Recht

Das alte Israel kennt keine Berufsrichter oder staatlichen Gerichte; Recht gesprochen wurde von den versammelten freien Männern der Ortsgemeinde im Tor. Deshalb gab es auch keine klare Trennung zwischen Ankläger, Zeuge und Richter. Der Tatbestand der »Befangenheit« war bei engen Verhältnissen oft gegeben und die Gefahr von tendenziösen oder Fehlurteilen war groß. Deshalb muss so häufig an die Unbestechlichkeit erinnert werden (vgl. 3Mo 19,15). Daneben gab es überörtliche »Richter« die mehr als Schiedsinstanzen wirkten (die »Kleinen Richter« von Ri 10,1-5; 12,8-15). Erst in der Königszeit werden auch staatliche Gerichte eingesetzt.

Die Rechtsnormen waren in alten Überlieferungen festgelegt. Dies ist besonders deutlich bei der Einrichtung der Blutrache, die erst nach und nach begrenzt und in das öffentliche Gerichtsverfahren einbezogen wurde (vgl. 4Mo 35,16-29). Das göttliche Gebot (Zehn Gebote in 2Mo 20/5Mo 5) setzt nur bestimmte Grundnormen, die der konkreten Ausführung bedürfen. Todeswürdige Vergehen werden in »apodiktischen« Rechtssprüchen aufgereiht (2Mo 21,12-17; 22,17-19), während sich für Rechtsfälle des täglichen Lebens ein »kasuistisches« Recht herausbildet (2Mo 21,18–22,16), das Parallelen in alten kanaanitischen und babylonischen Rechtssammlungen hat. Der Wille Gottes ist, so wird immer wieder eingeschärft, dass das Recht nicht zum Unterdrückungsmittel in der Hand der Mächtigen wird, sondern die Armen und Schwachen zu ihrem Recht kommen (3Mo 19,33-34; 5Mo 10,17-19; Ps 146,5-9).