: → David ist טוֹב ṭôv in den Augen Achischs (1Sam 29,6.9), nicht jedoch für die anderen Philister-Fürsten (vgl. 1Sam 29,4f). Der kleine → Mose ist טוֹב ṭôv in den Augen seiner Mutter (Ex 2,2), ganz anders jedoch aus Sicht des Pharao (vgl. Ex 1,22). → Ester ist attraktiv (יטב jṭb Qal) in den Augen des Harem-Aufsehers (Est 2,9) und des Königs (Est 2,4; Est 8,5).

Zuweilen braucht das Gute Überzeugungskraft, um als solches akzeptiert zu werden: König David lässt sich von Abner sagen, was in den Augen der Nordstämme und der Benjaminiten „gut“ (טוֹב ṭôv) ist (2Sam 3,19; vgl. auch 2Sam 18,4).

Selbst Gottes Urteil ist in diesem Sinne subjektiv, etwa wenn er in Gen 1,31 der Schöpfung das Prädikat טוֹב מְאֹד ṭôv məʼod „sehr gut“ verleiht, was aus Perspektive der Adressaten der Priesterschrift keineswegs offensichtlich war und ganz bewusst gegen eine pessimistische Weltsicht anredet (s.u. 4.1.).

2.4.2. Manchmal kann also etwas „gut“ genannt werden, obwohl die äußeren Bedingungen zunächst das Gegenteil vermuten lassen:

Die Israeliten behaupten, die Sklaverei in Ägypten sei „gut“ (טוֹב ṭôv) gewesen – jedenfalls im Verhältnis zu den Beschwernissen der Gegenwart (Ex 14,12; Num 11,18; Num 14,3).

David sieht Gutes (טוֹב ṭôv) in der Flucht ins Philisterland (1Sam 27,1).

Auch das Leben in Judäa nach der Eroberung durch die Babylonier kann „gut sein“ (יטב jṭb Qal), selbst wenn die Meinungen darüber auseinander gehen (2Kön 25,24; Jer 40,9; Jer 42,6).

Ein zutiefst persönliches Urteil fällt der Beter in Ps 119,71: „Es war gut (טוֹב ṭôv) für mich, dass ich gedemütigt worden bin…“

Gottes Gnade kann als höheres Gut (טוֹב מִן ṭôv min) gelten als das Leben (Ps 63,4; vgl. Ps 84,11). Sogar der Tod kann als „gut“ (טוֹב ṭôv) beurteilt werden, vergleicht man ihn mit einem Leben in Frustration (Jon 4,3).

2.4.3. Was טוֹב ṭôv ist, muss noch nicht einmal moralisch gut sein. Das Gegenteil ist der Fall bei Abrahams Notlüge in Gen 12,13 oder Israels Talent, sich neue Liebhaber zu suchen in Jer 2,33 (יטב jṭb Hif.).

Selbst willkürliche Gewalt kann „gut in jemandes Augen“ genannt werden: Saras Eifersucht auf Hagar (Gen 16,6), die Vergewaltigung in Gibea (Ri 19,24), Rache an Feinden (1Sam 11,10; 1Sam 24,5), Jeremias Verhaftung und Bedrohung (Jer 26,14), die Anordnung der Judenverfolgung (Est 3,11) und die später folgende Rache (Est 8,8, vgl. V. 13). Schließlich kann man sogar das ausgesprochen Böse „gut“ ausführen (יטב jṭb Hif., Mi 7,3).

Zur theologischen Eindämmung einer willkürlichen Bestimmung des Guten s.u. 4.2.

2.5. Das Gute ist funktional definiert

Bestimmend für die Semantik von טוב ṭwb / יטב jṭb ist vor allem der funktionale Aspekt: „Am häufigsten ist auch im AT die zweckimmanente Bedeutung für ṭôb. Unter dem Aspekt der Eignung oder des Nutzens einer Sache oder Person liegt der Schwerpunkt dabei auf dem funktionalen Aspekt als etwas, das in der rechten Ordnung steht, seinem Wesen, d.h. seiner Aufgabe, entspricht.“ (Höver-Johag, 324; vgl. Gordon, 353: „a state or function appropriate to genre, purpose, or situation“).

In Bezug auf Dinge ist es das Taugliche, Zweckdienliche und in seiner Wirkung Angenehme.

Die Bäume in Gen 2,9 sind gut als Obstlieferanten. Das Rind in Lev 27,10.12.14.33 ist gut, weil es als gesundes und kräftiges Tier seinem Besitzer einen großen Nutzen bringt, so dass dieser in Versuchung geraten könnte, lieber ein schwächeres Tier zu opfern. Die Feigen in Jer 24,2.3.5 sind gut, weil sie im Unterschied zu den schlechten essbar sind. Worte sind gut, wenn sie etwas bewirken (Jos 21,45), wohl tun (Spr 15,30; Spr 25,25) oder Mut machen (1Kön 12,7 par. 2Chr 18,12).

