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Lexikon

Efron

Klaus Koenen

(erstellt: Febr. 2018)

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1. Name

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Karte zur Lage des Berges und der Orte namens Efron.

Etymologie und Bedeutung des Namens Efron (עֶפְרוֹן ‘æfrôn) sind unsicher. Bei einem Personennamen dürfte die Endung וֹן ôn als Deminutiv-Endung zu verstehen sein (vgl. z.B. → Simson „Sönnchen“). Die Wurzel geht vielleicht auf das Nomen עֹפֶר ‘ofær „Junghirsch / Junggazelle“ zurück. Der Name würde dann „Hirschlein / Gazellchen“ bedeuten.

Bei einem Ortsnamen dürfte es sich bei der Endung וֹן ôn um eine Lokalendung handeln (vgl. שֹׁמְרוֹן šomrôn „Samaria“). Die Wurzel könnte entweder ebenfalls auf das Nomen עֹפֶר ‘ofær „Junghirsch / Junggazelle“ oder auf das Nomen עָפָר ‘āfār „Staub“ bzw. auf ein von dieser Wurzel gebildetes Adjektiv „staubfarben / erdfarben / ocker / rosa“ (vgl. arabisch ‘ufrat „ocker / rosa“) zurückgehen. Der Name wäre dann wie → Ofra (עָפְרָה ‘åfrāh; vgl. Gaß, 270f.) im Sinne von „Junggazellenort“ oder „Staubort / Ockerort“ zu verstehen und er hieße so, weil es in der Gegend viele Gazellen gab oder er auf dürrem Land erbaut war.

2. Efron, der Hethiter

Gen 23,1-20 erzählt, wie → Abraham nach dem Tod seiner Frau → Sara in Hebron von einem gewissen Efron ein Grundstück mit der Grabhöhle Machpela (→ Hebron 3.3.) kauft (vgl. Gen 25,9-10; Gen 49,29-32; Gen 50,13). Die Erzählung, die traditionell der → Priesterschrift, in neuerer Zeit vermehrt späteren Schichten des → Pentateuchs (Levin; Wöhrle, 58-63) zugeschrieben wird, bezeichnet Efron wie überhaupt die Bewohner Hebrons als „Söhne Hets“ (בְּנֵי־חֵת), eine Bezeichnung, die sich im Alten Testament nur in der Grabtradition findet. Die deutschen Übersetzungen geben dies in der Regel mit „Hethiter“ wieder, doch sind damit nicht die Angehörigen des längst untergegangenen Volkes der → Hethiter in Kleinasien gemeint, sondern die vorisraelitischen Bewohner Palästinas (dazu → Hethiter im AT; vgl. Gen 10,15), in deren Gebiet Abraham nach der Erzählung als → Fremder lebte. Efrons semitischer Name darf also nicht überraschen. Die Hethiter werden in der Erzählung positiv dargestellt. Sie bieten Abraham an, sich das beste ihrer Gräber auszusuchen (Gen 23,6). Abraham verneigt sich zwei Mal respektvoll vor ihnen (Gen 23,7.12). Er wünscht sich ein Feld von Efron, dem Sohn Zohars. Der will es ihm sogar schenken, doch das will Abraham nicht annehmen und zahlt ihm mit 400 Silberschekeln sogar einen relativ hohen Preis (Gen 23,11-16; zur Höhe des Preises vgl. Seebass, 230). Die Erzählung hebt also hervor, dass der Ahnvater Israels das Feld weder als Geschenk noch zu einem Vorzugspreis erhalten hat. Er ist vielmehr durch Zahlung eines hohen Preises zum rechtmäßigen Besitzer eines Grundstücks im verheißenen Land geworden. Zugleich zeigt die Erzählung, wie man sich in einem fremden Land gegenüber den Einheimischen verhält (vgl. Blenkinsopp, 239f).

3. Der Berg Efron an der Nordgrenze Judas

Jos 15,1-12 gehört zur Darstellung der Grenzen der Stämme Israels im → Josuabuch. Auf der Erzählebene geht es dabei um die Grenzen der vorstaatlichen Zeit, historisch gesehen entsprechen die Grenzverläufe jedoch frühestens den Verhältnissen der Königszeit. Jos 15,5-11 beschreibt ausführlich die Nordgrenze des Stammes Juda von Osten nach Westen, vom Jordan zum Mittelmeer. Sie entspricht der Südgrenze Benjamins, die in Jos 18,15-19 von Westen nach Osten beschrieben wird. Dabei nennt nur Jos 15,9 als markanten Grenzpunkt zwischen Jerusalem und → Kirjat-Jearim den Berg Efron (MT hat „Städte des Berges Efron“, doch wird „Städte“ mit der → Septuaginta häufig gestrichen, z.B. in der Einheitsübersetzung).

