Redenquelle

Die Bibelforschung nimmt heute weitgehend an, dass im Matthäus- wie auch im Lukas-Evangelium zwei schriftliche Quellen verarbeitet worden sind (sog. Zweiquellentheorie). Die eine Quelle ist uns noch erhalten; es ist das Markus-Evangelium. Die andere ist nicht erhalten, lässt sich aber nach Inhalt und Umfang in etwa rekonstruieren aus den Abschnitten, die Matthäus und Lukas über Markus hinaus gemeinsam haben. Danach hat es sich um eine Schrift gehandelt, die – abgesehen von der Geschichte vom Hauptmann von Kapernaum (Mt 8,5-13; Lk 7,1-10) – nur Worte und Reden Jesu enthielt (z.B. die Bergpredigt bzw. Feldrede Mt 5–7 bzw. Lk 6,20-49). Deshalb wird sie auch von den Bibelwissenschaftlern als »Logien-« oder »Redenquelle« (abgekürzt mit Q = »Quelle«) bezeichnet. Diese Schrift hat dem Matthäus- und dem Lukas-Evangelisten wahrscheinlich je in einer unterschiedlichen Fassung vorgelegen. Die von Lukas verarbeitete scheint die ältere, ursprünglichere gewesen zu sein. Lukas hat außerdem seine Quelle – im Wortlaut und in der Abfolge der einzelnen Worte und Reden – im Ganzen ursprünglicher bewahrt. So geht man bei der Rekonstruktion der »Redenquelle« meistens von dem aus, was das Lukas-Evangelium darbietet. Im Wesentlichen sind es folgende Abschnitte: Lk 3,7-9; 4,1-13; 6,20-49; 7,1-10.18-35; 9,57–10,24; 11,2-4.9-36.39-52; 12,1-12.22-59; 13,24-29.34-35; 14,15-24.26-27; 15,4-7; 16,13.16-18; 17,3b-6.22-37; 19,12-27. – Die Redenquelle dürfte um 60 n.Chr. als eigene, in sich abgeschlossene Schrift vorgelegen haben. Matthäus und Lukas haben sie so gut wie sicher in griechischer Gestalt vorgefunden.