Verstockung

Von Verstockung wird im Alten und Neuen Testament gesprochen, wenn ein Mensch unempfindlich und unempfänglich für Gott und seinen Willen geworden ist. Dabei kann der Mensch sich selbst verstocken (2Mo 8,11.28; 9,34; Ps 95,8); Verstockung kann aber auch als Gericht von Gott verhängt sein (2Mo 4,21; 7,13; 9,35), weil Gott in seinem souveränen Wirken an einem Menschen oder einer Gruppe seine Macht sichtbar machen will (1Mo 10,1-2; 11,9-10). Hinter jedem Fall von Verstockung steckt ein mehr oder minder deutlich erkennbarer Anlass. Beim Pharao ist es die eigene Vergöttlichung im ägyptischen Kult und die habgierige Ausnutzung eines Gastvolkes. Israel sollte außerdem erkennen, dass es seine Rettung aus Ägypten nur seinem Gott verdankte und nicht etwa dem großmütigen Nachgeben des Pharao.

Jesaja wird zu Israel gesandt, um es mit seiner Verkündigung zu verstocken (Jes 6,10). Im Neuen Testament wird Jes 6,10 zur Begründung für die rätselhafte Tatsache herangezogen, dass sich Menschen der Predigt Jesu verschließen (Mk 4,12). In Röm 9–11 ringt Paulus mit dem Problem des Unglaubens Israels, den er ebenfalls als Verstockung deutet. Diese soll freilich nicht endgültig sein, sie dient einem heilsgeschichtlichen Zweck: Wenn die Heiden zum Glauben gekommen sind, wird auch Israel gerettet werden (Röm 11,25-32).

Eines ist deutlich: Die Verstockung, die als Gericht von Gott ausgeht, ist immer die Folge davon, dass Menschen sich zuvor selbst verstockt (von Gott abgewandt, sich für seine Stimme unempfänglich gemacht) haben. Dass Verstockung auch von Gott ausgehen kann und ausgeht, hebt die Freiheit und Verantwortlichkeit des Menschen nicht auf, sondern fordert sie aufs höchste heraus.