Welcher Berg damit in dem bergigen Gelände genau gemeint ist, lässt sich nicht sicher sagen. Albrecht Alt (1926, 25f) vermutet, der Berg Efron habe zu der Bergkette gehört, die sich von Nebī Samwīl (Koordinaten: 167.137; N 31° 49' 59'', E 35° 10' 50'') im Osten nach Biddū (Koordinaten: 164.138; N 31° 50' 05'', E 35° 08' 48'') und darüber hinaus weiter nach Westen erstreckt. Innerhalb dieser Kette denkt Dalman (36) an die Berge bei Bēt Sūrik, einem Ort 9 km nordwestlich von Jerusalem (Koordinaten: 1640.1369; N 31° 49' 32'', E 35° 08' 57''), und Albrecht Alt (1932, 8) speziell an einen Berg 1 km südöstlich von Bēt Sūrik, auf dem sich Chirbet el-Ǧebel befindet (Koordinaten: 1650.1359; N 31° 49' 01'', E 35° 09' 33''). Gegen diese Lokalisierungen spricht jedoch, dass die Grenze Judas dann an dieser Stelle sehr weit nach Norden in das Gebiet Benjamins ausschlagen würde (vgl. schon Guthe, 94), was aber durchaus in der Topographie begründet sein kann. Kallai-Kleinmann (185-187; vgl. Kallai, 122.135) identifiziert den Berg Efron wegen des Einwands mit dem 3 km südlich von Bēt Sūrik und 8 km westlich von Jerusalem gelegenen Ǧebel Qasṭal, der seinen Namen einer Kreuzfahrerburg verdankt („Kastell“; Koordinaten: 1617.1339; N 31° 47' 53'', E 35° 07' 26''). Nach North (211-213) ist jedoch der markante Berg gemeint, der 5 km weiter östlich und damit näher an Jerusalem, jenseits des Wādī Bēt Ḥanīna liegt. Heutzutage schlägt die Autobahn 1 einen nördlichen Bogen um diesen Berg, über den sich inzwischen der Friedhof „Har HaMenuchot“ erstreckt (Koordinaten: 1668.1339; N 31° 47' 53'', E 35° 10' 42'').

4. Die Stadt Efron im Westjordanland

Der Ort Efron wird im Alten Testament nur in 2Chr 13,19 erwähnt (Qere עֶפְרַיִן ‘æfrajin; vgl. den Ort Ἐφραίμ Ephraim in Joh 11,54). Im späten 10. Jh. v. Chr. soll der judäische König → Abija Israels König → Jerobeam I. besiegt und ihm drei Städte genommen haben: → Bethel, → Jeschana und Efron (breit ausgemalt von Josephus, Antiquitates VIII 11,3 / 282-286; Text gr. und lat. Autoren). Die Notiz hat keinen historischen Wert, sondern zielt auf eine theologische Aussage: Der Sieg soll zeigen, dass Abija für seine Gottesfurcht belohnt und Jerobeam für seine Sünde (2Chr 13,5-12) bestraft wurde, Gott also den → Tun-Ergehen-Zusammenhang durchsetzt. Dennoch kann man ihr historisch entnehmen, dass Efron wie Bethel und Jeschana im Grenzgebiet von Nord- und Süd-Reich gelegen haben muss. Die Stadt Efron wird häufig mit → Ofra (עָפְרָה ‘åfrāh) und dem Ephraim von 2Sam 13,23 identifiziert. Die drei Namen wären dann – möglicherweise zu verschiedenen Zeiten – für denselben Ort gebraucht worden (Schunck). Für Ofra / Efron legt sich die Identifizierung mit dem bereits eisenzeitlich besiedelten eṭ-Ṭajjibe nahe (Koordinaten: 1784.1511; N 31° 57' 13'', E 35° 18' 00''; 863 m ü.M.; Näheres → Ofra).

