Rache

Das Wort wird besser mit »Vergeltung« wiedergegeben. Wenn die Bibel vom »Gott der Rache« spricht, meint sie den Gott, der leidenschaftlich für das Recht eintritt. Auch der Wunsch biblischer Beter um Rache an ihren Feinden ist in diesem Zusammenhang zu sehen: als das Verlangen gequälter Menschen nach dem ihnen zustehenden Lebensrecht. Im Neuen Testament führt Jesus über diesen berechtigten Wunsch hinaus, indem er seine Jünger dazu auffordert, auf Rache zu verzichten und den Gegner durch Liebe zu überwinden (Mt 5,38-48; vgl. Röm 12,17-21). Auch das Gesetz der gleichwertigen Vergeltung (»Auge um Auge…«) hat nichts mit irgendeiner Rachsucht zu tun, sondern schränkt sie im Gegenteil ein.

Besonders einige Psalmen drücken für unser Empfinden ein ungezügeltes Rachebegehren aus (vgl. 3,8; 5,11; 9,6.18.20-21; 12,4; 35,1-8; 55,16; 58,7-12; 59,11-14; 69,23-29; 79,6.10-12; 83,10-19; 94,1-2; 109,6-20; 137,7-9; 140,10-11). Die Beter verdrängen ihre aufgewühlten Gefühle nicht, sondern sprechen sie rückhaltlos vor Gott aus. Damit geben sie jedoch gleichzeitig die Ausführung der Bestrafung an Gott ab, der allein nicht nur die Macht, sondern auch das Recht dazu hat.