Qumran

Klosterähnliche Niederlassung nordwestlich des Toten Meeres, die um 150 v.Chr. gegründet und 68 n.Chr. von den Römern zerstört wurde. Die Wurzeln der Qumrangemeinde liegen, wie die der Pharisäer, in den Kreisen der Hasidäer, die dem Einfluss (und der zwangsweisen Einführung) griechischer Sitte und Religion um 170 v.Chr. Widerstand leisteten (in ihrem Namen »Esséner« oder »Essäer« lebt die Bezeichnung »Hasidäer« fort). Die Emigration in die Wüste erfolgte als Protest dagegen, dass der Makkabäer Jonatan (aus dem niederen Landpriestergeschlecht der Hasmonäer) 153 v.Chr. das Hohepriesteramt und 151/150 auch königliche Würden übernahm (1Makk 10,15-21.65). Streng endzeitlich ausgerichtet, erwartete die Qumrangemeinde einen messianischen Hohenpriester aus dem Geschlecht Aarons und den messianischen König aus dem Geschlecht Davids. Die Gemeinde betrachtete sich als das einzig wahre Israel und als zwischenzeitlichen Ersatz für den Tempel, der ihnen als entweiht galt. Unter strengster Beobachtung des Gesetzes, insbesondere auch seiner Reinheitsvorschriften (beides wurde in Qumran noch weit strenger ausgelegt als bei den Pharisäern), lebte die Gemeinde dem als nahe erwarteten Anbruch des Reiches Gottes entgegen, vor welchem aber noch der Endkampf der »Söhne des Lichtes« (= Qumrangemeinde) mit den »Söhnen der Finsternis« (= das abtrünnige Israel und die Heidenvölker) auszufechten war.

Jesus unterscheidet sich durch seine Reich-Gottes-Verkündigung, seine grundsätzliche Offenheit für ganz Israel und auch für die Heiden sowie seine Einstellung zum Gesetz, speziell zu den Reinheitsvorschriften, radikal von Qumran und der dort herrschenden Geistigkeit. Auch Ehe- und Besitzverzicht sind bei Jesus von der Wurzel her anders motiviert als in Qumran, wo Fragen der Reinheit für den priesterlichen Dienst und den zu erwartenden heiligen Krieg für beides den Ausschlag gaben.