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  • STÜCKE ZUM BUCH DANIEL
  • StzuDan 1

Die Geschichte von Susanna und Daniel

11Es war ein Mann in Babylon mit Namen Jojakim;

2der hatte eine Frau, die hieß Susanna, eine Tochter Hilkijas; die war sehr schön und dazu gottesfürchtig.

3Denn sie hatte fromme Eltern, die sie nach dem Gesetz des Mose unterwiesen hatten.

4Und Jojakim war sehr reich und hatte einen schönen Garten an seinem Hause. Und die Juden kamen stets bei ihm zusammen, weil er der Angesehenste von allen war.

5Es wurden aber im selben Jahr zwei Älteste aus dem Volk als Richter bestellt; das waren solche Leute, von denen der Herr gesagt hatte: Bosheit ging aus von Babylon von den Ältesten und Richtern. In ihnen sah man die Führer des Volks.

6Die kamen täglich zu Jojakim; und wer eine Streitsache hatte, musste dorthin vor sie kommen.

7Und wenn das Volk mittags weggegangen war, pflegte Susanna sich im Garten ihres Mannes zu ergehen.

8Und als die beiden Ältesten sie täglich darin umhergehen sahen, entbrannten sie in Begierde nach ihr

9und wurden darüber zu Narren und warfen die Augen so sehr auf sie, dass sie nicht mehr zum Himmel aufsehen konnten und nicht mehr an gerechte Urteile dachten.

10Sie waren beide zugleich für sie entbrannt, verrieten jedoch einander ihre Leidenschaft nicht

11und schämten sich, einander ihre Begierde zu verraten; denn jeder hätte sich gern zu ihr gelegt.

12Und sie warteten täglich gespannt auf sie, um sie nur sehen zu können.

13Es sprach aber einer zum andern: Komm, lass uns heimgehen! Denn es ist nun Essenszeit. Und sie gingen hinaus und trennten sich.

14Danach kehrte jeder wieder um und sie kamen an derselben Stelle wieder zusammen. Als nun einer den andern nach dem Grund fragte, bekannten sie beide ihre Begierde. Danach kamen sie miteinander überein, darauf zu warten, wann sie die Frau allein finden könnten.

15Und als sie auf einen günstigen Tag lauerten, kam Susanna nur mit zwei Mägden, wie es ihre Gewohnheit war, in den Garten, um zu baden; denn es war sehr heiß.

16Und es war kein Mensch im Garten außer den beiden Ältesten, die sich heimlich versteckt hatten und auf sie lauerten.

17Und sie sagte zu ihren Mägden: Holt mir Öl und Salben und schließt den Garten zu, damit ich baden kann!

18Und die Mägde taten, wie sie befohlen hatte, und schlossen den Garten zu und gingen zur hinteren Tür hinaus, um ihr zu bringen, was sie haben wollte; aber sie sahen die Ältesten nicht, denn die hatten sich versteckt.

19Als nun die Mägde hinausgegangen waren, kamen die beiden Ältesten hervor, liefen zu ihr und sagten:

20Siehe, der Garten ist zugeschlossen und niemand sieht uns, und wir sind in Liebe zu dir entbrannt; darum sei uns zu Willen!

21Willst du aber nicht, so werden wir dich beschuldigen, dass wir einen jungen Mann allein bei dir gefunden haben und dass du deine Mägde deshalb hinausgeschickt hast.

22Da seufzte Susanna und sagte: In wie großer Bedrängnis bin ich! Denn wenn ich das tue, so bin ich des Todes; tu ich's aber nicht, so komme ich nicht aus euren Händen.

23Doch ich will lieber unschuldig in eure Hände fallen als gegen den Herrn sündigen.

24Und Susanna fing an, laut zu schreien; aber die Ältesten schrien gegen sie an.

25Und der eine lief hin zu der Tür des Gartens und öffnete sie.

26Als nun die Leute im Haus das Geschrei im Garten hörten, liefen sie durch die hintere Tür herbei, um zu sehen, was ihr widerfahren wäre.

27Und als die Ältesten anfingen, gegen sie auszusagen, schämten sich die Diener ihretwegen sehr; denn so etwas war bisher nie über Susanna gesagt worden.

28Und am andern Tag, als das Volk im Hause Jojakims, ihres Mannes, zusammenkam, da kamen auch die beiden Ältesten in der schändlichen Absicht, Susanna dem Tod zu überliefern;

29und sie sagten vor allem Volk: Schickt hin und lasst Susanna, die Tochter Hilkijas, Jojakims Frau, herholen! Da schickten sie hin.

30Und sie kam mit ihren Eltern und Kindern und ihrer ganzen Verwandtschaft.

31Sie aber war sehr schön von Gestalt und Angesicht;

32darum ließen die Bösewichte ihr den Schleier wegreißen, mit dem sie verhüllt war, um sich an ihrer Schönheit zu ergötzen.

33Und alle, die bei ihr standen und sie sahen, weinten um sie.

34Und die beiden Ältesten traten auf mitten unter dem Volk und legten die Hände auf ihr Haupt.

