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Einführung: Die Evangelien

Am Anfang des Neuen Testaments stehen die vier Evangelien. Das Wort »Evangelium« kommt aus dem Griechischen und bedeutet »Gute Nachricht«. Gemeint ist die Gute Nachricht, dass Jesus Christus, der Sohn Gottes, in die Welt gekommen ist. Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat er den Menschen Rettung vom Tod und von den Sünden gebracht (1. Korinther 15,1-5). Die vier Evangelien erzählen von der Geburt von Jesus, seinem Wirken, seinem Tod und seiner Auferstehung. Doch auch in den anderen Büchern des Neuen Testaments geht es um diese Gute Nachricht. Sie ist das Zentrum aller Verkündigung von Jesus Christus. Für Paulus ist sie »eine Kraft Gottes, die jeden rettet, der glaubt« (Römer 1,16).



Die Verfasser der vier Evangelien werden im Bibeltext nicht namentlich genannt. Sie treten ganz hinter der Botschaft zurück, die sie verkünden. Die Überschriften der Evangelien stammen aus der Zeit zwischen 100 und 200 n. Chr. Man ging damals davon aus, dass Jünger von Jesus oder deren Mitarbeiter die Evangelien geschrieben haben: Matthäus und Johannes waren Jünger von Jesus (Matthäus 10,2-3), Markus ein Mitarbeiter von Petrus (1. Petrus 5,13) und Lukas ein Mitarbeiter von Paulus (Kolosser 4,14). Wir können heute nicht mit Sicherheit sagen, ob diese Annahmen stimmen. Trotzdem verwendet man diese Namen, wenn man von den Verfassern der Evangelien spricht.



Wahrscheinlich war es Markus, der als Erster seinen Bericht über das Leben von Jesus als »Evangelium«, also als »Gute Nachricht«, bezeichnet hat (Markus 1,1). Der Begriff wurde später auch für die Berichte von Matthäus, Lukas und Johannes übernommen. So wurde »Evangelium« zu einer Bezeichnung für eine besondere Literaturgattung: die Evangelien.



Alle Schriften des Neuen Testaments wurden ursprünglich auf Griechisch abgefasst. Diese Sprache war in der antiken Welt so weit verbreitet wie Englisch in unserer Zeit. So konnte sich die Gute Nachricht im gesamten Mittelmeerraum ausbreiten.



Die Evangelien ähneln sich in ihrem Aufbau. Alle berichten ausführlich über das öffentliche Wirken von Jesus: über seine Predigt, seine Taten, aber auch den Konflikt mit den Pharisäern und Schriftgelehrten. Dieser Konflikt gipfelte darin, dass Jesus verurteilt und gekreuzigt wurde. In den letzten Kapiteln wird jeweils berichtet, dass Jesus von den Toten auferstanden ist und sich seinen Jüngern gezeigt hat. Matthäus und Lukas unterscheiden sich von den anderen beiden Evangelien dadurch, dass sie ihren Bericht schon mit der Geburt und Kindheit von Jesus beginnen lassen.



Matthäus, Markus und Lukas stimmen an vielen Stellen sogar in der Reihenfolge der Darstellung genau überein. An einigen Stellen sind sie bis in den Wortlaut hinein gleich. Deshalb wird zumeist angenommen, dass Matthäus und Lukas das Markusevangelium gekannt und als Grundlage verwendet haben. Doch Matthäus und Lukas haben auch einige Teile gemeinsam, die im Markusevangelium nicht vorkommen. Deswegen geht man außerdem davon aus, dass Matthäus und Lukas neben dem Markusevangelium eine zweite gemeinsame Quelle hatten. Diese wird meist als »Spruchquelle« bezeichnet, denn sie enthielt wohl vor allem Reden und Aussprüche von Jesus. Die Bergpredigt in Matthäus 4,23–7,29 enthält beispielsweise sehr ähnliche Texte wie die Rede auf dem Feld in Lukas 6,17-49. Sie könnte in Teilen aus dieser Spruchquelle stammen. Matthäus und Lukas kannten jeweils noch weitere Worte und Taten von Jesus, die sie in ihr Evangelium aufgenommen haben.



Das Evangelium nach Johannes unterscheidet sich deutlich von den drei anderen Evangelien. Das betrifft sowohl den Aufbau und Wortlaut des Evangeliums als auch seinen theologischen Charakter. Vermutlich ist das Johannesevangelium später entstanden als die anderen drei Evangelien.



Obwohl alle vier Evangelien von Jesus handeln, stellt jedes die Ereignisse aus einem etwas anderen Blickwinkel dar. Doch allen ist gemeinsam, dass sie ihre Leserinnen und Leser zum Glauben an Jesus Christus führen wollen. Es geht also immer um die eine Gute Nachricht, die in unterschiedlicher Weise erzählt wird.


 


(BasisBibel. Altes und Neues Testament, ​© 2021 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

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