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Gericht, verurteilen

Als Herrscher über die ganze Welt ist Gott der Richter, der am Ende der Zeit ein Urteil über sie spricht.

Altest Testament

Im Alten Testament bedeutet das hebräische Wort für »verurteilen« sowohl »richten« als auch »herrschen«. Im Hintergrund steht damit die altorientalische Vorstellung vom König, der das Recht aufrichtet und für seine Einhaltung sorgt. Gericht bedeutet in diesem positiven Sinn, dass Gott den Benachteiligten zu ihrem Recht verhilft und die Schuldigen zur Verantwortung zieht (Psalm 7,9-10; 10,18; 43,1).
Nimmt die Ausbeutung der Armen und die Gewalt gegen die Schwachen überhand, kann Gott sogar das Gericht über sein eigenes Volk kommen lassen. Es sind vor allem die Propheten, die diese Botschaft auszurichten haben. Sie beklagen das Unrecht, das König und Volk begangen haben, und sehen darin den Grund für den Untergang  von Staat und Tempel, den sie Israel und Juda ankündigen (Amos 3,9-11; Jeremia 22,6-9). Als Herrscher über den Erdkreis ist Gott zugleich aber auch Richter über die Völkerwelt. In den Sprüchen gegen die fremden Völker werden diese dafür zur Rechenschaft gezogen, dass sie gegen Israel, dem von Gott auserwählten Volk, in den Krieg ziehen und es unterdrücken (Jesaja 13­23).
In den Vorstellungskreis von Gottes Gericht gehört auch der »Tag des Herrn«. Mit ihm verbindet sich die Erwartung, dass Gott zu einem bestimmten Zeitpunkt gegen seine Feinde vorgeht und seine Gerechtigkeit durchsetzt (Jesaja 2,6-19; Amos 5,18-20). Diese Vorstellung wird schließlich zu einem universalen Gerichtstag ausgeweitet, an dem Gott selbst aufsteht, in die Geschichte eingreift und die Völkerwelt für ihre Verbrechen bestraft (Joel 4,12-14; Zefanja 3,8; Sacharja 14,1-3).

Neues Testament

Der Verurteilung in Gottes Gericht können die Menschen nur durch radikale Umkehr entgehen. Im Neuen Testament ruft Johannes der Täufer dazu auf. Er erwartet, dass in dem bevorstehenden Gericht Gottes Zorn über das Fehlverhalten der Menschen zum Ausdruck kommen wird. Rettung ist nur für den möglich, der jetzt noch umkehrt und dies durch die Taufe öffentlich dokumentiert.
Jesus betont den grundsätzlichen Heilswillen Gottes. Mit seinem Kommen wird Gottes Reich in der Welt sichtbar. Das geschieht durch die Verkündigung von Jesus und durch die Wunder, die er tut. So zeigt sich zum Beispiel im Sieg von Jesus über die Dämonen, welche befreiende Kraft mit seinem Wirken verbunden ist. Zugleich stellt der Anbruch der Gottesherrschaft die Menschen jedoch unausweichlich vor eine Entscheidung: Wer die Verkündigung von Jesus annimmt, erhält das ewige Leben. Wer sie ablehnt, verliert es. Damit ist das Gerichtsurteil Gottes ganz in die Gegenwart gerückt. Es wird nicht irgendwann »am Ende der Zeit« in ferner Zukunft gefällt, sondern ergeht hier und jetzt mit der Entscheidung für oder gegen Jesus und seine Botschaft.
In den Briefen des Paulus ist immer wieder vom Gericht Gottes die Rede, in dem er die Menschen belohnen oder bestrafen wird, wie es ihren Taten entspricht (Römer 2,6-16). Die Christen sind diesem Gericht nicht enthoben (2. Korinther 5,10), aber sie können gewiss sein, dass sie in diesem Gericht bestehen können, weil Jesus Christus sie durch seinen Tod am Kreuz gerecht gemacht und ihnen so die Versöhnung mit Gott geschenkt hat (Römer 5,9-11).


(Quelle: ​BasisBibel. Das Neue Testament und die Psalmen, © 2012 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

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