Frau

Die Bibel kennt überragende Frauengestalten wie Debora (Ri 4–5), Ester (Esterbuch), Judit (apokryphes Buch Judit; s. auch Prophetin); aber im Ganzen war die Stellung der Frau in biblischen Zeiten weitgehend durch ihre Geschlechts- und Mutterrolle bestimmt (Ehe). Zwar sind Mann und Frau nach dem Schöpfungsbericht gleichwertig und der Mensch wird gerade in seiner Zweigeschlechtlichkeit als »Bild Gottes« bezeichnet (1Mo 1,26-28; trotz der »Ableitung« der Frau vom Mann liegt auch 1Mo 2,18-24 noch auf dieser Linie). Dennoch zeigen die Geschichten des Alten Testaments zumeist das Bild einer patriarchalischen Gesellschaft, in der die Frau der Willkür des Mannes ausgeliefert ist (besonders deutlich 1Mo 12,10-13; 20,2; 26,7). Die Geschichte vom Sündenfall führt die Verkehrung im Verhältnis von Mann und Frau auf den Ungehorsam der ersten Menschen zurück (1Mo 3,16); aber erst im Judentum und im Neuen Testament wird die Schuld dafür einseitig der Frau angelastet (vgl. 1Tim 2,14).

Angesichts der verächtlichen Behandlung von Frauen im damaligen Judentum bedeutet das Verhalten Jesu ihnen gegenüber eine vollständige Wendung. Er begegnet ihnen mit tiefem Verstehen und einfühlsamer Liebe, besonders denen, die von der Gesellschaft geächtet sind (Mk 5,25-34; 14,3-9; Lk 7,37-50; 10,38-42; 13,10-17; Joh 4; 8,3-11). Die Rolle, die Frauen in den frühen christlichen Gemeinden spielen, bezeugt das Nachwirken von Jesu Beispiel (Apg 1,14; 16,14-15; 21,8-9; Röm 16,1-4.6-7.12.15). Paulus drückt die veränderte Stellung der Frau mit den Worten aus: »Hier ist … nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus« (Gal 3,26-28). Trotzdem bleibt er selbst noch in patriarchalischen Vorstellungen befangen (1Kor 11,3-16), und in den »Haustafeln« der späteren Briefe wird das traditionelle Rollenverständnis festgeschrieben (Kol 3,18-19; 1Petr 3,1-7; 1Tim 2,9-15), auch wenn das Bemühen erkennbar ist, durch gegenseitige Liebe einen Ausgleich zu schaffen (Eph 5,21-33).