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  • DIE WEISHEIT SALOMOS
  • Weish 2,18

Gedanken der Gottlosen über das Leben und ihr Spott über den Gerechten

21Denn diese Leute, die so verkehrt denken, sagen untereinander: »Kurz und voller Leid ist unser Leben, und wenn ein Mensch dahinsoll, so gibt es keine Rettung; auch weiß man von keinem, der aus dem Totenreich befreit.

2Denn nur zufällig sind wir geworden, und nachher werden wir sein, als wären wir nie gewesen. Denn der Atem in unsrer Nase ist nur Rauch und unser Denken nur ein Funke, der aus dem Pochen unsres Herzens entsteht.

3Wenn er verloschen ist, so geht der Leib dahin wie Asche, und der Geist zerflattert wie Luft.

4Unser Name wird mit der Zeit vergessen, und niemand denkt mehr an unser Wirken. Unser Leben fährt dahin, als wäre nur eine Wolke dagewesen, und zergeht wie Nebel, der von den Strahlen der Sonne verjagt und von ihrer Hitze zu Boden gedrückt wird.

5Unsre Zeit geht vorbei wie ein Schatten, und wenn es mit uns zu Ende ist, gibt es keine Wiederkehr; denn es steht unverbrüchlich fest, dass niemand wiederkommt.

6Kommt nun und lasst uns die Güter genießen, solange sie da sind, und die Welt geschwind noch auskosten, solange wir jung sind.

7Wir wollen mit bestem Wein uns füllen und uns salben, und keine Frühlingsblume soll uns entgehen.

8Lasst uns Kränze tragen von Rosenknospen, ehe sie welk werden.

9Keine Wiese bleibe von unserm übermütigen Treiben verschont, damit man überall merkt, wie ausgelassen wir gewesen sind. Denn das ist unser Teil und das ist unser Los.

10Lasst uns den armen Gerechten unterdrücken und keine Witwe verschonen; wir wollen uns nicht scheuen vor dem altersgrauen Haar des Greises.

11Alles, was wir tun, das soll Recht sein; denn es zeigt sich, dass Schwäche nichts ausrichtet.

12So lasst uns dem Gerechten auflauern; denn er ist uns lästig und widersetzt sich unserm Tun und schilt uns, weil wir gegen das Gesetz sündigen, und hält uns vor, dass wir gegen die Zucht verstoßen.

13Er behauptet, Erkenntnis Gottes zu haben, und rühmt sich, Gottes Kind zu sein.

14Er wird uns zum Vorwurf bei allem, was wir denken;

15er ist uns unleidlich, wenn er sich nur sehen lässt. Denn sein Leben unterscheidet sich von dem der andern, und ganz anders sind seine Wege.

16Als falsche Münze gelten wir ihm, und er meidet unsre Wege wie Schmutz; er rühmt, wie es die Gerechten zuletzt gut haben werden, und prahlt damit, dass Gott sein Vater sei.

17So lasst doch sehen, ob sein Wort wahr ist, und prüfen, was bei seinem Ende geschehen wird.

18Ist der Gerechte Gottes Sohn, so wird er ihm helfen und ihn erretten aus der Hand der Widersacher.

19Durch Schmach und Qual wollen wir ihn auf die Probe stellen, damit wir erfahren, wie viel er ertragen kann, und prüfen, wie geduldig er ist.

20Wir wollen ihn zu schimpflichem Tod verurteilen; denn dann wird ihm gnädige Heimsuchung widerfahren, wie er sagt.«

21Das alles denken sie – und irren; denn ihre Bosheit hat sie verblendet,

22sodass sie Gottes Geheimnisse nicht erkennen; auch haben sie nicht die Hoffnung, dass ein frommes Leben belohnt wird, und sie achten die Ehre für nichts, die untadeligen Seelen gegeben wird.

23Denn Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit geschaffen und ihn zum Abbild seines eignen Wesens gemacht.

24Aber durch des Teufels Neid ist der Tod in die Welt gekommen,

25und es müssen ihn erfahren, die ihm angehören.