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Einführung: Das fünfte Buch Mose/Deuteronomium

Das 5. Buch Mose/Deuteronomium wird in den einleitenden Versen als Sammlung von Reden bezeichnet, die Mose vor den Israeliten gehalten hat (1,1-5). Die Israeliten sind auf ihrem Weg durch die Wüste an der Grenze zum versprochenen Land angekommen. Aber Mose darf das Land nicht betreten, das Ende des Buches berichtet von seinem Tod. Am letzten Tag seines Lebens hält Mose seine »Abschiedsreden«. Weil Mose darin die Gesetze und Gebote aus den ersten vier Büchern der Bibel wiederholt, heißt das Buch »zweites Gesetz«. Das ist die Bedeutung des ursprünglich griechischen Wortes »Deuteronomium«. Das Buch soll zusammen mit den Tafeln, auf denen die Zehn Gebote stehen, in die Bundeslade gelegt werden (31,24-29). 



Das 5. Buch Mose/Deuteronomium hat drei Teile: die einleitenden Reden des Mose (1–11), eine Gesetzessammlung (das »deuteronomische Gesetz«, 12–26) und abschließende Reden von Mose (27–34). Das letzte Kapitel enthält die einzige Erzählung des Buches, die vom Tod des Mose berichtet. 



Die Wiederholung der Gesetze und Gebote lässt sich gut an den Zehn Geboten erkennen (5. Mose/Deuteronomium 5,1-21 wiederholt mit Abweichungen 2. Mose/Exodus 20,1-17). Mose fasst in den einleitenden Reden aber auch die Geschichte der Israeliten zusammen, soweit sie bis dahin erzählt ist (beispielsweise 1,19-25). Die Gesetzessammlung liefert ausführliche Begründungen für die verschiedenen Regeln (beispielsweise 24,14-15). Die Sprache der Reden und die ausführlichen Begründungen in den Gesetzestexten erinnern ein wenig an Predigten wie in der Kirche. Das zeigt sich auch darin, dass Mose das Volk oft mit »du« anspricht. Die zentrale Botschaft lautet: Nur der eine Gott Israels darf verehrt werden. Und nur an einem einzigen, von Gott selbst bestimmten Ort darf Gottesdienst gefeiert werden, und zwar auf eine ganz bestimmte Art. Der »Bund« zwischen Gott und den Israeliten, von dem auch in den ersten vier Büchern der Bibel die Rede ist, erhält im 5. Buch Mose/Deuteronomium einen neuen Akzent: Er ist nicht mehr nur einseitig eine Zusage Gottes, sondern eine gegenseitige Verpflichtung. Gott erwartet von den Israeliten Gehorsam als Antwort auf seine Versprechen (oder Verheißungen). Die Israeliten müssen Gottes Gesetze und Gebote halten, sonst droht ihnen Strafe. Gott kann ihnen seine Zuwendung, seine »Gnade«, auch entziehen (7,6-10). Damit verbindet sich die Vorstellung, dass nicht nur der Einzelne von bösen Taten eingeholt werden kann. Das ganze Volk muss die Verantwortung übernehmen, wenn es sich nicht an die Gebote Gottes hält. Die Folge von Gehorsam ist »Segen«, die Folge von Ungehorsam ist »Fluch«. Die Kapitel 27,1–28,68 führen genau aus, was damit gemeint ist. 



In diesen Zusammenhang gehören zwei Texte, die die enge Verbindung der Israeliten mit Gott ausdrücken und sie an die Gebote erinnern sollen: das später für das Judentum zentrale Gebet »Höre, Israel« (Schma Jisrael, 6,4-9) und das Bekenntnis in 5. Mose/Deuteronomium 26,5-10. Dieses Bekenntnis ist so gestaltet, dass die Israeliten sich in die Geschichte ihrer Vorfahren mit Gott hineinversetzen sollen. Die Hauptlinien des Buches fasst schließlich das »Lied des Mose« zusammen, das in poetischer Form gestaltet ist (32,1-43). 



Die im 5. Buch Mose/Deuteronomium beschriebene Beziehung zwischen Gott und den Israeliten ist der Maßstab, mit dem in den folgenden Büchern das Verhalten der Israeliten bewertet wird. Die Bücher Josua bis 2. Könige erzählen die Geschichte von der Eroberung des versprochenen Landes bis zur Verbannung nach Babylonien. Die gesamte Darstellung ist geprägt von der Erfahrung, dass das Volk Israel sich nicht an die Gebote Gottes hält. Die Verbannung ist deshalb als Gottes Strafe dafür zu verstehen. Besonders deutlich wird das in der Geschichte von König Joschija, die im zweiten Buch der Könige erzählt wird (2. Könige 22,1–23,30): Während der Herrschaft des Joschija wird ein »Gesetzbuch« gefunden, das vermutlich eine frühe Fassung des 5. Buch Mose/Deuteronomium war. König Joschija versucht, die darin enthaltenen Vorschriften einzuhalten. Aber schon seine Nachfolger als Könige von Juda verstoßen wieder dagegen. Die Verbannung nach Babylonien kann deshalb nicht mehr abgewendet werden. 



Die ältesten Teile des Buches könnten auf die Zeit von Joschija zurückgehen, der das Königreich Juda 640–609 v. Chr. regierte. Die Art der Darstellung und manche Inhalte des Buches weisen aber darauf hin, dass der Text, so wie er heute vorliegt, deutlich jünger ist: Der Text selbst bezeichnet sich als »Wiederholung« der Gebote, die Gott am Sinai verkündet hat (4,11-15; der Berg Sinai heißt im 5. Buch Mose/Deuteronomium »Horeb«). 



Die grundlegenden Gedanken aus der Gesetzessammlung im 5. Buch Mose/Deuteronomium sind an vielen Stellen in der Bibel aufgenommen worden. Im Alten Testament schärft beispielsweise der Prophet Jeremia den Israeliten ein, die Gebote aus dem 5. Buch Mose/Deuteronomium zu befolgen (Jeremia 11,1-5). Im Neuen Testament greift die Szene, in der Jesus auf die Probe gestellt wird (Matthäus 4,1-11), gleich mehrere Gedanken aus dem 5. Buch Mose/Deuteronomium auf und führt sie weiter.


 


(BasisBibel. Altes und Neues Testament, ​© 2021 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

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