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Lexikon

Abija

Andere Schreibweise: Abijah; Abia; Abijahu; Abi; Abijam; Abiam

Joachim J. Krause

(erstellt: Juni 2017)

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1. Bedeutung und Formen des Namens

Der hebräische Name Abija (אֲבִיָּה ’ǎvîjāh) ist die gebräuchlichere kürzere Variante von Abijahu (אֲבִיָּהוּ ’ǎvîjāhû) und bedeutet „mein Vater ist Jhwh“ (→ Vater). Der Name erfreute sich in biblischer Zeit dauerhafter Beliebtheit, wie bereits der Aufbau des vorliegenden Artikels zu belegen vermag. Ausgerechnet der bekannteste Träger des Namens, der judäische König Abija, wird indes in der in 1Kön 15 vorliegenden Darstellung Abijam (אֲבִיָּם ’ǎvîjām) genannt. Die Bedeutung dieser Form ist nicht eindeutig geklärt, trotz des verschiedentlich wiederholten Vorschlags, den zweiten Teil als theophores Element aufzufassen und „mein Vater ist (der Gott) Jam (Meer)“ zu lesen. Dass die (erheblich umfangreichere) Parallelüberlieferung der Chronik konsequent Abija statt Abijam bietet, erscheint demgegenüber als lectio facilior (ebenso die Versiones zu 1Kön 14,31; 1Kön 15,1). In 2Chr 13,20.21 ist auch die Langform Abijahu belegt, in 2Kön 18,2 (für die Mutter Hiskias) ferner die Kurzform Abi (אֲבִי ’ǎvî). Zu Letzterer ist der auch in anderen semitischen Sprachen (Ugaritisch, Altaramäisch) gut belegte Name ’bj „mein Vater ist (die Gottheit)“ zu vergleichen.

2. Abija, König von Juda

Abija, laut biblischer Überlieferung Sohn und Nachfolger → Rehabeams und damit zweiter König von Juda nach der sog. Reichstrennung, regierte von 910-908 v. Chr. Seine Mutter war Maacha (nach 2Chr 13,2 Michajahu). Nachricht von Abija haben wir einerseits durch 1Kön 14,31; 1Kön 15,1-8, andererseits durch 1Chr 3,10; 2Chr 11,20-22; 2Chr 12,16; 2Chr 13,1-23. Während ihn die detailarme deuteronomistische Darstellung in 1Kön 15 pauschal negativ zensiert, weiß 2Chr 13 von einem anderweitig unbekannten, aber umso spektakuläreren Kriegszug Judas gegen Israel zu berichten. Dank göttlichen Beistands gelingt dabei nicht nur die Eroberung → Bethels. Der Chronist legt Abija auch eine fromme, auf den von → Jerobeam I. begründeten Staatskult des Nordreichs zielende Rede zur Rechtfertigung der judäischen Politik in den Mund: „Jhwh ist unser Gott; wir haben ihn nicht verlassen. … Ihr aber habt ihn verlassen.“ (2Chr 13,10-11). Eine sachgemäße historische Einschätzung der kurzen Regierung erscheint auf Grundlage dieser Daten kaum mehr möglich. Allenfalls mögen sie bestätigen, dass sich die Konkurrenz der sich formierenden Reiche in nachhaltiger militärischer Konfrontation niederschlug (vgl. 1Kön 15,6.7).

3. Weitere Personen namens Abija

3.1. Abija, der Sohn Samuels

Abija hieß nach 1Sam 8,2 und 1Chr 6,13 auch der zweite Sohn Samuels. Nach 1Sam 8 amtierten er und sein Bruder Joel in → Beerscheba als „Richter über Israel“, brachten das Amt aber durch systematische Korruption derart in Verruf, dass das Volk von Samuel die Einsetzung eines Königs forderte.

3.2. Abija, der Sohn Jerobeams I.

In 1Kön 14,1-18 wird von einem Sohn Jerobeams I. namens Abija berichtet; laut → Septuaginta (1Kön 12,24e) wurde er während Jerobeams Aufenthalt in Ägypten von dessen Frau Ano, der Schwägerin des ägyptischen Königs Susakim (Schischak; → Scheschonq), geboren (LXXB bietet kein Äquivalent für MT 1Kön 14,1-20, dafür aber in Kap. 12 ausführliches Sondergut [1Kön 12,24a-z]; die dortigen Verse 24g-n entsprechen in den wesentlichen Zügen MT 1Kön 14,1-18). Angesichts einer ernsten Erkrankung Abijas wendet sich Jerobeam an den Propheten → Ahija. Dieser kündigt den dann tatsächlich eintretenden Tod des Erkrankten an, was zu einer regelrechten Gerichtsansage für das gesamte Haus Jerobeam gerät; Abija allein wird eines ehrenhaften Begräbnisses würdig befunden.

3.3. Abija, die Frau des Ahas und Mutter Hiskias

2Kön 18,2 und 2Chr 29,1 überliefern, dass Hiskias Mutter Abija hieß, wobei 2Kön 18,2 die Kurzform Abi benutzt. Sie war Frau des Ahas (vgl. 2Kön 18,1).

3.4. Abija, der Sohn Bechers

In dem Verzeichnis der Nachkommen Benjamins, das in 1Chr 7,6-12 vorliegt, begegnet Abija (V. 8), Sohn des Becher (zu Letzterem vgl. Gen 46,21; dagegen aber Num 26,38-41; 1Chr 8,1-2). In der ausführlichen Genealogie Benjamins in 1Chr 8 ist er hingegen nicht bezeugt, wie 1Chr 7 auch sonst erheblich von seinen Parallelen abweicht.