5. Die Stadt Efron im Ostjordanland

1Makk 5,45-54 (vgl. 2Makk 12,27-28) erzählt, wie → Judas Makkabäus und seine Truppen im Rahmen der Kämpfe mit den → Seleukiden von Gilead nach Jerusalem zogen. Dabei kamen sie nach Efron (Εφρων Ephrōn), einer großen und stark befestigten Stadt, die in einem Engpass lag, so dass man sie nicht umgehen konnte, sondern durchqueren musste (1Makk 5,46). Da die Stadt das Heer nicht passieren lassen wollte, wurde sie eingenommen und zerstört. Alle Männer wurden getötet und Judas Truppen zogen über die Leichen hinweg durch die Stadt. Die Erzählung soll zeigen, wie stark die Makkabäer sind, da Gott mit ihnen ist. Ihr Sieg soll als große Tat erscheinen und deswegen entspricht es der Tendenz der Erzählung, Efron als mächtige Stadt erscheinen zu lassen. Historisch gesehen mag es sich um einen unbedeutenden Ort gehandelt haben. Der Erzählung nach ist er im Ostjordanland zu suchen, doch lassen die Angaben eine genaue Lokalisierung nicht zu. Vorgeschlagen wird die Identifizierung mit eṭ-Ṭajjibe im Ostjordanland (Koordinaten: 2175.2164; N 32° 32' 30'', E 35° 43' 10''; so z.B. Simons, 425); dann läge hier die gleiche Namensentwicklung vor wie bei → Ofra, das mit dem eṭ-Ṭajjibe im Westjordanland identifiziert wird und auch Efron (s.o.) hieß (Hölscher, 141f.). Allerdings liegt der Ort nicht auf einem Bergrücken und weist keinen Engpass auf.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006
  • Encyclopedia of the Bible and its Reception, Berlin / New York / Boston 2009ff

2. Weitere Literatur

  • Alt, A., Das Institut im Jahre 1925, Palästinajahrbuch 22 (1926), 5-80
  • Alt, A., Das Institut im Jahre 1931, Palästinajahrbuch 28 (1932), 5-47
  • Blenkinsopp, J., Abraham as Paradigm in the Priestly History in Genesis, JBL 128 (2009), 225-241
  • Cohn, R.L., Negotiating (with) the Natives: Ancestors and Identity in Genesis, HTR 96 (2003), 147-166
  • Dalman, G., Jahresbericht des Instituts für das Arbeitsjahr 1912/13, Palästinajahrbuch 9 (1913), 1-78
  • Elliger, K., Studien aus dem Deutschen evangelischen Institut für Altertumswissenschaft in Jerusalem. 42. Die Grenze zwischen Ephraim und Manasse, ZDPV 53 (1930), 265-309
  • Gaß, E., Die Ortsnamen des Richterbuches in historischer und redaktioneller Perspektive (ADPV 35), Wiesbaden 2005
  • Guthe, H., Beiträge zur Ortskunde Palästinas (Fortsetzung), ZDPV 36 (1913), 81-99
  • Heller, J., Noch zu Ophra, Ephron und Ephraim, VT 12 (1962), 339-341
  • Hölscher, G., Bemerkungen zur Topographie Palästinas, ZDPV 29 (1906), 133-151
  • Kallai-Kleinmann, Z., Notes on the Topography of Benjamin, IEJ 6 (1956), 180-187
  • Kallai (Kleinmann), Z., Historical Geography of the Bible. The Tribal Territories of Israel, Jerusalem / Leiden 1986
  • Levin, Chr., Abraham erwirbt seine Grablege (Genesis 23), in: R. Achenbach / M. Arnet, „Gerechtigkeit und Recht zu üben“ (Gen 18,19). Studien zur altorientalischen und biblischen Rechtsgeschichte, zur Religionsgeschichte Israels und zur Religionssoziologie (FS Eckart Otto; Beihefte zur Zeitschrift für die Altorientalische und Biblische Rechtsgeschichte 13), Wiesbaden 2009, 96-113
  • North, R., Three Judaean Hills in Josue 15,9f, Bibl. 37 (1956), 209-216
  • Parker, V.L., Judas Maccabaeus’ Campaigns against Timothy, Bibl. 87 (2006), 457-476
  • Sarna, N.M., Genesis Chapter 23: The Cave of Machpelah, Hebrew Studies 23 (1982), 17-21
  • Schunck, K.-D., Ophra, Ephron und Ephraim, VT 11 (1961), 188-200
  • Seebass, H., Genesis II/2. Vätergeschichte II (23,1-36,43), Neukirchen-Vluyn 1999
  • Simons, J.J., The Geographical and Topographical Texts of the Old Testament, Leiden 1959
  • Wöhrle, J., Fremdlinge im eigenen Land. Zur Entstehung und Intention der priesterlichen Passagen der Vätergeschichte (FRLANT 246), Göttingen 2012

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Karte zur Lage des Berges und der Orte namens Efron. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

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