Jungfrauengeburt

Die Erzählungen von der Lebensentstehung Jesu durch die Kraft des Heiligen Geistes (Mt 1,18-25; Lk 1,34-38) sind im weiteren Zusammenhang des Glaubens zu sehen, dass das Leben, das Jesus in sich verkörpert und der Welt gebracht hat, reines Geschenk Gottes und innerweltlich unableitbar ist. Auch die Menschen, die dieses Geschenk annehmen und in seinem Kraftfeld leben, können als solche bezeichnet werden, »die nicht aus dem Blut noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren (wörtlich: gezeugt) sind« (Joh 1,13; vgl. 3,5-6; Gal 4,29). In der neuzeitlichen Auslegung ist es daher umstritten, ob die Erzählungen von der jungfräulichen Geburt des Erlösers nur diesem Glauben – mit den darstellerischen Mitteln und Möglichkeiten der damaligen Zeit – Ausdruck verleihen wollen oder ob sie auch ein entsprechendes biologisches Faktum voraussetzen. Dieses hätte dann – wie die Wunder Jesu und seine Auferweckung vom Tod – die Funktion eines Zeichens, in dem sich der Beginn der neuen Schöpfung zeichenhaft-real ankündigt. – Wie die alttestamentlichen Erzählungen von der Lebensentstehung eines Menschen aus Gottes Machtspruch (1Mo 17,17-19; 18,9-14; 25,21; Ri 13,2-3; 1Sam 1,1-20; vgl. Lk 1,5-20) erwächst auch das Bekenntnis zum Hervorgehen des Erlösers aus der schöpferischen Kraft des Geistes Gottes aus anderen Wurzeln als die in der Antike weit verbreiteten Geschichten, nach denen Heroen und bedeutende Männer (Herakles; Alexander der Große; Kaiser Augustus) aus der Verbindung eines Gottes (Zeus; Apollo) mit einer irdischen Frau hervorgegangen sein sollen; allenfalls wird darauf in überbietender und abgrenzender Weise Bezug genommen.