Krieg, heiliger; Kriege des HERRN

Wie bei allen anderen Völkern im Alten Orient war auch in Israel der Krieg fest mit religiösen Vorstellungen und rituellen Handlungen verbunden. Da die Vorstellung herrschte, dass der jeweilige Gott selber mit seinem Volk in den Krieg zog und sich am Kampfgeschehen beteiligte, kann man jeden damaligen Krieg als einen »heiligen Krieg« betrachten. Die israelitische Auffassung vom Krieg ist von der am Schilfmeer erfahrenen Rettung geprägt: Die wehrlosen Israeliten wurden auf wunderbare Weise vor der ägyptischen Militärmacht gerettet und erkannten darin das Eingreifen des HERRN (2Mo 15,21). Weil Gott seinem Volk Land zugesprochen hatte, das Heer führte und selber für Israel kämpfte (2Mo 14,14), sah man die Kriege als Sache Gottes an (2Mo 17,16; Jos 5,13-15) und führte sie als »Kriege des HERRN« (4Mo 21,17; 1Sam 18,17; 25,28). In der israelitischen Königszeit entwickelte sich eine immer stärker theologisierte Vorstellung vom »Krieg des HERRN« und alttestamentliche Schilderungen von Kriegsereignissen sind oft stark von dieser theologischen Vorstellung bestimmt. Im Idealfall waren demnach Vorbereitung und Durchführung des Krieges gottesdienstlich und rituell geprägt. Alle Teilnehmer an den »Kriegen des HERRN« sollten sich strengen Regeln unterwerfen; gefordert war Reinheit wie für einen Gottesdienst (5Mo 23,10-15; 1Sam 21,5-6; rein). Zur Vorbereitung gehörten des Weiteren Opfer (1Sam 7,9) und die Befragung Gottes, in der Regel durch den Priester (Ri 20,23.27-28). Weil Gott selbst der eigentlich Handelnde ist (Jos 10,14; Ri 4,14), spielt die Größe des Heeres letztlich keine Rolle (Ri 7,2.7). Den Sieg führt Gott herbei, indem er seinen Schrecken auf die Feinde fallen lässt (Jos 2,9; 10,10; Gottesschrecken). Am Ende muss Gott als dem rechtmäßigen Sieger die gesamte Beute übereignet werden; das ist die Bedeutung des Bannes.