Gräuelbild

Das Wort »Gräuel« stammt aus dem Bereich des Opfergottesdienstes und bezeichnet alles, was unrein und daher kultisch verboten ist bzw. unrein und zur Teilnahme am Opfergottesdienst unfähig macht (rein; im ausgeweiteten Sinne Spr 3,32; 11,20; 15,8; 16,5; 28,9; Lk 16,15; Offb 21,27). Dazu gehören selbstverständlich alle Götzenbilder und aller Götzendienst (vgl. 1Kön 15,13; 2Kön 23,24; Jer 7,30; 13,27; Hes 20,7.30; ferner Tit 1,16). Mit »Gräuelbild (wörtlich: Gräuel) der Verwüstung« in Dan 9,27; 11,31; 12,11 ist auf die Entweihung des Jerusalemer Tempels durch Antiochus IV. Epiphanes angespielt. Dieser ließ 168 v.Chr. auf dem großen Brandopferaltar vor dem Tempelhaus einen kleinen Altar aufstellen, auf welchem dem Griechengott Zeus geopfert wurde. Dadurch wurde das ganze Heiligtum »verwüstet«, d.h. kultisch unrein, sodass der jüdische Opfergottesdienst unmöglich gemacht und Priester und Gemeinde vertrieben wurden; das Tempelgebiet verödete (vgl. 1Makk 1,57.62). Diese religionspolitische Maßnahme war Teil der Bemühungen, die Einheit des Seleuzidenreiches zu festigen (vgl. 1Makk 1,43-56).

In Mk 13,14 par ist der Ausdruck »Gräuelbild (auch hier wörtlich: Gräuel) der Verwüstung« aus Daniel übernommen. Der Höhepunkt endzeitlicher Drangsal wird demnach dadurch erreicht, dass der Staat die Religion völlig sich und seinen Zwecken dienstbar macht – zuletzt so sehr, dass er und seine Vertreter praktisch die Stelle Gottes selbst einnehmen und keinen Kult mehr dulden, der nicht ihnen gilt (vgl. 2Thess 2,3-4; Offb 13).