Gerechtigkeit

(gerecht) Im Gegensatz zum deutschen Begriff »Gerechtigkeit«, der auf die Erfüllung einer formalen Rechtsnorm zielt, geht es beim biblischen Verständnis von »Gerechtigkeit« immer um die Beziehung zwischen Personen, die in dem »rechten«, beiden Seiten »gerecht« werdenden Verhältnis zueinander stehen sollen. »Gerecht« ist, wer sich der idealen Form einer solchen Beziehung – sei es zwischen Menschen oder zwischen Gott und Mensch – entsprechend verhält. Im Verhältnis zwischen Gott und seinem Volk ist die Grundlage der gegenseitigen Beziehung der Bund, in dem Gott sich verpflichtet, sein Volk zu retten, zu bewahren und zu erhalten, und in dem das Volk sich verpflichtet, seinem Gott dafür in Dankbarkeit und Treue zugewandt zu bleiben, von ihm allein Leben und Heil zu erwarten, ihn allein durch Opfer und Gebete zu ehren und im gesamten Leben seinen heilsamen Willen, wie er in den Geboten des Gesetzes verkündet ist, zu befolgen.

»Gerechtigkeit« bedeutet demnach von Gott her: seine Treue und Verlässlichkeit (Ps 7,18; 22,32; 111,3; Dan 9,16), die Einlösung seiner Zusagen (Ps 11,7; Jes 45,19), sein rettendes, heilschaffendes Eintreten für sein Volk (Ri 5,11; Jes 41,10; 45,8; 51,6) und als dessen Folge die Gabe von Frieden, Wohlstand, Glück und Segen (Ps 48,11; Jes 48,18; 61,11; Hos 10,12); vom Volk Gottes her: Gehorsam gegenüber Gott und seinen Weisungen (5Mo 9,4; Jes 1,21) und das Tun des Guten und Rechten (Hiob 35,8; Hes 3,20; Eph 6,14; Phil 1,11).

Bei Paulus liegt alles Gewicht darauf, dass der auf sich selbst gestellte Mensch mit seinem Bemühen um die »Gerechtigkeit« letztlich scheitern muss (Röm 7,7-25; Gal 3,10-12). Paulus hat erkannt, dass Gott durch Tod und Auferstehung von Jesus einen neuen Weg zur »Gerechtigkeit« geschaffen hat: den Weg des vertrauenden Glaubens. Weil der Mensch trotz allen Strebens nach dem Guten von sich aus nicht fähig ist, Gottes Willen zu erfüllen, ist Gott bereit, ihm den Gehorsam des Menschen Jesus Christus anzurechnen (Röm 4,25; 1Kor 1,30). Wer für sich Gottes Urteil über die Sünde anerkennt und den stellvertretenden Tod von Jesus für sich gelten lässt, gilt vor Gott als »gerecht« (Röm 3,19-28). Auf der Grundlage dieser geschenkten Gerechtigkeit, von ihr im Innersten angerührt und verwandelt, ist der Mensch dann auch fähig, den Willen Gottes zu tun (Röm 6,1-23).