Etwas „gut“ zu tun bedeutet nicht unbedingt sittlich gut, sondern es sachgemäß, kunstfertig oder sorgfältig zu tun (so mit טוב ṭwb Hif.: Ex 30,7; Jer 1,12; 1Sam 16,17; Jes 23,16; Ez 33,32; Ps 33,3). Das gut Ausgeführte tut gut:

Die therapeutische Musik tut Saul gut (1Sam 16,16.23). Lob und Dank tun Gott gut (Ps 69,32). Davids Taten, so will Jonatan seinen Vater Saul überzeugen, sind für den König sehr gut (1Sam 19,4).

Auch die ethisch gute Tat hat im alttestamentlichen Verständnis einen starken funktionalen Aspekt. Für den Menschen, sein Wollen und Tun, ist das Gute vor allem das Lebensdienliche. Wo er vor die Alternative gestellt wird, zwischen Gut und Böse zu wählen, hat er zu entscheiden, „was dem Leben nützt und was ihm schädlich ist, ohne daß zunächst eine moralische Beurteilung erfolgt“ (Stoebe 1971, 659).

In diesem Sinne ist auch der Name des → Paradiesbaumes „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ zu interpretieren. Der Baum symbolisiert Entscheidungsvollmacht über das Lebensförderliche (טוֹב ṭôv) oder Schädigende (רָע) in jederlei Hinsicht, einschließlich des moralisch Guten und Bösen (→ Sünde / Sünder, 2.4.4.)

Beim Tun des Guten geht es im alttestamentlichen Sinne nicht um die Aufrechterhaltung bleibender Werte, sondern immer wieder um ein aktives Entscheiden und Tun. Die Wahl des Guten wird deshalb sehr treffend als das Beschreiten eines Weges beschrieben: Das Gute hat eine Funktion, ein Ziel. Es dient dem Leben (s.u. 4.3.).

Weil für den Erhalt des Lebens eine funktionierende Gesellschaft notwendig ist, ist das Gute auch das Gemeinschaftsfördernde. Die oft parallel zu טוב ṭwb / יטב jṭb verwendeten Begriffe מִשְׁפָּט mišpāṭ „Recht“ und צֶדֶק ṣædæq bzw. צְדָקָה ṣədāqāh „gerechtes / gemeinschaftsgerechtes Verhalten“ (s.u. 4.2.) sind nur der konkrete Ausdruck einer grundlegenden Einsicht: Gut ist, was Gemeinschaft schafft und erhält. Böse ist, was die Gemeinschaft stört.

2.6. Das Gute ist Oppositum zu רעע r‘‘ „böse / schlecht“

Bei aller Relativität und Subjektivität gibt es für das Gute eine eindeutige Richtungsvorgabe. Die gilt auch für das hebräische טוֹב ṭôv: Es ist in der Gegenrichtung des Bösen bzw. Schlechten (im Hebräischen beides רעע r‘‘Sünde / Sünder, 2.4.) zu finden.

In der Sprache der → Weisheit liefert die Abkehr vom Bösen (סוּר מֵרָע sûr merā‘: z.B. Ps 37,27; Hi 1,1.8; Hi 28,28; Spr 3,7; Spr 13,19; → Umkehr) die entscheidenden Koordinaten für das Gute: „Weiche vom Bösen (סוּר מֵרָע) und tue Gutes (טוֹב ṭôv), suche Frieden (שָׁלוֹם šālôm) und jage ihm nach“ (Ps 34,15).

Zum „guten bzw. bösen Weg“ und zur Entscheidung zwischen Gut und Böse s.u. 4.3. und 4.4.; allgemein zum Kontrastbezug von טוֹב ṭôv „gut“ und רַע ra‘ „böse“ im Alten Testament → Sünde / Sünder, 2.4.4.

3. Hebräische Synonyme für טוב ṭwb / יטב jṭb

3.1. Ausdrücke für Akzeptanz und positive Bewertung: Werte, Güter, Tugenden

Neben Ableitungen der Wurzeln טוב ṭwb / יטב jṭb treten Lexeme, die spezielle Aspekte des Gutseins beschreiben:

Formal entsprechen dem funktionalen und zugleich subjektiven Charakter des Guten Begriffe, die Akzeptanz ausdrücken, wie „gefallen“ (רצה rṣh / רָצוֹן rāṣôn, חפץ ḥpṣ, מצא חֵן mṣʼ ḥen), „angenehm / lieblich sein“ (נעם n‘m / נָעִים nā‘îm, ערב ‘rb III, נאה nʼh), „wählen / erwählen“ (בחר bḥr), „lieben“ (חשׁק ḥšq, אהב ʼhb, יָדִיד jādîd) oder „sich gütlich tun / genießen“ (ענג ‘ng).

