Hellenismus, hellenistische Zeit

Durch die Eroberungszüge Alexanders des Großen (357–323 v.Chr.) und die Staatengründungen seiner Nachfolger (in Vorderasien die Seleuziden; in Ägypten die Ptolemäer) gerieten die Völker des Alten Orients massiv in den Einflussbereich griechischer Kultur und Zivilisation. Im Zuge fortschreitender Einschmelzung alter Kulturen in die neue, griechische, entstand eine Art Welteinheitskultur und -zivilisation. Die griechische Sprache wurde die Einheitssprache des Mittelmeerraumes. Griechische Bildungsideale (vermittelt durch die Institution des »Gymnasiums«), griechische Kunst (Architektur; Städtebau; Tempelbau) und Wissenschaft (Mathematik; Geographie; Astronomie; Medizin) wurden weithin begeistert übernommen und eifrig gepflegt. Griechische Religiosität in ihrer Aufgeklärtheit sorgte für die gegenseitige Angleichung und Verschmelzung der nach Volk und Gegend unterschiedlichen Götterwelten, rückte jedoch letztlich den Menschen mit seiner Fähigkeit, für das Gemeinwohl Überragendes zu leisten, als die entscheidende Erscheinung des Göttlichen in den Mittelpunkt auch und gerade religiöser Verehrung (Heiland).

Der Hellenismus fand nicht nur begeisterte Anhänger, sondern löste auch tiefe Krisen aus bei Völkern oder Volksteilen, die sich ihrer kulturellen oder religiösen Identität beraubt sahen oder sich einfach durch die neu etablierten, griechisch organisierten Staatengebilde wirtschaftlich ausgebeutet und politisch vergewaltigt fühlten. In Israel führten die Hellenisierungsbestrebungen – die unter dem Seleuziden Antiochus IV. Epiphanes (175–164 v.Chr.) besonders rücksichtslos vorangetrieben wurden – zum Aufstand der Makkabäer (Hasidäer; Pharisäer; Qumran; Apokalyptik).