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Einführung: Das Buch Maleachi

Das Buch Maleachi beginnt mit den Worten »eine prophetische Botschaft« und gibt sich damit als Fortsetzung des Sacharjabuches zu erkennen. Es enthält die Botschaft eines unbekannten Propheten, dem der Name Maleachi beigelegt wird. Der Name ist Programm und bedeutet »mein Bote« oder »Bote des HERRN«. Der Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem, mit dem die Erwartungen der Propheten Haggai und Sacharja verbunden waren, liegt schon länger zurück. Damit lässt sich Maleachi in die Zeit einordnen, in der Nehemia und Esra tätig waren (etwa 450–400 v. Chr.). Inhaltlich befasst sich das Buch mit sozialen und religiösen Konflikten seiner Zeit, die in einer Vernachlässigung der Opfer (1,6–2,9) und in der Missachtung Gottes (3,6-12) zum Ausdruck kommen. 



Das Prophetenbuch besteht aus sechs Redeeinheiten, die als »Diskussionsworte« bezeichnet werden. Sie sind gleich aufgebaut: Am Anfang steht eine Feststellung, die an eine bestimmte Gruppe gerichtet ist und diese zu einer Antwort herausfordert. Es folgt ein Einspruch der jeweiligen Diskussionspartner. Der Einspruch wird durch den Propheten oder Gott zurückgewiesen und die Feststellung vom Anfang weiter entfaltet. Am Schluss steht eine Folgerung, die auf das Gericht oder eine heilvolle Zukunft hinweist. 



Die Diskussionsworte haben unterschiedliche Adressaten und Themen: Das erste Diskussionswort wendet sich an Israel und beginnt mit der grundsätzlichen Feststellung der Liebe Gottes zu Israel, die von den Gesprächspartnern hinterfragt wird (1,2-5). Die weiteren Diskussionsworte befassen sich mit der Pflichtverletzung der Priester (1,6–2,9), mit Ehescheidung und Heirat von nicht-israelitischen Frauen (2,10-16), mit sozialen Missständen (2,17–3,5) und mit dem Zweifel an Gottes Treue und Gerechtigkeit (3,6-12). Das letzte Diskussionswort setzt einen besonderen Schlusspunkt. Es knüpft an die Vorstellung vom »Tag des HERRN« an (3,1-5) und deutet ihn als Gerichtstag, an dem in Israel die Frevler vernichtet werden. Die Frommen aber werden unter der »Sonne der Gerechtigkeit« leben (3,19-21). 



Der nachträglich verfasste Buchschluss (3,22-24) mahnt zur Einhaltung der Weisung von Mose (vgl. Josua 1,7) und verheißt die Wiederkunft des Propheten Elija. Wenn er kurze Zeit vor dem »Tag des HERRN« wiederkommt, wird er die Familien miteinander versöhnen und so vor dem Gericht retten. Das Neue Testament bezieht den in 3,1 erwähnten Boten auf Johannes den Täufer (Matthäus 11,10). Auch die in 3,19 enthaltene Gerichtsaussage klingt in der Botschaft von Johannes dem Täufer an (Lukas 3,9).

 

(BasisBibel. Altes und Neues Testament, ​© 2021 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

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