Schlacken

Die Gewinnung und Läuterung von Edelmetallen wird in der Bibel zum Bild für die Prüfung des Glaubenslebens auf seine Echtheit und die Läuterung des Gottesvolkes und seiner einzelnen Glieder durch Strafgerichte und Leiden. Insbesondere geht es dabei um die Ausscheidung von Verunreinigungen, wie sie durch das Erhitzen von Gold und Silber im »Tiegel« geschieht (Spr 17,3; 27,21; Sach 13,9; Mal 3,3; 1Petr 1,7; Offb 3,18). In spezieller Weise dienen die Vorgänge bei der Silbergewinnung zum Vergleich. Als Ausgangsstoff wurde hier in alter Zeit silberhaltiger Bleiglanz verwendet. Ihm wurden in einem ersten Schmelzvorgang durch Beigabe anderer Metalle die Schwefelbestandteile entzogen; anschließend wurde das Blei (durch Oxidation zu Bleiglätte) vom Silber getrennt. In beiden Phasen fielen »Schlacken« an. Der zweite Vorgang war jedoch besonders schwierig und konnte leicht misslingen, sodass nur silberhaltige Bleiglätte (»Schlacke«; Jes 1,22) oder minderwertiges Silber (Jer 6,29-30) dabei herauskam. So musste dieser zweite Arbeitsgang unter Umständen wiederholt werden (Jes 1,25). Um reinstes, »lauteres« Silber zu erhalten, war oft ein mehrfacher Schmelzvorgang nötig (vgl. Ps 12,7).

In Hes 22,18 werden die beiden Phasen des Schmelzvorgangs nicht streng auseinander gehalten, da der Prophet nur am Abfallprodukt interessiert ist; außerdem nimmt er offenbar einen total misslungenen Schmelzprozess an, der anschließend wiederholt werden muss (V. 19-22): Das Abfallprodukt »Schlacke« muss nochmals in den Schmelzofen!