Feinde

Es fällt auf, wie oft in den Psalmen die »Feinde« des Beters/der Beter erwähnt werden. Nur wenn es in einem Psalm um den König oder das ganze Volk Israel geht, handelt es sich bei den Feinden um Volksfremde oder fremde Völker (z.B. Ps 44,11-15; 74,3-11; 89,23-24; 106,10). In der Regel sind die »Feinde« des Beters Menschen aus seinem eigenen Volk, ja sogar seine nächsten Nachbarn. Sie verhöhnen ihn, wenn er krank ist, und sehen in seiner Krankheit ein Zeichen, dass Gott ihn verlassen hat (Ps 6; 22,7-9; 31,10-14; 41,6-9; 42,10-11; 71,9-11; 102,9-12). Sie werfen ihm Vergehen vor, die er nicht begangen hat (etwa Unterschlagung), und wollen ihn gesellschaftlich und physisch vernichten (Ps 7,4-5; 27,12; 35,11.20; 59,5; 69,5; 109,2-20). Vor ihnen sucht der Beter Zuflucht im Heiligtum und erwartet, dass Gott (in einem Gottesspruch des Priesters oder Tempelpropheten oder einem Gottesurteil) sein Recht bestätigt. Für die Frommen der nachexilischen Zeit, die oftmals zugleich die Armen waren, wird die Bedrohung durch mächtige und gottlose Feinde zu einer Art Dauerzustand (Ps 10; 12; 35,20; 58; 64; 94; Gottlose). Gezeichnet werden die Feinde in drastischen Bildern: als Feindesheer (Ps 3,7; 27,3), als Jäger und Fallensteller (Ps 7,16; 35,7; 140,6), als wilde Tiere (Ps 7,3; 17,12; 22,13-14.22; 57,5; 59,7). Manchmal verdichtet sich das Bild der Feinde zum Inbegriff des Bösen, Gottfeindlichen, der Todesmacht (Ps 22,17; 69,2.15-16; 143,3-4).