Fasten, Fasttage

Verzicht auf Essen und Trinken wurde in Israel als Sühne für eigene oder fremde Sünden geübt, aber man enthielt sich der Nahrung auch aus Trauer und zur Unterstützung eines Gebetes. Üblicherweise dauerte ein Fasten einen Tag (24 Stunden), bei besonderen Anlässen auch länger. Bei verlängertem Fasten war es nach Meinung einiger Lehrer erlaubt, nachts eine Kleinigkeit zu sich zu nehmen. In Est 4,16 ist von einem dreitägigen verschärften Fasten die Rede, bei dem man auch während der Nächte nichts zu sich nehmen sollte.

Bußtage, d.h. Volksfast- und -trauertage, wurden angesetzt, um eine drohende Not abzuwenden (Jona 3,4-9) oder eine schwere Beleidigung Gottes zu sühnen (1Kön 21,8-12). Manche meinten, ein durch Fasten verstärktes Gebet würde automatisch zur Erhörung führen; die Propheten wandten sich mit Nachdruck gegen dieses Missverständnis und forderten stattdessen Gehorsam gegenüber Gottes Geboten (Jes 58,3-12; Jer 14,11-12; Sach 7).

Nach der Zerstörung Jerusalems 587 v.Chr. wurden regelmäßige Fasttage eingeführt, an denen das Volk in gottesdienstlichen Feiern sein Schicksal beklagte, seine Schuld bekannte und die Hilfe Gottes anrief (vgl. Sach 7,3.5).

Zur Zeit Jesu war es bei manchen Frommen Sitte geworden, zweimal wöchentlich zu fasten (vgl. Lk 18,12; Mk 2,18). Der einzige offizielle und das ganze Volk verpflichtende Fasttag war jedoch der Versöhnungstagdas Fasten« in Apg 27,9).

Auch das Neue Testament kennt den Brauch des Fastens. Das vierzigtägige Fasten Jesu vor seinem öffentlichen Auftreten (Mt 4,2) entspricht den vierzig Tagen, die Mose auf dem Berg Sinai verbrachte (2Mo 24,18). Für seine Jünger lehnt Jesus das Fasten ab, »solange der Bräutigam bei ihnen ist« (Mk 2,18-20 par). Die Leiter der Gemeinde fasten vor der Aussendung von Missionaren (Apg 13,1-3) und der Einsetzung von Ältesten (Apg 14,23). In 2Kor 6,5 und 11,27 erwähnt Paulus das Fasten als Ausdruck der Selbstdisziplin.