rein/unrein, Reinheitsvorschriften

Wegen der Heiligkeit Gottes muss der Mensch, der sich ihm naht – sei es in der anbetenden Gemeinde, sei es beim Privatopfer –, rein sein. Dabei ist »rein« zunächst kein moralischer Begriff, sondern durch rational nicht begründete Vorstellungen davon bestimmt, was in die Nähe Gottes kommen darf und was nicht. Alles, was die Integrität des Menschen infrage stellen kann, macht ihn »unrein«; das gilt etwa für Hautkrankheiten (»Aussatz«) und ebenso für jede Berührung mit Menschen (»Heiden«), welche die Reinheitsvorschriften des Mosegesetzes nicht beachten. Ein wichtiges Gebiet sind daneben die Bestimmungen über reine und unreine Speisen (Nahrungsvorschriften). Schließlich ist auch alles, was mit den Bereichen von Tod und Geschlechtlichkeit zu tun hat, von der gottesdienstlichen Gemeinde fern zu halten.

Die Gesetzestreuen zur Zeit des Neuen Testaments dehnten diese Bestimmungen, die für Priester und jeden, der den Tempel betreten wollte, verbindlich waren, auf den ganzen Alltag aus und verschärften sie. Wenn die Pharisäer nichts mit ungewaschenen Händen aßen und streng die Reinheitsgesetze einhielten (Mk 7,14; vgl. Joh 2,6), dann nicht aus hygienischen, sondern aus religiösen Gründen: Man wollte sich als Gottes erwähltes Volk »rein« bewahren.

Umso befremdlicher und bedenklicher erschien Jesu Haltung und Verhalten in dieser Sache, der alle äußeren Reinheitsvorschriften der Reinheit des Herzens unterordnete (Mk 7,1-23). Noch bei den jungen christlichen Gemeinden drohte zeitweilig die Einheit zu zerbrechen über der Frage, ob Christen nichtjüdischer Herkunft (die sich nicht an die Reinheitsvorschriften des Mosegesetzes hielten) mit Christen jüdischer Herkunft (die dies weiterhin taten) zusammenleben und z.B. das Abendmahl gemeinsam feiern könnten (Gal 2,11-16; vgl. Apg 15,20-21).