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Lexikon

Distel

Peter Riede

(erstellt: April 2018)

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1. Botanisch

 Aus: Wikimedia Commons; © Curtis Clark, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-sa 2.5 generic; Zugriff 17.4.2018

Abb. 1 Mariendistel.

In Palästina kommen verschiedene Distelarten vor, so u.a. die Mariendistel (Silybum marianum L.), die Syrische Distel (Notobasis syriaca L.), die Kugeldistel (Echinops viscosus) und die Golddistel (Scolymus maculatus L.). Die beiden erstgenannten Distelarten haben einen schmalen Stängel mit kleinen, stachligen Blättern. Dessen oberer Teil endet in einem weiß- oder rosafarbenen Blütenkorb, den ledrige und sehr stachlige Blättchen umgeben. Die Kugeldistel dagegen hat purpurbläuliche bis violette Blüten sowie oft spitze Dornen und die Golddistel leuchtend gelbe Blüten sowie ledrige, dornig gelappte Blätter.

 Aus: Wikimedia Commons; © Gideon Pisanty, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-sa 3.0 unported; Zugriff 17.4.2018

Abb. 2 Gundelia Tournefortii.

Die Gundelia (Gundelia Tournefortii) schließlich, auch Steppenroller genannt, ist eine perennierende, in der Steppe vorkommende Distel mit ovalen, länglichen und sehr dornigen Blättern, die 20 cm und länger werden können. Wenn das Kraut sich von der Wurzel löst, wird es von den Steppenwinden durch die Gegend geblasen.

2. Altes Testament

2.1. Bezeichnungen

Hebräische Bezeichnungen für Distelgewächse sind שָׁיִת šājit, בַּרְקֳנִים barqănîm (Ri 8,7.16), גַּלְגַּל galgal (Jes 17,13; Ps 83,14) und traditionell דַּרְדַּר dardar in der Wendung קוֹץ וְדַרְדַּר qôṣ wədardar „Dornen und Disteln“ (Gen 3,18; Hos 10,8).

2.2. Allgemeines

Distelgewächse waren eine unablässige Herausforderung für den Ackerbauern, der das zu bearbeitende Land ständig und mit großem Arbeitsaufwand vor dem Überwuchern mit Disteln und Dornsträuchern schützen musste (vgl. Gen 3,18).

2.3. Disteln als Teil der gegenmenschlichen Welt

Genauso wie Dorngesträuche (→ Dornen) repräsentierten Disteln eine menschenfeindliche, furchterregende, chaotische Welt (Jes 7,25; → Chaos), in der nur Ausgestoßene bzw. am Rande der Gesellschaft lebende „Underdogs“ ein mühevolles Dasein fristeten (Hi 30,7). Wo Kulturland verwüstet oder aufgegeben wurde, wo es ungepflegt und unbearbeitet dalag (Jes 5,6; vgl. den Gegentext Jes 27,4), breiteten sich schnell Disteln und andere dornige Gewächse aus (Jes 7,23-25; Jes 34,13).

2.4. Disteln als Strafwerkzeuge

Als schmerzhafte, tödliche Strafwerkzeuge werden Disteln in Ri 8,7.16 genannt.

2.5. Metaphorik

Distelgewächse wie die Kugeldistel wurden wegen ihrer Leichtigkeit ohne Schwierigkeit vom Winde verweht (Jes 17,13). Auf diese Erfahrung bezieht sich die Bitte, die Feinde Israels mögen wie trockene Distelknäuel durch die Luft hinweggefegt werden (Ps 83,14). Disteln sind auch leicht entzündbar. Von ihnen aus kann sich leicht ein Feuer entwickeln, das den ganzen Wald erfasst (Jes 9,17; Jes 10,17). Zeichen des Gerichts ist es, wenn Kultstätten zur Wüste werden, so dass Disteln auf ihren Altären sprießen (Hos 9,6).

3. Neues Testament

3.1. Bezeichnung

Die griechische Bezeichnung der Distel ist τρίβολος tribolos.

3.2. Bedeutung

Dass der Baum an seinen Früchten erkannt wird, zeigt Mt 7,16 unter Hinweis auf die Disteln, die keine Feigen tragen. Hebr 6,7f vergleicht die angesprochene Gemeinde mit einem Acker, der aufgrund des Regens Frucht bringt; „bringt er aber Dornen und Disteln hervor, ist er untauglich und verfällt dem Fluch, sein Ende ist das Verbrennen“.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie, Berlin 1928ff
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Der Kleine Pauly, Stuttgart 1964-1975 (Taschenbuchausgabe, München 1979)
  • Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Stuttgart u.a. 1973-2015
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament, 2. Aufl., Stuttgart u.a. 1992
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006

2. Weitere Literatur

  • Dalman, G., Arbeit und Sitte in Palästina, Bd. VIII, Berlin 2001, Reg. s.v.
  • Darom, D., Die schönsten Pflanzen der Bibel, Herzlia, o.J., 30-33
  • Hepper, F.N., Pflanzenwelt der Bibel. Eine illustrierte Enzyklopädie, Stuttgart 1992, 35-37
  • Löw, I., Die Flora der Juden, Bd. IV, Nachdruck Hildesheim 1967, Reg. s.v.
  • Keel, O. / Küchler, M. / Uehlinger, Chr., Orte und Landschaften der Bibel. Ein Handbuch und Studienreiseführer zum Heiligen Land, Bd. 1, Zürich u.a. 1984, 72-74
  • Moldenke, H.N. und A.L., Plants of the Bible, New York 1952
  • Neumann-Gorsolke, U. / Riede, P. (Hgg.), Das Kleid der Erde, Pflanzen in der Lebenswelt des alten Israel, Stuttgart 2002, 163-168
  • Rüthy, A.E., Die Pflanze und ihre Teile im biblisch-hebräischen Sprachgebrauch, Diss. Bern 1942, 15-28
  • Walker, W., All the Plants of the Bible, London 1958
  • Zohary, M., Pflanzen der Bibel. Vollständiges Handbuch, Stuttgart 2. Aufl, 1986, 153ff

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Mariendistel. Aus: Wikimedia Commons; © Curtis Clark, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-sa 2.5 generic; Zugriff 17.4.2018
  • Abb. 2 Gundelia Tournefortii. Aus: Wikimedia Commons; © Gideon Pisanty, Wikimedia Commons, lizensiert unter CreativeCommons-Lizenz cc-by-sa 3.0 unported; Zugriff 17.4.2018

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