Tun-Ergehen-Zusammenhang

Viele Aussagen über Gottes Walten als Richter (Rache) erwecken den falschen Eindruck eines ständig strafenden, rachsüchtigen Gottes. Nach biblischem Denken jedoch zerstört jede Sünde die Lebensgemeinschaft der Menschen und wirkt sich deshalb auch auf den Täter aus; sie »rächt sich« (!) an ihm. Mit dem Unrecht erzeugt der Sünder eine Art »Unheilssphäre«, die unweigerlich auf ihn selbst zurückschlägt. So setzt er mit dem Tun des Unrechts zugleich auch schon die Strafe für das Unrecht in Gang; er wird so von seinem eigenen Unrecht eingeholt. Unser Sprichwort: »Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein« drückt denselben Gedanken aus (vgl. Spr 26,27).

Damit wird jedoch nicht ein Automatismus beschrieben, der unabhängig von Gottes Wirken und Willen funktioniert; vielmehr ist der Tun-Ergehen-Zusammenhang die Weise, in der sich Gottes Rechtswille in den irdischen Verhältnissen zur Geltung bringt. Wenn Gott diesen Zusammenhang aufheben und Gnade walten lassen will, braucht es dazu eines Mittels, durch das die Unheilssphäre außer Kraft gesetzt wird. Diesen Sinn hat die – von Gott her angeordnete, nicht von Menschen willkürlich ausgedachte – Stiftung des Opferdienstes, durch den (im Sündopfer; Opfer) ein Ersatz für das verwirkte Leben des Schuldigen eintritt und damit der Unheilszusammenhang aufgehoben wird (Sühne). Siehe 1Mo 42,21; Ps 7,14-17; Jes 5,18; 9,17-20.