Meer

Das Meer ist nach alter semitischer Vorstellung Sinnbild der gottfeindlichen, die Schöpfung und ihre Ordnung bedrohenden Macht (das klingt noch in Lk 21,25 nach). Der Schöpfungsvorgang selbst kann darum als Kampf gegen das »Urmeer« beschrieben werden, das im Meerdrachen (Leviatan) persönliche Gestalt annimmt (Hiob 26,12-13; 38,8-11; Ps 74,12-14). Nach dem Glauben Israels ist Gott der Schöpfer auch des Meeres (1Mo 1,9-10); darum hat er es unter Kontrolle (Ps 104,6-9) und zwingt es, seinem Willen zu gehorchen (2Mo 14; Ps 77,17; Jona 1–2). Auf derselben Linie liegt es, wenn Jesus den Sturm stillt (Mk 4,35-41) oder auf dem Wasser geht (Mk 6,45-52). In der neuen Schöpfung wird es kein Meer mehr geben (Offb 21,1).

Nach altorientalischem Weltbild befinden sich die Wasser des Urmeeres als oberes Meer über dem Firmament (Himmelsozean) und als unteres Meer unter und am Rande der auf Pfeilern ruhenden Erdscheibe. In Form von Regen und Grundwasser ermöglichen sie das Leben auf der Erde, können aber auch mit zerstörerischer Gewalt auftreten wie in der Sintflut, wo die Himmelsschleusen und die »Brunnen der Tiefe« geöffnet werden (1Mo 7,11). – »Meer« ist auch die Bezeichnung für das große bronzene Wasserbecken im Tempelhof (1Kön 7,23).