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Einführung: Das Buch Joel

Über das Leben des Propheten Joel, der in Jerusalem gewirkt hat, ist nichts bekannt. Das Buch, das seinen Namen trägt, ist im Zeitraum von 400 bis 300 v. Chr. entstanden. Juda ist eine persische Provinz. Das jüdische Gemeinwesen wird nicht mehr von einem König, sondern von den Ältesten und Priestern geführt (1,2; 1,13-14; 2,16-17). Speiseopfer und Trankopfer kennzeichnen den täglichen Gottesdienst (1,9; 1,13; 2,14). Anders als die älteren Prophetenbücher bietet das Joelbuch keine Zusammenstellung von Einzelworten, sondern entfaltet mit dem »Tag des HERRN« ein einziges Thema. 



Das Buch beginnt in seinem ersten Teil (1–2) mit dem Rückblick auf eine wirtschaftliche Notsituation, die durch einen furchtbaren Heuschreckeneinfall und eine quälende Dürre verursacht worden ist (1,4-12). Diese Erfahrungen werden mit der Vorstellung eines letzten Gerichts verbunden, das noch bevorsteht (1,15; 2,1-11). In seiner Botschaft zeigt der Prophet dem Volk Gottes einen Weg, wie es gerettet werden kann: Durch Fasten und Beten (1,13-15) sowie durch Umkehr und Reue (2,12-14) lässt Gott sich dazu bewegen, Israel vor dem Schrecken des letzten Gerichts zu bewahren. Am Ende steht die Zusage Gottes, dass er die gegenwärtige Not wenden wird (2,18-27). Der zweite Teil (3–4) lenkt den Blick in eine fernere Zukunft, in der Gott die gesamte Völkerwelt zur Rechenschaft ziehen wird. Im Bild eines letzten Ansturms der Völker gegen Jerusalem wird der »Tag des HERRN« geschildert. Gott wird ihnen im Tal Joschafat entgegentreten und sein endgültiges Urteil vollstrecken (4,9-12). Durch die Ausgießung von Gottes Geist wird Israel auf das letzte Gericht vorbereitet. Es kennt die bevorstehenden Ereignisse durch Prophetien und Visionen, den Gerichtstermin durch kosmische Vorzeichen (3,1-5). 



Das Buch enthält viele Anspielungen auf Texte aus älteren Prophetenbüchern. Sie werden aufeinander bezogen und aktualisiert. Besonders eng sind die Beziehungen zum Amosbuch, in dem Joels Thema vom »Tag des HERRN« bereits vorgegeben ist (Amos 5,18-20). Auch die beiden Visionen von den Heuschrecken (Amos 7,1-3) und von der Gluthitze (Amos 7,4-6) werden herangezogen und bilden den Hintergrund für die Notschilderung in Joel 1,4-12. 



Das Joelbuch ist in der Bibel bewusst zwischen Hosea und Amos eingeordnet worden. Es verbindet den Umkehrruf am Ende des Hoseabuchs (vgl. Hosea 14,2-4 mit Joel 2,12-14) mit der Botschaft am Anfang des Amosbuchs (vgl. Amos 1,2 mit Joel 4,16). Im Neuen Testament sieht die Apostelgeschichte in 2,14-21 die Ankündigung der Ausgießung des Heiligen Geistes aus Joel 3,1-2 im Pfingstgeschehen erfüllt.


 


(BasisBibel. Altes und Neues Testament, ​© 2021 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

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