Opfer, Opfermahl

Das Opfer ist eine in Israel wie bei allen Völkern des Altertums verbreitete, besonders wichtige und feierliche Form des Gottesdienstes, mit dem Sinn, Gott Verehrung darzubringen, seine Gunst zu gewinnen oder Strafe abzuwenden. In Israel wurde in der früheren Zeit an zahlreichen örtlichen Heiligtümern geopfert, später nur noch in Jerusalem. Es gibt blutige und unblutige Opfer. Zu den unblutigen zählen Früchte, Brot Wein, Öl, Weihrauch; für die blutigen sind geeignet Rinder, Kälber, Schafe, Ziegen, Tauben.

Wichtigstes Opfer ist das |pBrandopfer|&#Brandopfer, Brandopferaltar oder Ganzopfer, das in der Regel täglich zweimal dargebracht (2Mo 29,38-41) und bei dem das Opfertier ganz auf dem Altar verbrannt wurde.

Die gewöhnlichste Opferart ist das Schlachtopfer; jede Schlachtung war ursprünglich ein solches Opfer. Die Innereien wurden zusammen mit einem Brandopfer dargebracht, während das Fleisch des geschlachteten Tieres beim Opfermahl im Bereich des Heiligtums von der Familie oder Gemeinde verzehrt wurde. Der hebräische Ausdruck könnte am besten als »Gemeinschaftsopfer« übersetzt werden, weil durch das Mahl Gemeinschaft zwischen den Essenden und Gott gestiftet wurde. Man unterscheidet hier freiwillige Dankopfer eines Einzelnen oder einer Gruppe, die aus besonderem Anlass (Rettung aus Krankheit und Not) dargebracht wurden, und Lobopfer, die offenbar bei bestimmten Anlässen vorgeschrieben waren. Zum Lobopfer gehörten noch unblutige Opfergaben hinzu (3Mo 7,12-13).

Zur Sühne von schwer wiegenden Verstößen gegen das göttliche Gesetz diente das Sündopfer, bei dem der Priester mit dem Blut des Opfertieres bestimmte Sühnehandlungen vornahm und die Fettstücke auf dem Altar verbrannte (3Mo 4). Das Fleisch wurde von den Priestern verzehrt (3Mo 6,17-23). Die Sühnewirkung dieses Opfers betraf Verfehlungen, die unbeabsichtigt und unwissend begangen wurden. Mit dem Sündopfer verwandt ist das Schuldopfer, mit dem eine über das Opfer hinausgehende Wiedergutmachung verbunden ist und durch das auch bestimmte wissentlich und willentlich begangene Verfehlungen gesühnt werden konnten (3Mo 5,14-26).

Das Speisopfer (3Mo 2) bestand in einer Naturalabgabe: Mehl oder Backwaren mit Öl oder Erstlinge der Feldfrüchte. Es konnte als selbständiges Opfer (3Mo 5,11; 6,13-16; 4Mo 5,15) oder in Verbindung mit anderen Opfern (4Mo 28–29) dargebracht werden. Eine Hand voll wurde mit Weihrauch als Gedenkopfer auf dem Altar verbrannt; der Rest fiel dem Priester zu.

Das Trankopfer, bei dem man roten Wein am Altar ausgoß, steht immer in Verbindung mit anderen Opfern, vor allem dem Brandopfer (4Mo 28–29).

Für das Räucheropfer wurde eine besondere Mischung von Weihrauch und verschiedenen anderen Bestandteilen hergestellt, die zum Amtsgeheimnis einer bestimmten Priesterfamilie gehörte (Räucherwerk). Die Weihrauchmischung wurde auf Räucherpfannen (3Mo 10,1) oder dem Räucheraltar im Innern des Heiligtums (Lk 1,9-10) verbrannt.

Jesus hat wenig vom Opfer gesprochen (doch vgl. Mt 5,23-24; 8,4; 9,13; 12,7). Seine eigene Lebenshingabe hat er wohl mehr im Licht des Gottesknechtsliedes Jes 52,13–53,12, weniger im Licht des alttestamentlichen Opferkults gesehen und gedeutet (vgl. Mk 10,45; 14,22-24 par). Doch wurde sein Tod von der frühen Christenheit als Ende und Vollendung des Opferwesens begriffen und verkündet (vgl. Röm 3,25; Eph 5,2; Hebr 9,14.26; 10,10.14; 13,10-13). Die christliche Gemeinde lebt von der gottesdienstlichen Vergegenwärtigung des Opfers Jesu Christi (1Kor 11,23-26). Als Antwort auf die Rettungstat Gottes in Jesus Christus und in der Kraft dieser Rettungstat ist sie gehalten, ihr ganzes Leben Gott zum Opfer zu weihen (Röm 12,1; vgl. 15,16). Eine neue Priesterschaft und ein neuer Opferdienst sind damit ins Leben gerufen (1Petr 2,5.9; Offb 1,5-6; 5,9-10). Dieser Dienst besteht einerseits darin, Gott unablässig zu danken und ihn zu loben (1Petr 2,9; Hebr 13,15; Offb 5,8; 8,3-4) und fürbittend für alle Welt einzutreten (1Tim 2,1-6), andererseits darin, einander und allen Menschen Gutes zu tun (Gal 6,10; Phil 4,18; Hebr 13,16; Jak 1,27).