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Einführung: Das Buch Amos

Der Prophet Amos stammt aus Tekoa, einem kleinen Ort in der Nähe von Jerusalem. Er lebt als Schafzüchter im Südreich Juda, bis Gott ihn als Prophet in das Nordreich Israel schickt. Dort soll er in der Hauptstadt Samaria das Gericht über König und Volk ankündigen. Seine Botschaft richtet sich vor allem gegen die Oberschicht, die sich durch Bestechung und Gewalt am wirtschaftlichen Aufschwung bereichert (3,9-11; 4,1-3; 5,10-12). Amos kritisiert aber auch die Gottesdienste, die trotz böser Taten für ein gutes Gewissen sorgen sollen (4,4-6; 5,21-24). Amos wirkte zwischen 760 und 750 v. Chr. Das Buch enthält auch einen kurzen Bericht über den Propheten (7,10-17), der seine Auseinandersetzung mit den religiösen Autoritäten des Landes schildert. Demnach verhängte der Priester von Bet-El, dem wichtigsten Heiligtum im Nordreich, ein Redeverbot gegen Amos und forderte ihn auf, Israel zu verlassen. 



Das Buch Amos ist kunstvoll in drei Abschnitte gegliedert: In seinem ersten Teil (1–2) steht ein Gedicht über Gottes Gericht an den Völkern. Es besteht ursprünglich aus fünf Gerichtsworten, die sich gegen die Aramäer, Philister, Ammoniter, Moabiter und Israel richten. Später wurden Sprüche gegen Tyros, Edom und Juda ergänzt. Dieser Fünfergruppe des Völkergedichts entspricht im dritten Teil (7–9) ein Zyklus von fünf Visionen. Den Mittelteil (3–6) bildet eine Sammlung von Worten des Amos, die den Anstoß zur Entstehung des Prophetenbuches gegeben haben. Mit 1,1 ist dem Buch eine Überschrift und mit 1,2 ein Motto vorangestellt. Den Abschluss bildet die Ankündigung einer heilvollen Zukunft (9,7-15). Sie formuliert aus späterer Sicht, dass das Gericht nicht Gottes letztes Wort ist. 



Besonders eindrücklich ist die Kompromisslosigkeit, mit der Amos seine Gerichtsbotschaft verkündet. Er kann sie sogar in der Form einer Totenklage vortragen (5,1-17), weil damit die Möglichkeit einer Umkehr des Volkes ausgeschlossen und der Untergang Israels unausweichlich ist. Dieser Gedanke wird durch den Spannungsbogen der fünf Visionen unterstrichen. Bei den ersten beiden Visionen (7,1-3 und 7,4-6) kann das Unheil durch die Fürbitte des Propheten noch abgewendet werden. Doch das zweite Visionspaar (7,7-9 und 8,1-3) zeigt, dass Gott sein Volk Israel nicht auf Dauer verschonen wird. Die abschließende fünfte Vision (9,1-4) beschreibt den Einsturz des Tempels von Bet-El und schildert das ganze Ausmaß der Katastrophe. 



Im Neuen Testament wird in der Rede des Stephanus (Apostelgeschichte 7,42-43) eine Gerichtsankündigung von Amos zitiert (5,25-27).


 


(BasisBibel. Altes und Neues Testament, ​© 2021 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

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