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Einführung: Der Brief an die Hebräer

Der Brief an die Hebräer ist seiner Form nach genau genommen kein Brief. Es fehlen die sonst üblichen Angaben zum Absender und den Empfängern. Man könnte die Schrift daher eher als Predigt bezeichnen, die mit einem briefartigen Schluss (13,22-25) endet. Die Predigt ist an eine Gemeinde gerichtet, die im Glauben zu erlahmen droht (12,12-13). In dieser Situation ermahnt der Verfasser die Christen, das empfangene Heil nicht wieder aufs Spiel zu setzen. 



Die Überschrift »an die Hebräer« wurde erst in der Zeit zwischen 100 und 200 n. Chr. hinzugefügt. Schon damals hatte man die vielen Bezüge und Anspielungen auf das Alte Testament innerhalb des Briefes bemerkt. Man meinte daher, dass sich der Brief an eine Gemeinde richtete, zu der viele Christen jüdischer Herkunft gehörten. Der Verfasser des Briefes war ein äußerst gebildeter Theologe. Er kannte das Alte Testament und die damals im Judentum übliche Schriftauslegung sehr genau. Entstanden ist der Brief an die Hebräer vermutlich um 90 n. Chr. 



Der Hebräerbrief besteht aus drei großen Teilen. Innerhalb dieser Teile wechseln sich lehrhafte Ausführungen und Ermahnungen ab. Der erste Teil (1,1–4,13) nimmt die Grundlage aller christlichen Verkündigung in den Blick: Gottes Reden durch seinen Sohn (1,1-4). Das Reden Gottes meint dabei die Rettung und die Vergebung der Sünden, die Christus den Menschen durch seinen Tod gebracht hat. Diese Rettungstat darf nicht missachtet werden (2,1-4). Anders gesagt: Die Christen sollen den Ruf von Gottes Stimme nicht ausschlagen, wie es damals die Israeliten in der Wüste getan haben (3,7-19). Sie sollen »heute« darauf hören (4,7). Dann werden sie zu einem ewigen Ruheplatz kommen. In der Heiligen Schrift sieht der Verfasser des Briefes all das schon angekündigt. Darum hat die Schrift für ihn auch eine ganz besondere Bedeutung (4,12-13). 



Der zweite Teil des Briefes (4,14–10,18) befasst sich mit der Rettungstat von Jesus. Durch seinen Tod am Kreuz hat Jesus für die Menschen die Vergebung ihrer Sünden bewirkt. Er hat weggenommen, was sie von Gott trennt. Er ist als Hohepriester für die Menschen vor Gott eingetreten, wie es die Hohepriester im Alten Testament getan haben: Einmal im Jahr – am Versöhnungstag – betrat der Hohepriester das Allerheiligste im Tempel. Er brachte Gott das Blut von Opfertieren dar, um so für das Volk und sich selbst Vergebung der Sünden zu erwirken. Jesus, der am Kreuz für die Menschen gestorben ist, ist Opfer und Hohepriester zugleich (9,11-28). Durch sein Opfer sind ein für alle Mal die Sünden aufgehoben (10,1-18). Auch in anderer Hinsicht ist Jesus ein ganz besonderer Hohepriester: Er war ein Mensch wie alle Menschen, aber ohne eigene Sünde (4,14–5,10; 7,26-28). Im Unterschied zu den Hohepriestern im Alten Testament hat Christus das Hohepriesteramt für immer inne (7,20-25). Er verrichtet seinen Dienst nicht in einem vergänglichen Heiligtum auf der Erde, sondern im himmlischen Heiligtum (8,1-6). 



Im dritten Teil (10,19–13,25) zeigt der Verfasser, was das zuvor Gesagte für das Leben der Christen bedeutet: Sie sollen an ihrem Glauben und an der Hoffnung festhalten (10,19-25; 12,12-17). Es ist wichtig, dass sie nicht erneut Schuld auf sich laden (10,26-31), auch wenn sie dafür Leid und Anfeindungen ertragen müssen (10,32-39). Um die Gemeinde zu ermutigen, erinnert der Verfasser des Briefes an die Väter und Mütter im Glauben (11,1-40), die als eine »Wolke von Zeugen« die gegenwärtige Gemeinde umgeben (12,1). Doch im Unterschied zu diesen Beispielen des Glaubens, die das Ziel nur »von ferne gesehen« haben (11,13), können die Christen ihren Blick auf Jesus richten. Er hat sie zum Glauben geführt und wird ihnen mit der endgültigen Befreiung von ihren Sünden die Vollendung bringen (12,1-3). Diese Vollendung eröffnet den Zugang zum himmlischen Jerusalem (12,22). Es ist die Stadt, deren »Planer und Gründer Gott selbst ist« (11,10). In ihr regiert Christus an der Seite Gottes. Es ist dieses Ziel, zu dem die Gemeinde noch unterwegs ist. 



Auch wenn wir aus dem Brief keine genauen Informationen über die Empfänger erhalten, so lässt sich erahnen, mit welchen Problemen sie zu kämpfen hatten: Die erste Begeisterung für den Glauben ist gewichen, vielleicht auch, weil der Gemeinde Verfolgungen und Bedrängnisse drohten. Manche Christen sind den Versammlungen der Gemeinde ferngeblieben (10,25). In dieser Situation macht der Schreiber des Briefes klar: Wer einmal die Stimme Gottes gehört und an der Rettungstat von Jesus Anteil bekommen hat, darf nicht wieder in alte Verhaltensmuster zurückfallen. Es geht dabei nicht um einzelne Sünden, sondern um die bewusste Abkehr vom Glauben. Jesus hat durch sein Opfer für immer aufgehoben, was die Menschen von Gott trennt. Es ist für den Verfasser des Hebräerbriefes unvorstellbar, dass jemand, der vom Glauben an Jesus abgefallen ist, erneut Anteil an der Rettung bekommen kann (6,4-12; 10,26-31). Aus diesem Grund ermahnt er die Christen auch so eindringlich, das empfangene Heil nicht aufs Spiel zu setzen. 

 

(BasisBibel. Altes und Neues Testament, ​© 2021 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

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