Knecht, Knecht Gottes

Das hebräische Wort für »Knecht« hat eine sehr große Bedeutungsbreite. Sie reicht von »Sklave« über »Diener«, »Untertan«, »Beamter« und »Vasall« bis zum »Generalbevollmächtigten«; die jeweilige Bedeutung ist nur aus dem Zusammenhang zu erheben.

Zu den sozialen Verhältnissen Sklave(rei). Im gesellschaftlichen Umgang bezeichnete man sich aus Höflichkeit gegenüber einem anderen, den man ehren wollte, als dessen »Knecht« (1Mo 18,3; 19,2; 32,5; 42,10 u.ö.). In der Beziehung zu Gott drückt »Knecht« ein Verhältnis besonderer Zugehörigkeit aus. Wo es viele Götter gibt, kommt es darauf an, welchem Gott einer »dient«, d.h. ihn im Gebet anruft und ihn mit Opfern ehrt (von daher das Wort Gottes-dienst; »dienen« im Hebräischen derselbe Wortstamm wie »Knecht«). Die Teilnehmer am Gottesdienst oder Israel als Ganzes können daher »Knechte des Herrn« genannt werden (Ps 113,1; Jes 44,1.21; Jer 30,10); andererseits werden herausragende Männer Gottes so bezeichnet (Abraham, Isaak, Jakob, Mose, David, Hiob und die Propheten; vgl. Jes 22,20; Jer 29,19). Der Titel drückt dann ein besonderes Vertrauensverhältnis aus.

»Knecht Gottes« ist des Weiteren, wer von Gott zur Durchführung eines besonderen Auftrags gebraucht wird. Der so Beauftragte muss nicht einmal zum Volk Gottes gehören; der babylonische König Nebukadnezar kann »Knecht« Gottes sein (Jer 25,9). In Jes 40–55 kommt die Bezeichnung in diesem Sinne besonders häufig vor.