Jericho

Jericho, 259 m unter dem Meeresspiegel gelegen, ist die älteste Stadt im syrisch-palästinischen Raum und eine der ältesten Städte der Welt überhaupt. Seine strategische Bedeutung hatte es durch die Nähe zu den Jordanübergängen; seinen Reichtum verdankte es dem Handel mit Salz, Asphalt und Schwefel aus dem Toten Meer. Die älteste Mauer der Stadt wurde bereits um 7000 v.Chr. errichtet. Um 1550 v.Chr. wurden Stadt und Befestigung von einem ägyptischen Heer zerstört; zwischen 1400 und 1325 v.Chr. befand sich an der Stelle Jerichos nur ein kleines, unbefestigtes Dorf. Zur Zeit der Inbesitznahme des Landes unter Josua (nach allgemeiner Annahme um 1250 v.Chr.) scheint der Platz – den Ausgrabungsergebnissen zufolge – sogar unbesiedelt gewesen zu sein. Bei dem Bemühen um einen Ausgleich zwischen den archäologischen Befunden und dem Bericht über die Eroberung Jerichos in Jos 6 rechnen heute viele Ausleger damit, dass sich in Jos 6 nicht ein historischer Vorgang spiegelt, sondern das Ritual einer kultischen Begehung, mit welcher man in der Frühzeit Israels (vom nahen Heiligtum in Gilgal her) die Inbesitznahme Kanaans immer wieder als Gottestat und Wunder Gottes feiernd vergegenwärtigte.

Die Quelle, die zu Füßen des Stadthügels von Jericho entspringt, macht das Gebiet ringsum zu einer üppigen Oase inmitten der von tropischer Hitze verbrannten Niederung des Jordantales; deshalb die Benennung Jerichos als »Palmenstadt« (5Mo 34,3; Ri 3,13; 2Chr 28,15). Das Jericho zur Zeit des Neuen Testaments (vgl. Mk 10,46; Lk 19,1-2) lag etwa 3 km südwestlich der früheren Stadt im Wadi Qelt, während das heutige Jericho 2 km östlich vom neutestamentlichen liegt.