Tag des HERRN

Gemeint ist zunächst der Tag, den Gott selbst bestimmt, um einzugreifen und seinem Willen Geltung zu verschaffen. Es ist weiter der Tag, an dem Gottes Volk erlebt, wie Gott ihm Recht verschafft und es aus der Bedrängnis durch Feinde errettet, indem er diese bestraft oder vernichtet. Die Propheten Amos und Jesaja warnen jedoch davor, diesen Tag herbeizuwünschen, weil das von Gott abgefallene Gottesvolk selbst das Gericht Gottes zu erwarten hat (Am 5,18-20; Jes 2,11-17). Im Buch des Propheten Joel wird der Tag des HERRN in diesem Sinne zum Hauptthema. Wenn der große Tag der Abrechnung kommt, ist trotzdem noch Rettung möglich, nämlich für alle, die sich dem Herrn zuwenden (Joel 3,5; Zef 2,3), für den »Rest«, der Gott die Treue hält und ihm vertraut (Jes 10,20-23).

Nach neutestamentlicher Erwartung wird der Tag des HERRN der »Tag« des Herrn Jesus Christus sein, der Tag, an dem der auferstandene Gekreuzigte als Menschensohn und Weltrichter offenbar wird. Diesen »Herrn« gilt es daher anzurufen (Apg 2,21); vor ihm gilt es zu bestehen (Röm 2,16; 1Kor 5,5; Phil 1,6.10; 1Thess 5,2.4-5.8; 2Tim 4,8; 2Petr 1,19; vgl. auch Mt 7,22; 24,36).

In einem abgeleiteten Sinn heißt auch jeder erste Wochentag unter Christen »Tag des Herrn« (Offb 1,10). Es ist der Tag, an dem die Gemeinde sich versammelt, um der Auferstehung und Inthronisation ihres Herrn zu gedenken (vgl. Mk 16,2 par; Joh 20,19.26), das »Abendmahl des Herrn« zu feiern (1Kor 11,20; vgl. Apg 20,7) und sich immer neu und immer tiefer auf sein endgültiges Kommen auszurichten (1Kor 11,26; Mk 14,25 par; 1Kor 16,22; Offb 22,20; Hebr 10,24-25).