Taufe

(1) Ursprung, Bedeutung, Vollzug: Von allem Anfang an wurden Menschen – und zwar ausschließlich – durch die Taufe in die christliche Gemeinde aufgenommen. In der christlichen Taufe lebt die Taufe fort, die der Täufer Johannes geübt hat, und demgemäß ist auch mit ihr die Forderung radikaler Umkehr (Buße) verbunden. Doch im Übrigen hat sich die Bedeutung der Taufe tiefgreifend gewandelt aufgrund des Sterbens und Auferstehens Jesu und nicht zuletzt, weil er selbst sich hat taufen lassen und diese seine Taufe »gelebt« hat (s.u.). Die christliche Taufe stellt deshalb die Vergebung der Sünden nicht nur für den Tag des Gerichts in Aussicht, vielmehr spricht sie dem Täufling hier und jetzt diese Vergebung wirksam zu – um des Todes willen, den Jesus auf sich genommen hat. Auch die Rettung im Gericht und die Teilhabe am Leben in Gottes neuer Welt (Reich Gottes) verspricht sie nicht nur für die Zukunft, sondern gibt schon jetzt ersten, entscheidenden Anteil daran durch das Geschenk des Heiligen Geistes. Sie stellt in die Lebensgemeinschaft mit dem auferstandenen Jesus und stiftet Gemeinschaft mit allen, die gleichfalls durch die Taufe zu Christus gehören (1Kor 12,13). In der Taufe schafft Gott durch Jesus Christus in der Kraft des Heiligen Geistes die neutestamentliche Gemeinde, den Anfang der neuen Welt und Menschheit (Erstlinge).

Diese Taufe wird gespendet (wörtlich) im Namen oder auf den Namen Jesu Christi (Apg 2,38; 10,48; 19,5; nach Mt 28,19 auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes). Entsprechend der damaligen Bedeutung dieser Ausdrucksweise heißt das: Sie wird vollzogen im Auftrag Jesus Christi und zur Übereignung an ihn.

In neutestamentlicher Zeit und in der Alten Kirche – in manchen Kirchen und christlichen Gemeinden bis heute – wird die Taufe in der Regel durch Untertauchen des ganzen Menschen im Wasser gespendet. Diese Praxis vor Augen, kann Paulus in Röm 6,3-11 von einem »Getauftwerden in Christi Tod« sprechen, d.h. von einem »Mitsterben (des alten Menschen) mit ihm«.

Die Taufe setzt beim Täufling Glauben (Mk 16,16; Apg 18,8) und Buße (Apg 2,38; 3,19; 17,30; 26,20) voraus und ist nicht »übertragbar«. Die in 1Kor 15,29 erwähnte Praxis einer stellvertretenden Taufe wird von Paulus nicht gutgeheißen, sie dient ihm nur als Argument dafür, dass die Angesprochenen die Hoffnung auf die endzeitliche Auferstehung der Toten doch offenbar sehr ernst nehmen. Dass bei der Taufe ganzer Hausgemeinschaften (Apg 16,15.33; 18,8; 1Kor 1,16) gelegentlich auch Kleinkinder mitgetauft wurden, lässt sich nicht ausschließen, aber auch nicht beweisen.

(2) Taufe Jesu: Wenn Jesus sich der Taufe durch Johannes unterzieht, gewinnt sie für ihn eine ganz eigene Bedeutung. Nicht Umkehrwille und Sündenvergebung stehen im Blick (vgl. 2Kor 5,21; Hebr 4,15; 1Joh 3,5); die Berichte über dieses Ereignis (Mk 1,9-11par) stellen vielmehr klar, dass Jesus mit der Übernahme dieser Taufe öffentlich seinen Dienst als Messias (Christus) angetreten hat – einen Dienst, der zuletzt darauf hinausläuft, für die Sünden der Menschen zu sterben und ihnen so den Zugang zum Leben bei Gott zu öffnen (Joh 1,29-31.35-36; Lk 12,50; Mk 10,38). Weil Jesus diesen Weg im Gehorsam (vgl. Hebr 5,8) beschritten hat, wird er von der Himmelsstimme zum Sohn Gottes erklärt, als den ihn die Gemeinde nach seinem Tod und seiner Auferstehung erkennen und bekennen wird.

Nach Mt 3,15 hat Jesus seine Taufe verstanden als Auftakt zu einem Leben, in dem er – angesichts der nahen Gottesherrschaft und entsprechend der Umkehrforderung des Täufers – den Willen Gottes ohne Abstriche erfüllen wollte.