35Sie aber weinte und hob die Augen auf zum Himmel; denn ihr Herz vertraute auf den Herrn.

36Und die Ältesten fingen an und sagten: Als wir beide allein im Garten umhergingen, kam sie hinein mit zwei Mägden und schloss den Garten zu und schickte die Mägde fort.

37Da kam ein junger Mann zu ihr, der sich versteckt hatte, und legte sich zu ihr.

38Als wir aber in einem Winkel im Garten solche Schande sahen, liefen wir eilends hinzu und fanden sie beieinander.

39Aber den jungen Mann konnten wir nicht überwältigen; denn er war uns zu stark und stieß die Tür auf und sprang davon.

40Sie aber ergriffen wir und fragten, wer der junge Mann wäre. Aber sie wollte es uns nicht sagen. Das bezeugen wir.

41Und das Volk glaubte den beiden als Ältesten und Richtern im Volk, und man verurteilte Susanna zum Tode.

42Sie aber schrie mit lauter Stimme: Herr, ewiger Gott, der du alle Heimlichkeiten kennst und alle Dinge zuvor weißt, ehe sie geschehen,

43du weißt, dass diese mich zu Unrecht beschuldigt haben. Und nun siehe, ich muss sterben, obwohl ich doch nicht begangen habe, was sie so bösartig gegen mich zusammengelogen haben.

44Und Gott erhörte ihr Rufen.

45Und als man sie zum Tode führte, erweckte Gott den Heiligen Geist eines jungen Mannes, der hieß Daniel; der fing an, laut zu rufen:

46Ich will unschuldig sein an diesem Blut!

47Und die Menge wandte sich ihm zu und fragte ihn, was er mit solchen Worten meinte.

48Er aber trat unter sie und sprach: Seid ihr Männer von Israel solche Narren, dass ihr eine Tochter Israels verdammt, ehe ihr die Sache erforscht und Gewissheit erlangt habt?

49Kehrt wieder um vors Gericht, denn diese haben sie zu Unrecht beschuldigt!

50Und die Menge kehrte eilends wieder um.

Und alle Ältesten sagten zu Daniel: Setze dich her zu uns und berichte uns; denn dir hat Gott gegeben, was er sonst nur dem Alter gibt.

51Und Daniel sagte zu ihnen: Stellt die beiden weit auseinander, so will ich jeden für sich verhören!

52Als nun der eine vom andern getrennt war, rief er den einen und sagte zu ihm: Du alter Bösewicht, jetzt treffen dich deine Sünden, die du bisher begangen hast,

53als du ungerechte Urteile gesprochen und die Unschuldigen verdammt, aber die Schuldigen losgesprochen hast, obwohl doch der Herr geboten hat: Du sollst den Unschuldigen und Gerechten nicht töten.

54Hast du nun diese Frau gesehen, so sag doch: Unter welchem Baum hast du die zwei beieinander gefunden? Er aber antwortete: Unter einer Linde.A

Um ein Wortspiel des griechischen Textes wiederzugeben, reimte Luther: »Unter einer Linden. (V. 55) ... der Engel des Herrn wird dich finden.«

55Da sagte Daniel: Ganz recht! Mit deiner Lüge bringst du dich selbst um dein Leben. Denn schon hat der Engel des Herrn von Gott dein Urteil empfangen und wird dich mittendurch spalten.

56Und er ließ ihn wegbringen und den andern vor sich kommen und sagte zu ihm: Du Mann nach Kanaans und nicht nach Judas Art, die Schönheit hat dich betört, und die Begierde hat dein Herz verkehrt.

57So seid ihr mit den Töchtern Israels verfahren, und sie haben euch aus Furcht zu Willen sein müssen. Aber diese Tochter Judas hat nicht in eure Schlechtigkeit gewilligt.

58Nun sage mir: Unter welchem Baum hast du sie beieinander ertappt? Er aber antwortete: Unter einer Eiche.B

Luther: »Unter einer Eichen. (V. 59) ... der Engel des Herrn wird dich zeich(n)en«.

59Da sagte Daniel: Ganz recht! Mit deiner Lüge bringst du dich selbst um dein Leben. Der Engel des Herrn wartet schon mit seinem Schwert und wird dich mittendurch hauen, um euch so beide zu vernichten.

60Da fing das ganze Volk an, mit lauter Stimme zu rufen, und sie priesen Gott, der denen hilft, die auf ihn hoffen und vertrauen.

61Und sie erhoben sich gegen die beiden Ältesten, weil Daniel sie aus ihren eignen Worten überführt hatte, dass sie falsche Zeugen waren.

62Und man tat mit ihnen nach dem Gesetz des Mose, wie sie gedacht hatten, ihrem Nächsten zu tun, und tötete sie.

So wurde an diesem Tage unschuldiges Blut errettet.

63Aber Hilkija und seine Frau lobten Gott um Susannas, ihrer Tochter, willen, mit Jojakim, ihrem Mann, und der ganzen Verwandtschaft, dass nichts Unehrenhaftes an ihr gefunden worden war.

64Und Daniel wurde groß vor dem Volk von dem Tage an und blieb es auch weiterhin.