Wort, das

»Im Anfang war das Wort«: Das Lied, mit dem das Johannes-Evangelium eröffnet wird (Joh 1,1-5.9-12.14.16), bedient sich bestimmter Vorstellungen damaliger jüdischer Religion und außerjüdischer Philosophie, um Würde und Bedeutung Jesu von Nazareth angemessen zu verkünden. Es ist zunächst im Licht von 1Mo 1 zu lesen: Gottes Wort hat die Welt ins Dasein gerufen. Eben diese Macht, der die Welt Dasein, Licht und Leben verdankt, ist als ein Mensch von Fleisch und Blut inmitten der Welt erschienen (Joh 1,1-4.14). Noch mehr erschließt sich das Lied im Zusammenhang der Vorstellungen, die im Judentum über die göttliche Weisheit ausgebildet worden waren. Diese Weisheit, die vor aller Schöpfung da war, durch die alles geschaffen wurde (Weish 9,1-2), die schon lange zu dieser Welt, speziell aber zu Israel in spannungsreicher, wechselvoller Beziehung stand (Joh 1,5.9-12), ist in Jesus persönlich auf den Plan getreten (1,14). Indem jedoch nicht von der »Weisheit«, sondern vom »Wort« gesprochen wird, ist bewusst jener Begriff (nämlich griechisch logos) gewählt, der in der damaligen Philosophie die alles durchwaltende göttliche Weltvernunft bezeichnet. Diese steht in Jesu Person vor aller Welt da. Auf diese Weise wird der Anspruch Jesu auch der nichtjüdischen Welt gegenüber deutlich gemacht.

Im Unterschied zu den religiösen und philosophischen Spekulationen jener Zeit, auf die das Lied Bezug nimmt und denen es seine Bilder und Begriffe entleiht, wird in ihm betont, dass das »Wort« (die Weisheit), das in Jesus ein Mensch wurde, nicht ein Geschöpf – und sei es auch das erste und vornehmste –, sondern selbst Gott ist (Joh 1,1-2; vgl. 1,18; 20,28; 1Joh 5,20) und dass es in Jesus wirklich und wahrhaftig Mensch, ein Mensch von Fleisch und Blut wurde (1,14).