Kusch

Das Land südlich von Ägypten, von Syene = Assuan (Hes 29,10) südwärts bis zum Sudan; in der griechischen Übersetzung (Septuaginta) mit »Äthiopien« wiedergegeben. Luther übersetzte Kusch mit »Mohrenland« und Kuschiter mit »Mohren«. Diese Übersetzung wurde an einzelnen Stellen bis heute beibehalten (z.B. Ps 68,32; 87,4; Jer 13,23; 38,7; Am 9,7).

In der Völkertafel 1Mo 10 steht Kusch einerseits in enger Beziehung zu Ägypten (Mizrajim: V. 6), andererseits – über das Rote Meer hinweg – mit Arabien (Seba, Hawila, Ragma, Saba, Dedan: V. 7; vgl. auch 2Chr 21,16; Jes 43,3; 45,14). Mit Kusch in V. 8 sind dagegen wahrscheinlich die Kassiter (babylonisch kasch) gemeint, ein kaukasisches Reitervolk, das im 2. Jahrtausend v.Chr. nach Mesopotamien einwanderte.

Das Land Kusch südlich von Ägypten mit der Hauptstadt Napata war im 2. Jahrtausend v.Chr. mehrfach von Ägypten beherrscht. Im 8. und 7. Jahrhundert v.Chr. konnten sich umgekehrt die Kuschiter zeitweilig der Herrschaft über Ägypten bemächtigen und aus dieser Machtposition heraus sogar gegen Assyrien antreten (2Kön 19,9; Jes 20; 37,8-9). Doch wurden die Ägypter im 6. Jahrhundert v.Chr. wieder Herr im eigenen Land. Kusch existierte weiter als eigenes Reich mit der Hauptstadt Meroë unter einer Priesterschaft, die im 3. Jahrhundert v.Chr. gestürzt wurde. Man findet Kuschiter als Söldner in den ägyptischen Armeen (2Chr 12,3; 14,8-14; 16,8; Jer 46,9), man findet sie aber auch im Dienst der Könige von Juda (2Sam 18,21-23.31-32; Jer 38,7-13; 39,15-18). In römischer Zeit führten Königinnen – d.h. jeweils die Königinmutter – mit dem Titel Kandake die Herrschaft (Apg 8,27).

Kusch galt den Alten als das fernste Land, als das Ende der Welt (in Est 1,1; 8,9 steht statt »Nil« im Hebräischen »Kusch«). Doch auch bis dahin reicht die Macht des Gottes Israels (Am 9,7; Jes 11,11), und auch die Kuschiter werden sich einst dem Gott Israels zuwenden und ihn anbeten (Jes 18,7; Zef 3,9-10; Ps 68,32; 87,4; vgl. Apg 8,26-39).