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Einführung: Das Buch Haggai

Das Buch Haggai bildet zusammen mit den folgenden Prophetenbüchern Sacharja und Maleachi den Abschluss des Zwölfprophetenbuchs. Es bezieht sich auf den Neubeginn Israels am Ende der Exilszeit, nach der Rückkehr aus der Verbannung nach Babylonien. Sein Thema ist der Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem. Bereits 539 v. Chr. hatte der Perserkönig Kyros II. durch einen Erlass den Wiederaufbau verfügt, doch seitdem war nichts geschehen. In dieser Lage tritt der Prophet Haggai auf, der zusammen mit Sacharja auch in Esra 5,1 und 6,14 erwähnt wird. Durch die Datierungen (1,1; 2,1; 2,10; 2,20) lässt sich seine Wirkungszeit genau angeben: Die vier Auftritte des Propheten fallen in die Zeit vom 29. August bis 18. Dezember 520 v. Chr. Es ist kein Zufall, dass die Datumsangaben im folgenden Sacharjabuch weitergeführt werden (Sacharja 1,1; 1,7; 7,1). Offenbar sollen die dort geschilderten Visionen als Fortsetzung gelesen werden und die von Haggai angekündigte Wende (2,20-23) vor Augen führen. 



Das Buch gliedert sich in zwei Teile, die jeweils den Empfang zweier Gottesworte schildern: Im ersten Teil (1,1–2,9) setzt sich Haggai mit Widerständen im Volk auseinander. Das Volk befindet sich in einer wirtschaftlich schwierigen Lage (1,6) und will aus diesem Grund nicht mit dem Wiederaufbau des Tempels beginnen. Für Haggai sind jedoch Frieden und Wohlstand an den Tempel gebunden, sodass dessen Wiederherstellung keinen Aufschub duldet. Darum spricht er dem Volk Mut zu (2,4) und stellt ihm und dem Tempel eine herrliche Zukunft und die Anerkennung durch die Völker in Aussicht. Auch im zweiten Teil (2,10-23) geht es um Verzögerungen beim Tempelbau. Eine Besserung der wirtschaftlichen Lage wird aber erst eintreten, wenn der Grundstein für den Tempel gelegt ist. Dabei deutet Haggai die Grundsteinlegung als das Ende der »Unreinheit des Volkes« (2,10-19). Denn das Volk braucht den Tempel, weil es sonst keine vollgültigen Opfer darbringen kann. Damit wird die Grundsteinlegung zum Wendepunkt: Von diesem Tag an kehrt der Segen Gottes zu seinem Volk zurück (2,19). Den Abschluss des Haggaibuches bildet eine Weissagung an den Statthalter Serubbabel, der wie König David mit »mein Knecht« angeredet wird. Er ist ein Enkel des Königs Jojachin (1. Chronik 3,17-19) und damit ein Nachkomme aus dem Haus David. Gott erklärt nun Serubbabel zu seinem »Siegelring« (vgl. Jeremia 22,24) und macht ihn so zu seinem Stellvertreter als Friedenskönig der Welt. Die bereits in 2,6 angekündigten kosmischen Erschütterungen verweisen dabei auf den Beginn der Königsherrschaft Gottes (vgl. Sacharja 9,9-11).

 

(BasisBibel. Altes und Neues Testament, ​© 2021 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

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