3.5. Abija, die Frau Hezrons

Im masoretischen Text von 1Chr 2,24 ist von einer Frau Hezrons namens Abija die Rede. Wahrscheinlich liegt aber ein Textfehler vor, zu dessen Korrektur die konjizierte Lesung אביהו „sein Vater“ vorgeschlagen worden ist (BHS); vgl. 1Chr 2,19.50.

3.6. Abija, der Ahnvater der achten Priesterklasse

In 1Chr 24 wird David zugeschrieben, die für den zweiten Tempel belegte Einteilung der Aaroniden in 24 Priesterklassen, die in turnusmäßigem Wechsel Dienst am Heiligtum taten, eingerichtet zu haben. Der Ahnvater der achten Klasse, zu der nach Lk 1,5 Zacharias, der Vater Johannes’ des Täufers, zählte, trägt den Namen Abija (1Chr 24,10).

3.7. Abija, der Priester und Zeitgenosse Serubbabels

In Neh 12,4 wird in einer Liste der gemeinsam mit Serubbabel nach Juda zurückgekehrten Priester ein Abija aufgeführt.

3.8. Abija, der Priester und Zeitgenosse Nehemias

Laut Neh 10,8 hieß ein Priester zur Zeit Nehemias Abija. Vgl. dazu auch Neh 12,17, wo der Name in einer Liste von Oberhäuptern von Priesterfamilien zur Bezeichnung einer dieser Familien verwendet wird.

3.9. Epigraphische belegte Personen

Auch epigraphisch ist der Name Abija mehrfach und in unterschiedlichen Schreibweisen belegt. Am linken Rand des Geserkalenders (10. Jh.) steht vermutlich Abija[hu] (HAE I/1, 36); vielleicht war dies der Name des Schreibers. Auf einem fragmentarischen Ostrakon aus Samaria ist fast nur der Name Abijau lesbar (Nr. 52,2; 8. Jh.; HAE I/1, 103), der sich vielleicht auch auf Samaria-Ostrakon Nr. 50 findet (8. Jh.; HAE I/1, 103). Eine Kruginschrift von Chorvat Uzzā enthält den Namen zwei Mal (um 700; AHI II, Nr. 37.005). Auf einem schlecht erhaltenen Ostrakon aus Arad, das eine Personenliste bietet, erscheint Abijahu als Vatersname (Nr. 27,6; 6. Jh.; HAE I/1, 396). Schließlich ist der Name auch auf mehreren Siegeln bzw. Siegelabdrücken belegt (WSS Nr. 4, 45 und 46; AHI I, Nr. 100.513, 100.009 [?]; AHI II, Nr. 100.910, 101.034, 101.187 und 101.400).

4. Zur Rezeption Abijas im Neuen Testament und in der Kunst (Koenen)

König Abija gehört als davidischer König zu den Vorfahren Jesu. Deswegen wird er bei Matthäus im Stammbaum Jesu erwähnt (Mt 1,7). Zu Abija, dem Ahnvater der achten Priesterklasse, zu der nach Lk 1,5 der Vater Johannes’ des Täufers zählte, s.o., 3.6.

Abb. 1 Die Könige Rehabeam und Abija als Vorfahren Jesu (Michelangelo, um 1510).

Abb. 1 Die Könige Rehabeam und Abija als Vorfahren Jesu (Michelangelo, um 1510).

Da die Vorfahren Jesu in der kirchlichen Kunst häufig dargestellt werden, z.B. im Zusammenhang der Wurzel Jesse-Tradition, gibt es auch von Abija mehrere Abbildungen. Die wohl bekannteste ist die von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle, wo – beginnend mit → Amminadab – im Bereich der Fenster die Vorfahren Jesu gezeigt werden. Ein Bogen ist Rehabeam und seinem Sohn Abija gewidmet. Links sieht man eine schwangere Frau sitzen, die nach unten in den Raum der Sixtinischen Kapelle zu blicken scheint. Rechts sitzt gebeugt Rehabem, hat den Kopf abgewandt und auf sein Knie sowie den linken Arm gestützt, während der rechte schlaff herunterhängt. Sein in der Chronik positiv gezeichneter Sohn Abija erscheint als Junge, der den Vater aufrichten und damit wachrütteln will.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Encyclopedia of the Bible and Its Reception, Berlin / Boston 2009ff.

2. Weitere Literatur

  • Donner, H., Geschichte des Volkes Israel und seiner Nachbarn in Grundzügen. Teil 1: Von den Anfängen bis zur Staatenbildungszeit (GAT 4/1), 3. Aufl., Göttingen 2000
  • Donner, H., Geschichte des Volkes Israel und seiner Nachbarn in Grundzügen. Teil 2: Von der Königszeit bis zu Alexander dem Großen. Mit einem Ausblick auf die Geschichte des Judentums bis Bar Kochba (GAT 4/2), 3. Aufl., Göttingen 2001
  • Frevel, C., Geschichte Israels (Kohlhammer Studienbücher Theologie 2), Stuttgart 2016
  • Noth, M., Die israelitischen Personennamen im Rahmen der gemeinsemitischen Namengebung (BWANT 46), Stuttgart 1928
  • Noth, M., Könige, Bd. 1: I Könige 1-16 (BK 9/1), Neukirchen-Vluyn 1968
  • Stamm, J.J., Beiträge zur hebräischen und altorientalischen Namenkunde. Zu seinem 70. Geburtstag herausgegeben von Ernst Jenni und Martin A. Klopfenstein (OBO 30), Göttingen / Freiburg 1980
  • Welten, P., Geschichte und Geschichtsdarstellung in den Chronikbüchern (WMANT 42), Neukirchen-Vluyn 1973

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Die Könige Rehabeam und Abija als Vorfahren Jesu (Michelangelo, um 1510).

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