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Einführung: Das Buch Nehemia

Das Buch Nehemia bildete ursprünglich eine Einheit mit dem Buch Esra. Es ist nach Nehemia benannt, der ein hoher Beamter am Hof des Königs Artaxerxes I. von Persien (464–424 v. Chr.) war. Artaxerxes schickt Nehemia als »Statthalter«, das heißt als seinen Vertreter, nach Jerusalem. Nehemia hat dieses Amt von 445 bis 433 v. Chr. inne. 



Die Gliederung des Buches Nehemia entspricht der des Buches Esra. Auch das Buch Nehemia hat vier Teile: Der erste Teil (1–2) erzählt von Nehemias Reise nach Jerusalem. Der zweite Teil (3–7) enthält einen Bericht vom Wiederaufbau der Stadtmauer. Der dritte Teil (8–10), in dem auch der Schriftgelehrte Esra wieder auftritt, beschreibt die Verpflichtung des Volkes auf das Gesetz Gottes. Im vierten und letzten Teil (11–13) geht es um die Einweihung der wieder aufgebauten Stadtmauer und politische Reformen. 



Das Buch Nehemia lässt gut die zwei Seiten des Wiederaufbaus in Jerusalem erkennen. Äußerlich werden der Tempel (Buch Esra) und die Mauern der Stadt Jerusalem wieder errichtet. Wichtiger ist aber ein »innerer Wiederaufbau« mit dem Gottesdienst im Tempel und politischen Maßnahmen wie der Auflösung von Ehen, die Juden mit Andersgläubigen geschlossen haben. Alles läuft darauf hinaus, dass die Juden sich verpflichtet fühlen, das Wort Gottes zu achten. Nehemia 8–10 beschreibt, wie der Schriftgelehrte Esra den Juden aus dem »Gesetzbuch des Mose« vorliest. Damit sind die Gebote und Gesetze Gottes gemeint, wie sie in den fünf Büchern Mose aufgeschrieben sind. Die Menschen, die aus dem Exil zurückgekehrt sind, fühlen sich für ihr Schicksal in der ursprünglichen Heimat verantwortlich (Esra 9; Nehemia 9) und verpflichten sich, es besser zu machen als die früheren Generationen (Nehemia 10). So entsteht ein Gesamtbild von der Zeit der Rückkehr und des Wiederaufbaus. Durch den Gottesdienst am Tempel in Jerusalem sehen sich die Juden mit ihren Vorfahren verbunden. Dadurch entsteht schließlich die Vorstellung einer Geschichte, die von der Schöpfung bis zur Gegenwart reicht. 



Ob der Schriftgelehrte Esra tatsächlich vor, mit oder nach Nehemia in Jerusalem wirkte, kann nicht sicher festgestellt werden. Auch die Frage, von welchen persischen Königen im Buch Nehemia die Rede ist, ist nicht abschließend zu beantworten. Sicher ist nur der Bezug auf Kyros II. (558–530 v. Chr., beispielsweise in Esra 1,1-3) und Artaxerxes I. (464–424 v. Chr., beispielsweise in Nehemia 1,1). Zusammengenommen schildern die Bücher Esra und Nehemia Ereignisse aus den Jahren 539–433 v. Chr. Aufgeschrieben wurden sie aber erst viel später.

 

(BasisBibel. Altes und Neues Testament, ​© 2021 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

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