Inhaltlich finden sich Überschneidungen bei Eigenschaften, die immer wieder als gut bewertet werden und als moralische Werte und Tugenden gelten:

1) „Gerechtigkeit / Gemeinschaftstreue“ (Wurzel צדק ṣdq): in Verbindung mit טוב ṭwb / יטב jṭb in Jer 22,15; Ps 52,5; Ps 145,7; Spr 2,9; Spr 16,8 (→ Gerechtigkeit, bes. 2.2.1.).

2) „Aufrichtigkeit / Rechtschaffenheit“ (Wurzel ישׁר jšr): in Verbindung mit טוב ṭwb und ישר in Dtn 6,18; Dtn 12,25.28; Jos 9,25; 1Sam 29,6; 2Kön 10,3.30; Jer 26,14; Jer 40,4; Mi 7,4; Ps 25,8 (von Gott); Ps 125,4; Spr 17,26; 2Chr 14,1; 2Chr 31,20; beide Wurzeln auch noch Mi 2,7; Spr 28,10; Neh 9,13 (→ Gerechtigkeit, 2.2.2.).

3) „Recht“ (מִשְׁפָּט mišpāṭ): in Verbindung mit טוֹב ṭôv in Jes 1,17; Jer 7,5; Jer 22,15; Ez 20,25; Am 5,15; Mi 6,8; Mal 2,17; Ps 112,5; Ps 119,39; Hi 34,4; Spr 2,9; Spr 16,8; Spr 18,5; Spr 24,23; Pred 12,14; Neh 9,13 (→ Recht, 1.3.).

4) „Wahrheit / Treue“ (אֶמֶת ʼæmæt): in Verbindung mit טוב ṭwb / יטב jṭb in 2Kön 20,3.19; Jes 38,3; Jes 39,8; Jer 32,41; Spr 14,22; Neh 9,13; 2Chr 31,20 (→ Treue, 2.1.).

5) „Güte / Liebe“ (חֶסֶד ḥæsæd): in Verbindung mit טוב ṭwb / יטב jṭb in Jes 63,7; Jer 33,11; Mi 6,8; Ps 23,6; Ps 25,7; Ps 63,4; Ps 69,17; Ps 86,5; Ps 100,5; Ps 106,1; Ps 107,1; Ps 109,21; Ps 118,1.29; Ps 136,1; Spr 14,22; Rut 3,10; Est 2,9; Esr 3,11; 1Chr 16,34; 2Chr 5,13; 2Chr 7,3.

6) „Liebe“ (Wurzel אהב ʼhb): mit טוב ṭwb verbunden in Gen 27,9; Dtn 15,16; Rut 4,15; Ps 34,13; Ps 52,5; Spr 19,8; Hhld 1,3; Am 5,15; Mi 3,2; Mi 6,8 (→ Liebe / Liebesgebot, 1.1.).

7) „Barmherzigkeit“ (Wurzel רחם rḥm): mit טוּב in Ex 33,19.

ישר jšr, מִשְׁפָּט mišpāṭ und צדק ṣdq stehen oft als nachprüfbare Normen des Guten neben טוֹב ṭôv (s.u. 4.2.).

Auch bei den Parallelbegriffen bleibt der funktionale Aspekt bestimmend: „Werte“ und „Güter“ sind diese Eigenschaften im biblischen Sinne, nicht weil sie dem, der sie praktiziert, einen moralisch hohen Status bescheinigen, sondern weil sie dem, der sie erfährt, guttun.

3.2. Das erfahrbare Gute im umfassenden Sinn: Heil, Wohl, Glück

Neben dem substantivierten טוֹב ṭôv bzw. טוֹבָה ṭôvāh (s.o. 2.1.1.2.) können einige andere Begriffe die Erfahrung des umfassenden Wohlseins beschreiben. Ähnlich dem deutschen „Glück“, „Heil“ oder „Wohl“ stehen sie als Inbegriffe des (ontisch) Guten, das jemand erfährt:

1) שָׁלוֹם šālôm „Heil, Frieden“ (→ Friede / Schalom): parallel zu טוב ṭwb in Gen 26,29; Jes 52,7; Jer 8,15; Jer 14,19; Ps 34,15; Est 10,3; Esr 9,12; vgl. Gen 15,15; 1Sam 20,7