Fleisch

Das griechische Wort, das Luther wörtlich mit »Fleisch« übersetzte, hat eine wesentlich größere Bedeutungsbreite als seine deutsche Entsprechung. Zunächst bezeichnet »Fleisch« den ganzen Menschen als leiblich-seelische Einheit. So sind Mann und Frau in ihrer Verbindung »ein Fleisch« (und nicht nur ein Leib; 1Mo 2,24); »alles Fleisch« bedeutet: alle Menschen (Joel 3,1). Im übertragenen Sinn bezeichnet »Fleisch«:

1. den Bereich des Irdischen, Menschlichen und Leiblichen, der der Vergänglichkeit unterworfen ist (z.B. Jes 40,5-6). In diesen Bereich trat der Gottessohn ein, als er Mensch wurde (Joh 1,14; Röm 8,3). Das Gegenüber zum irdischen Bereich bildet die Sphäre Gottes, die durch den Begriff »Geist« gekennzeichnet wird (Röm 1,3-4; 1Tim 3,16; 1Petr 3,18). Das Gegenüber von Fleisch und Geist kennzeichnet hier die beiden Bereiche (und zugleich Phasen), in denen sich Gottes Heilshandeln an und durch Jesus Christus vollzogen hat.

2. Negativ qualifiziert ist dagegen der Begriff »Fleisch«, wenn Paulus mit ihm beschreibt, wie das Denken, Wollen und Handeln des Menschen nicht von Gott und seinem Willen bestimmt wird, sondern nur vom Irdischen, vom Menschlich-Allzumenschlichen, ja von der Sünde (Röm 8,1-17; Gal 5,13–6,2; Eph 2,3; Phil 3,3-4). Fleisch beschreibt hier im Gegensatz zu Geist den Tatbestand, dass die Sünde sich des Menschen und seiner Glieder so bemächtigt, dass sein »Fleisch« wie eine fremde Macht sein ganzes Wesen bestimmt und ihn in den Tod führt (Röm 7,5-25). Im Gegensatz dazu steht der Geist, durch den Gott in Christus rettend den Menschen ergreift, ihn zum Handeln in Liebe und Selbstzucht bewegt und zum ewigen Leben führt.