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Einführung: Das Buch Esra

Die Bücher Esra und Nehemia waren ursprünglich ein zusammenhängendes Buch. Erst der Gelehrte Hieronymus, der um 400 n. Chr. die Bibel ins Lateinische übersetzt, trennt die Bücher. Er zählt sie noch als »1. Buch Esra« und »2. Buch Esra«. Spätere Übersetzungen benennen den »zweiten Band« dann nach seiner Hauptfigur Nehemia. Esra, der als »Schriftgelehrter« bezeichnet wird (Esra 7,6), kommt in beiden Büchern vor. Schon das ursprüngliche Buch ist eine Zusammensetzung aus einzelnen Erzählungen. Auffällig sind dabei aramäisch überlieferte Textabschnitte (Esra 4,8–6,18 und 7,12-26). 



Das Buch Esra hat vier Teile: Der erste Teil (1–2) berichtet von den ersten Juden, die aus Babylonien zurückkehren, wo sie im Exil lebten. Der zweite Teil (3–6) beschreibt den Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem. In beiden Teilen ist Serubbabel die Hauptfigur, ein Vertreter des Königs von Persien in Jerusalem. Ab dem dritten Teil (7–8) ist Esra die Hauptperson. Der dritte Teil erzählt, wie Esra nach Jerusalem kommt. Im vierten Teil (9–10) geht es um ein bestimmtes politisches Problem: die Heirat von Juden mit Andersgläubigen. Von Esra handeln außerdem die Kapitel Nehemia 8–10. 



Als Schriftgelehrter hat Esra die Aufgabe, die heiligen Texte auszulegen. Esra führt aber auch eine Gruppe von Rückkehrern aus dem Exil in die Heimat. In Jerusalem angekommen, ist er verantwortlich für die Wiederherstellung des Gottesdienstes im Tempel und die Einhaltung der Gebote Gottes. Die Stadt war 586 v. Chr. vom babylonischen König Nebukadnezzar II. (605–562 v. Chr.) zerstört worden. Nebukadnezzar hatte damals auch Bewohner des Königreichs Juda und der Stadt Jerusalem nach Babylonien verschleppen lassen. Besonders wichtig beim Wiederaufbau Jerusalems sind der Tempel und der Gottesdienst. Weil die Israeliten kein Königreich mehr hatten, ändert sich der Schwerpunkt der biblischen Texte: Die Israeliten sind jetzt vor allem eine religiöse Gemeinschaft und werden »Juden« genannt. Der Name leitet sich von dem früheren Königreich Juda ab. Nun wird zur Wahrung der eigenen Identität auch die religiöse Abgrenzung wichtig. Dabei stellt sich das Problem der »Mischehen«, das heißt der Heirat von Juden mit Andersgläubigen (Esra 9–10; Nehemia 13,1-29). Der Wiederaufbau des Tempels wird in die Zeit von 520 bis 515 v. Chr. datiert. Das Buch selbst ist jedoch erst viel später entstanden. 



Seine Themen verbinden das Buch Esra mit den Büchern 1. und 2. Chronik und den Büchern der Propheten Haggai und Sacharja. Der Anfang des Buches (Esra 1,1-3) wiederholt wörtlich den Schluss des 2. Buches der Chronik (2. Chronik 36,22-23).

 

(BasisBibel. Altes und Neues Testament, ​© 2021 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

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