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Einführung: Das Buch Obadja

Das kürzeste Buch des Alten Testaments umfasst nur 21 Verse. Die Überschrift »Vision des Obadja« (1) weist auf einen Propheten hin. Doch über Person, Herkunft und Zeit ist nichts weiter bekannt. Thema des Prophetenbuchs ist das Gericht über das Nachbarvolk Edom, dessen Siedlungsgebiet südlich des Toten Meeres liegt. Dabei stehen die bitteren Erfahrungen bei der Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier 586 v. Chr. im Hintergrund. Damals waren die Edomiter ihrem Brudervolk Israel nicht zu Hilfe gekommen. Sie hatten es im Stich gelassen, sich über den Untergang der Stadt Jerusalem gefreut und vielleicht sogar an deren Plünderung teilgenommen. Das Buch schildert die Ereignisse aus einer späteren Sicht. Wann genau es entstanden ist, lässt sich nicht sicher sagen. 



Der Inhalt gliedert sich in zwei Abschnitte: Der erste Teil (1-15) verkündet Edom den Untergang und begründet ihn mit dem feindlichen Verhalten der Edomiter bei der Eroberung Jerusalems. Der zweite Teil (16-21) erweitert das Gericht über Edom zu einem Völkergericht. Damit verbunden ist die Erwartung einer heilvollen Zukunft für das Volk Israel und die Gottesstadt Zion. Den Schluss bildet ein Nachtrag (19-21). Er stellt in Aussicht, dass das Gottesvolk zusammen mit denen, die damals nach Assyrien und Babylonien verschleppt wurden, das Land erneut in Besitz nehmen darf. 



Mit dem Nachbarvolk Edom greift Obadja ein Thema auf, das bereits in der Jakob-Esau-Erzählung entfaltet wird (1. Mose/Genesis 27–33). Dort wird die Beziehung zwischen Israel (Stammvater Jakob) und Edom (Stammvater Esau) als ein Verhältnis von Brüdern beschrieben. Obadja kennt diese Geschichte und hält daran fest, dass Edom als das Brudervolk Israels zu betrachten ist. Vor diesem Hintergrund erklärt sich wahrscheinlich auch die Schärfe des Tons, mit dem Edom für sein feindliches Verhalten zur Rechenschaft gezogen wird. Eine Aussöhnung wie bei Jakob und Esau ist nicht mehr im Blick. 



Das Buch Obadja ist durch bereits vorliegende Prophetenworte geprägt. Es benutzt das Gerichtswort über Edom in Jeremia 49,7-22 als Vorlage. Man könnte das Buch sogar als eine in seiner Zeit aktuelle Predigt über den Edom-Text im Jeremiabuch lesen. Dabei geht es Obadja im Wesentlichen um die Macht Gottes, der seine Gerechtigkeit in der Geschichte durchsetzen und Zion retten wird (16-18). Dem ist der Hass gegen die Edomiter untergeordnet, der in dem Buch zum Ausdruck kommt. Deshalb geht ihre Bestrafung auch nicht über das hinaus, was sie anderen angetan haben (15, vgl. Joel 4,19-21).

 

(BasisBibel. Altes und Neues Testament, ​© 2021 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

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