Zunge, Zungenrede

Das Wort für Zunge bedeutet in den biblischen Ursprachen zugleich »Sprache« (1Mo 11). Unter den Gaben des Geistes wird in 1Kor 12,10 die Zungenrede genannt, ein Reden oder Beten in Lauten, die ohne Auslegung meistens nicht verständlich sind (vgl. auch Mk 16,17; Apg 10,46; 19,6). Weil man einseitig von Beobachtungen ähnlicher Erscheinungen in anderen Religionen ausging und in Schilderungen früher alttestamentlicher Prophetengruppen (z.B. 1Sam 10,10-13) eine Parallele sah, hat man die Zungenrede oft als ekstatische, d.h. vom Ausübenden unkontrollierbare Tätigkeit verstanden. Nach heutigen Erfahrungen geschieht dieses Sprechen bei vollem Bewusstsein, jedoch so, dass der Sprecher sich dem Wirken des Geistes öffnet. Es kann sich dabei um eine dem Sprecher unbekannte verständliche Sprache handeln (wie in Apg 2,4) oder um eine völlig unbekannte Ausdrucksweise.

Paulus geht in 1Kor 14 auf diese Gabe ausführlich ein, weil sie in der dortigen Gemeinde als besonders wertvoller Erweis des Geistes angesehen und von einem Teil der Gemeindeglieder offenbar stark überbewertet wurde.