Fluch

Das hebräische Denken sieht im gesprochenen Wort eine wirkende Macht. Es kennt den bedingungslosen Fluch, der den Adressaten unter allen Umständen trifft, und den bedingten, der über ihm vorerst nur schwebt, ihn aber trifft, wenn er sich zuschulden kommen lässt, wovor in der Verfluchung gewarnt wurde (3Mo 5,1; 5Mo 27,14-26). Der Fluch dringt in den Menschen ein (Ps 109,18-19), zerstört dessen Familie und wirkt sich über Generationen aus (1Mo 9,25; 4Mo 22,6.12) – nicht anders als der Segen, der Einzelnen und ihren Familien über Generationen Glück und Gedeihen schenkt. Fluchandrohung und Verfluchung waren ein wirksames Mittel gerade armer Leute, um sich gegen das Unrecht der Mächtigen und Reichen zu wehren (Spr 11,26; Jer 15,10). Der Fluch diente als Behelf gegen Rechtsbrecher, die man nicht fassen oder nicht überführen konnte (3Mo 5,1; Ri 17,2; Spr 29,24). Bei der Gesetzesverkündigung und deren gottesdienstlicher Wiederholung wurden Flüche ausgesprochen, um die Gemeinde im Tun des Gotteswillens zu erhalten (5Mo 27). Für das Neue Testament vgl. 1Kor 16,22; Gal 1,8; Lk 6,28; Röm 12,14.