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Lexikon

Mandel / Mandelbaum

Peter Riede

(erstellt: Dez. 2016)

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1. Botanisch

Aus: Wikimedia Commons; © זאב זמיר, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-sa 2.5 generisch; Zugriff 20.12.2016

Abb. 1 Blühender Mandelbaum in ‘Ēn Kerem westlich von Jerusalem.

Der Mandelbaum kommt in Palästina / Israel in einer Wildart (Amygdalus communis L.) und einer Kulturart (Prunus dulcis) vor. Er ist mittelgroß und hat verzweigte Äste mit ovalen, lanzettartigen Blättern, die er zu Winterbeginn abwirft. Die erste Blütezeit von etwa vier Wochen fällt in den Anfang des Monats Februar. Die Bäume sind dann über und über weiß gefärbt (vgl. Pred 12,5). Zehn Wochen nach der Blüte beginnt die Reife der Früchte. Nach der Reife brechen sie auf und setzen die „Nuss“ (botanisch korrekt eigentlich eine Steinfrucht) frei. Der Kern der Frucht, der einen Fettanteil von etwa 50% aufweist, hat eine bräunliche Haut. Er wird roh, aber auch geröstet gegessen. Zermahlen wird der Fruchtkern beim Kochen verwendet.

Süße Mandeln galten und gelten als Delikatesse, die wilde Mandel hat dagegen aufgrund der im Kern enthaltenen Blausäure einen bitteren Geschmack.

2. Bezeichnungen

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 2 Mandelzweig.

Die hebräische Bezeichnung für die Mandel (Gen 43,11; Num 17,23; Pred 12,5) / den Mandelbaum (Jer 1,11) ist שָׁקֵד šāqed „der Wachsame / der Wachende“. Diese Bezeichnung nimmt Bezug auf die frühe Blüte des Baumes (vgl. Pred 12,5). Eine andere Bezeichnung ist לוּז lûz (Gen 30,37), das auch als Ortsname belegt ist (Gen 28,19; Gen 35,6; Gen 48,3; Jos 16,2; Jos 18,13; Ri 1,23; → Bethel). Diese Ortsbezeichnung bezieht sich möglicherweise auf Mandelhaine, die für die jeweilige Gegend charakteristisch waren.

3. Biblisch

3.1. Im Alltagsleben

Aus: O.W. Thomé, Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz, Gera 1885, 105

Abb. 3 Mandelbaum.

Auf die frühe Blüte des Mandelbaumes, der vor allen anderen Bäumen Blüten treibt, und somit auf den Beginn des Naturkreislaufes und die nach dem Winter wieder erwachende Natur spielt Pred 12,5 an.

Früh wurden Mandeln aus Palästina nach Ägypten eingeführt, um Öl zu gewinnen. Mandeln als Nahrungsmittel finden sich auch unter den Geschenken, die die Brüder → Josefs nach Ägypten mitbringen (Gen 43,11). Gen 30,37 setzt eine Art Züchtertrick voraus: → Jakob legt u.a. aus dem Mandelholz herausgeschälte Streifen in die Wassertröge der Tiere → Labans, worauf diese mehr gefleckte und dunkle Jungtiere werfen und so Jakobs Besitz an Tieren gemehrt wird.

3.2. Als Visionsinhalt

Der Name des Mandelbaums שָׁקֵד šāqed wird in Jer 1,11f in einem Wortspiel verwendet. Jeremia sieht in einer → Vision einen Mandelzweig; die Deutung durch Gott erklärt dann: „wachend (שֹׁקֵד šoqed) bin in ich über meinem Wort, es zu tun“. Aus der Verbindung von Vision und Deutung ergibt sich: „Das Sehen des Mandelzweiges ist nicht bloß irgendeine unbedeutende Wahrnehmung, sondern es ist sichtbares Zeichen für eine göttliche Haltung: Gott ist aufmerksam, engagiert wachend, sein Wort umzusetzen“ (Fischer, 138).

3.3. Das Stabwunder Num 17,23

Nach Num 17,23 sprosst der Stab → Aarons als Zeichen seiner Erwählung durch JHWH (V. 20) in einer Nacht: „Er hatte Knospen ausgetrieben, Blüten hervorgebracht und Mandeln reifen lassen“ (Num 17,23). Auch hier ist im Hintergrund möglicherweise ein Wortspiel mit dem Verb שָׁקַד šāqad anzunehmen „im Sinne eifernder Wachsamkeit“ (Seebass, 206), die Aaron als Erwählter JHWHs gegenüber dem Volk an den Tag legen wird.

3.4. Im Kunsthandwerk

Die Kelche des Kandelabers im Wüstenheiligtum waren mandelblütenförmig gestaltet und betonten in besonderer Weise den ästhetischen Aspekt des Heiligtuminventars (Ex 25,33f; Ex 37,19f).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Der Kleine Pauly, Stuttgart 1964-1975 (Taschenbuchausgabe, München 1979)
  • Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Stuttgart u.a. 1973ff
  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006

2. Weitere Literatur

  • Dalman, G., Arbeit und Sitte in Palästina, Bd. I, Gütersloh 1928, 56f.255-257
  • Fischer, G., Jeremia 1-25 (HThKAT), Freiburg 2005
  • Hepper, F.N., Pflanzenwelt der Bibel. Eine illustrierte Enzyklopädie, Stuttgart 1992
  • Keel, O. / Küchler, M. / Uehlinger, Chr., Orte und Landschaften der Bibel. Ein Handbuch und Studienreiseführer zum Heiligen Land, Bd. 1, Zürich u.a. 1984, 82
  • Löw, I., Die Flora der Juden, Bd. III, Nachdruck: Hildesheim 1967, 142f
  • Sauer, G., Mandelzweig und Kessel in Jer 1,11ff, ZAW 78 (1966), 56-59
  • Seebass, H., Numeri. 2. Teilband. Numeri 10,11-22,1 (BK IV/2), Neukirchen-Vluyn 2003
  • Zohary, M., Pflanzen der Bibel. Vollständiges Handbuch, Stuttgart 2. Aufl 1986, 66f

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Blühender Mandelbaum in ‘Ēn Kerem westlich von Jerusalem. Aus: Wikimedia Commons; © זאב זמיר, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-sa 2.5 generisch; Zugriff 20.12.2016
  • Abb. 2 Mandelzweig. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 3 Mandelbaum. Aus: O.W. Thomé, Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz, Gera 1885, 105

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