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Einführung: Das zweite Buch Mose/Exodus

Das 2. Buch Mose trägt in der griechischen und lateinischen Übersetzung der Bibel den Namen »Exodus«. Dieser Name bezieht sich auf den wichtigsten Inhalt des Buches: die Geschichte vom »Auszug« der Israeliten aus Ägypten.



Von dieser Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei erzählen die Kapitel 1–18. Sie beginnen mit der Lebensgeschichte der Hauptfigur Mose (1,1–7,7). Mit dem Bericht von den »ägyptischen Plagen« (7,8–11,10) kommt das Hauptthema der Befreiung in den Blick. Zu diesem Thema gehört die Entstehung des Passafests (12,1–13,16). Höhepunkt der Darstellung ist die Geschichte vom Zug der Israeliten durch das Schilfmeer (13,17–15,21). Anschließend berichten die Kapitel 15,22–18,27 von der Wanderung der Israeliten zum Berg Sinai. Dort verkündet Gott den Israeliten grundlegende Gebote (19–24). Sie bilden den zweiten Hauptteil des Buches. Am Anfang stehen die »Zehn Gebote« (19,1–20,21). Danach folgt eine Gesetzessammlung, die »Bundesbuch« genannt wird (20,22–23,33). Die darin enthaltenen Vorschriften sind die Grundlage für das Verhältnis zwischen Gott und den Israeliten, den »Bund«, wie er in 2. Mose/Exodus 24 beschrieben wird. Im dritten und letzten großen Teil des Buches geht es um die Details des Ortes, an dem Gott von den Israeliten verehrt werden will: das »Zelt der Begegnung« (25–40). Die Anweisungen zum Bau (25–31) bilden mit der Beschreibung der genauen Ausführung dieser Anweisungen (35–40) einen Rahmen. Darin eingebettet ist die Geschichte vom ersten Widerstand der Israeliten gegen Gott, die Erzählung vom »goldenen Kalb« (32–34).



Der Ausgangspunkt der Erzählungen des Buches liegt in Ägypten. Das vorhergehende 1. Buch Mose/Genesis erzählt in seinem letzten Teil, wie die Vorfahren der Israeliten nach Ägypten kamen. Das 2. Buch Mose/Exodus beginnt mit der Mitteilung, dass sich die Haltung der Ägypter gegenüber den Israeliten geändert hat: Jetzt werden die Israeliten von den Ägyptern unterdrückt (1,8-14). In dieser Situation der Not beruft Gott Mose als Retter. Gott erscheint Mose im »brennenden Dornbusch« (3,1-10), offenbart ihm seinen Namen (3,11-14) und gibt ihm den Auftrag, die Israeliten zu befreien (3,15-22).



Die eigentliche Rettung der Israeliten aus Ägypten erfolgt in zwei Schritten: Der erste sind die »Plagen«. Gott schickt sie den Ägyptern, um sie dazu zu bringen, die Israeliten freizulassen. Dabei treten Mose und sein Bruder Aaron als Vermittler auf zwischen Gott und dem Pharao, dem König von Ägypten (6,29–7,7). Aus Dankbarkeit dafür, dass Gott die Ägypter bekämpft und die Israeliten verschont, feiern die Israeliten das erste Passafest. Die Anweisungen für das Fest kommen von Gott selbst (12,1-14). Wegen der großen Bedeutung des »Auszugs aus Ägypten« und der damit verbundenen Ereignisse wird dieses Fest im Judentum bis heute gefeiert. Der zweite Schritt der Befreiung besteht im »Zug durch das Schilfmeer«. Die Rettung vor der Verfolgung durch die Ägypter (13,17–15,21) ist der Höhepunkt dieses Geschehens. Das wird durch zwei »Siegeslieder« unterstrichen (15,1-19 und 15,20-21).



Das Verhältnis zwischen Gott und den Israeliten, das in den Erzählungen von Mose und der Rettung Israels zum Ausdruck kommt, bildet die Grundlage für die weitere Darstellung der Geschichte Israels. Wie schon bei Noah in 1. Mose/Genesis 9,1-17 geht es um einen »Bund«, den Gott mit den Menschen eingeht. Im 2. Buch Mose/Exodus erscheint er als Bündnis zwischen ungleichen Partnern: Gottes Handeln ist zunächst unverdiente Zuwendung zum Menschen, es ist seine »Gnade« (14,13-14). Eine angemessene Reaktion des Menschen darauf muss erst gefunden werden. Dabei wird Mose auf zweifache Weise zum Mittler: Seine Lebensgeschichte verbindet die Teile des 2. Buch Mose/Exodus miteinander und er selbst vermittelt zwischen den Israeliten und Gott. Gott diktiert Mose seine »Gesetze und Gebote«, allen voran die Zehn Gebote (2. Mose/Exodus 20,1-17). Diese Gebote formulieren, wie Menschen angemessen auf die Zuwendung Gottes reagieren können. Das gilt auch für das »Bundesbuch«, eine Gesetzessammlung, die nach dem »Bund« zwischen Gott und den Israeliten benannt ist. Genauso gilt es für die detaillierten Angaben zum »Zelt der Begegnung«: Gott selbst gibt den Rahmen dafür vor, wie Menschen ihm begegnen können. Das 2. Buch Mose/Exodus erzählt aber auch davon, wie die Israeliten gegen die Vorgaben Gottes verstoßen. Sie machen sich das »goldene Kalb« (32,1-6). Nur dem außerordentlichen Einsatz von Mose ist es zu verdanken, dass Gott sich nicht von den Israeliten abwendet (32,11-14). Vielmehr wird der »Bund«, die Zusage von Schutz und Zuwendung, von Gott nochmals ausdrücklich bestätigt (34,1-10).



Das 2. Buch Mose/Exodus ist nur ein Ausschnitt aus dem großen Zusammenhang der geschichtlichen Bücher. Ebenso wie für das 1. Buch Mose/Genesis gilt, dass sich kaum etwas Genaues zur Entstehung sagen lässt. Sicher ist nur, dass Erzählungen, Geschichten und Vorstellungen aus verschiedenen Quellen zusammengestellt wurden.



Das Ziel des »Auszugs aus Ägypten« ist das Land, das Gott bereits Abraham und Sara versprochen hat (1. Mose/Genesis 12,1-9). Die Frage, wie das Verhältnis zu Gott von menschlicher Seite gestaltet werden soll, wird in den nachfolgenden Büchern weiter ausgeführt. Der »Auszug aus Ägypten« als grundlegende Glaubenserfahrung Israels wird in fast allen Büchern der Bibel immer wieder aufgegriffen, bis hinein ins Neue Testament (1. Korinther 10,1-5).

 

(BasisBibel. Altes und Neues Testament, ​© 2021 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

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