Friede

Anders als im abendländischen Denken meint »Friede« (hebräisch schalom) in der Bibel wie im gesamten Alten Orient umfassendes Glück, Wohlergehen des Einzelnen und der Gemeinschaft, gelungenes Leben in gelungenen Beziehungen – zueinander, zu sich selbst, zur Umwelt, zu Gott. Ein Idealbild dessen, was »Friede« in diesem Sinne heißt, zeichnet Ps 72, wo das Wort an zentralen Stellen (V. 3 und V. 7) vorkommt.

Für biblisches Denken hat die gelungene Beziehung zu Gott grundlegende Bedeutung für alle anderen Beziehungen. Heilvolles Leben in allen Dimensionen, die das Leben ausmachen, ist nur möglich, wo Gott geehrt wird und seine Rechts- und Lebensordnungen bewahrt werden (Ps 85,9-14; 119,165; 147,10-14; Jes 32,15-18; 48,18; 54,13; 57,21).

Im Neuen Testament ist »Friede« vor allem die Wiederherstellung des durch die Sünde gestörten Verhältnisses zu Gott und das daraus erwachsende umfassende Heil (Lk 1,79; 2,14; Apg 10,36). Jesus Christus »ist unser Friede« (Eph 2,14; vgl. Mi 5,4), weil aufgrund seines Opfertodes das gestörte Verhältnis der Menschen zu Gott wieder in Ordnung gebracht ist.

Die Menschen des Alten wie auch des Neuen Testaments begrüßen und verabschieden sich, indem sie einander »Frieden« wünschen. Wenn dies die von Jesus ausgesandten Boten tun sollen (Lk 10,5), so geht es um den Frieden, den Gott durch die Aufrichtung seiner Herrschaft (Reich Gottes) in Jesus Christus ermöglicht und schafft. Wenn der vom Tod auferstandene Jesus seinen Jüngern den Frieden wünscht (Lk 24,36; Joh 20,19.21.26), wenn Paulus dies zu Beginn seiner Briefe den Gemeinden gegenüber tut (z.B. Röm 1,7; 1Kor 1,3), so geht es um den Frieden, den Gott der Welt erschlossen hat im Leben, Sterben und Auferstehen von Jesus.

Der Friedenswunsch, der im Friedensgruß ausgesprochen wird, ist nach biblischem Denken nicht nur ein – ohnmächtiger – Wunsch, sondern bringt von Gott bzw. von Christus her diesen Frieden mit für alle, die ihr Herz dafür öffnen (Mt 10,12-13; Lk 10,5-6).